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Der Israelit · 1902-08-07 · Heft 63 (7.8.1902) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 63 (7.8.1902)
Date
1902-08-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Central-Organ für das orthodoxe Juheuthllm. Mr. 17. 7. Aug. 1902»] von A. Mannheimer—Dettelbäch. Lchts. sSchluß. Ich bleibe zunächst bei der letzten Frage stehen. Ein Jeder kennt die Thatsache, daß auf unseren Mittelschulen, namentlich den Gymnasien, fremdsprachliche Kenntnisse verschiedener Art vermittelt werden. Die Arbeit ist keine leichte, und haben Fachmänner wiederholt bestätigt, daß das Deutsche hierdurch zu kurz komme. (Auf der Schulkonferenz 1891 zu Berlin sprach sich der deutsche Kaiser für eine bessere Pflege des deutschen Aufsatzes aus und für den Wegfall des lateinischen Aufsatzes.) Im Jahrbuch des „Vereins für wissenschaftliche Pädagogik," Jahrgang 1880, finden wir eine über 100 Seiten umfassende Abhandlung von Professor Dr. Theodor Vogt über „Die Ursachen der Ueberbürdung in den deutschen Gymnasien." Seite -121 heißt es da: Doch ich wende mich zur dritten Ursache der Ueberbürdung, und das ist die „g r a m ma - t i st i s ch e M e t h o d e. Sie ist sehr alt; denn sie reicht nach Mager bis in's Mittelalter zurück, mit dessen starrem Autoritätsglauben sie zusammenhängt und ragt wie eine ungeheure Ruine im 19. Jahrhundert empor. Sie ist eitel, denn sie hat psychologische Schminke angelegt.Die grammatistische Methode erblickt in einem logisch-synthetischen oder doch diesem ähnlichen Gange der Grammatik das principium successionis . für ihre einzelnen Schritte .... „Es gibt keine Forderung der Vernunft," welcher diese Methode nicht widerspräche, und es gibt keinen Satz des gesunden Menschenverstandes und kein psychisches Gesetz der Inneren Natur des Menschen, welches durch sie nicht „auf den Kopf gestellt" tvllrde. Der letzte oder moralische Zweck aller Erziehung fordert Interesse als Zweck des Unterrichtes, die grammatistische Methode aber strebt nach bloßem Wissen. Oder sollte sie im Ernste glauben, der zehnjährige Knabe brenne vor Begierde, lateinische Wörter dekliniren zu können? Sogar (S. 124) das zarte Kind, welches noch in der duftigen Märchenwelt lebt und in dessen Augen gewiß nicht der Glaube an menschliches Unglück zu lesen ist, muß die Leiden der grammatistischen Methode an sich erfahren ...." Wir brauchen also nicht zu erröthen, wenn, wir konstatiren, daß man. seit urdenklichen Zeiten bei uns vom Lesen zum Uebersetzen schritt und auf diesem rein mechanischen Wege zum Mischna- und. Talmudstudium vordrang. Und daß hier das Interesse ziel- und richtunggebend gewesen, braucht wahrhaftig nicht erst gesagt zu werden. Sachkenntniß lautete die Parole, Sachkenntniß, nicht Sprachkenntniß. Diese ward ganz nebenher gewonnen, das Sprach gefiihl bildete sich . von selbst und steigerte sich sogar zur Sprach fertigkeit. So ist es ja heute bekannte Thatsache, daß gar viele unserer im Osten wohnenden Brüder, anerkannte Tälmudisten, ein klassisches Hebräisch schreiben, hebräische Werke verfassen, und doch — keine Grammatik können. Es klingt paradox, und doch ist dem so. Wer schon einmal Gelegenheit gehabt. der konnte sich davon überzeugen. Es ist auch weder Geheimniß, noch wird es abgeleugnet. Ich selbst kann.es aus dem Munde von Kennern der Verhältnisse, deren Nrtheil mir maßgebend, bezeugen. Einen gut bewanderten Talmudisten, der wirklich „lernen" kann, ftagte ich im geselligen Verkehre einst, ob er mir die. Formen HOP und im Vergleiche zusammen erklären' könne; er blieb die

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