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Der Israelit · 1902-08-07 · Heft 63 (7.8.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 63 (7.8.1902)
Date
1902-08-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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/ 43. Jahrgang. zu J& 63 mit r»r Zum neunten Aw Zion, du Erhabene, du Herrliche, wie liegst du darnieder! Zion, einst die Anmuth, die Schönheit der Völker, jetzt ein Bild der Armuth und der Verödung. Geschwunden ist deine Pracht, deine Herrlichkeit, zerstört find deine Paläste, zertrümmert deine Mauern, deine Thoren. Die Stätte, wo sich einst die Schaaren des lebendigen Gottes zum einträchtigen Gebete sammelten, ist zur Wildniß, zur Einöde, zum Aufenthalte der Füchse und Schakale geworden. Wie thränt darob das Auge der Bekenner des Einzigen! Wie blutet darob das Herz deines Volkes! Unvergessen bist du heute -mchxdenn als je! Nach dir ist die Sehnsucht aller un- :fer$t Volksangehörigen, ohne Unterschieo der religiösen Dichtung. In Zion erhoffen die Zerstreuten, die Unterdrückten, das Ende ihrer Leiden, ihres Elends. Noch aber ist diese so sehnlichst erwünschte Zeit nicht herangen^t. . O, ihr Brüder, o, ihr Schwestern, machet euch kein? vorzeitige Illusionen! „Gott ist kein ' Mensch, daß Er täusche, kein Erdensohn, daß Ihm etwas gereue," ruft Bileam, der heidnische Prophet. Derjenige Gott, der seinen Verehrern, die in Seinen Wegen wandeln, seine Satzungen beobachten, seine Gebote befolgen, die Fülle des Segens verheißen, derselbe Gott . W, .auch nm Falle des Ungehorsams und der WidcEE^Ä^s^^^^ Bdlke mit dem Fluche gedroht und dettMÄn^Mv.^lusführung gebracht. Wie ermahnten einst, darauf hmdeutend, die göttlichen Sendboten, die Gesetzeslehrer, die Propheten, das Volk zur Umkehr! Mit welchen herzzerreißenden Worten schilderten sie das drohende Unheil, das Gespenst der Zei> störung! Vergeblich waren ihre Worte, vergebens ihre Ermahnungen. Schimpfend Schande wurde ihnen zu theil. Das Volk hörte auf/seine falschen Propheten, auf seine Verführer, auf die sog. Volksbeglücker. Gotteslästerung, Götzendienst, Sabbatentweihung nahmen immer mehr überhand; Haß und Neid wurzelten immer tiefer, Lug und Trug wurden immer stärker. Die Folgen aber blieben nicht aus. Die schützende Hand des Allmächtigen wich von dem Volke; es wurde eine Beute seiner Feinde, der angedrohte Fluch zeigte üch in der schrecklichsten Form. Zerstreut unter den Völkern, gequält mit den scheußlichsten Martern, gedrückt mit den heftigsten Qualen, geknechtet bis zur Unmenschlichkeit, besteht Israel heute noch. Die schützende Hand Gottes war wieder über ihm. Gott läßt den Uebrrrest Jakob nichr zu Grunde gehen. „Auch wenn sie im Lande ihrer Feinde sein werden, werde Ich sie nicht verachten, nicht verabscheuen, sie zu vernichten, denn Ich bin der Ewige, ihr Gott/ ruft uns der Allgütige zu. Die Züchtigung soll nur die Umkehr bezwecken. „Aber wenn sie dorten sündigen und Mir zuwiderhandeln," spricht Gott weiter, „so werde auch Ich ihnen zuwider wandeln und,sie siebenfach strafen wegen ihrer Sünden." Nun, meine Brüder, meine Schwestern! Mir sind in dieser traurigen Lage. Wie sieht es mit' ünserer Glaubenstreue aus? Wandeln wir in den Wegen des einzigen Gottes? Wie gering ist das Häufchen der wahren Gottesfürchtigen! Wie zahlreich ist die Menge der Sabbatentweiher! Gehet in die Städte, gehet auf das platte Land, überall nimmt die Gleichgiltigkeit gegen unsere heilige Religion zu. Das Volk hört nur auf seine Verführer, auf die Neuerer. Das Gros huldigt dem Mamon, dem Moloch der. Neuzeit.^ Ihm werden die Kinder heutzutage geopfert." Die Religion ist Nebensache. Die religiöse Erziehung im Hause liegt darnieder. Die Schule ist machtlos, denn nur wenn Schule und Haus Hand in Hand gehen, ist etwas Ersprießliches zu leisten. Und dazu noch sinh so viele Lehrer vom Geiste der Neuzeit ergriffen. Welche/ Jugend, welches Geschlecht soll da heranwachsen?. Herrscht nicht auch Neid und Eifersucht im Geschäfts- ' betrieb! Welcher Unterschied ist nun vorhanden im. religiösen Wandel unserer Stammesgenossen der Jetztzeit gegen den. unserer Vorfahren zur. Zeit der Zer-.- störung? Mit denselben Mängeln waren unsere. Vorfahren behaftet, gegen dieselben Mängel eiferten einst die Gesetzeslehrer. Die genannten. Mängel hatten das . Exil unserer Vorfahren zur Folge und wir sündige Nachkommen derselben wollen glauben, uns gegenüber hätte das Wort Gottes keine Geltung, für uns wäre , das heilige Land wieder geöffnet'. Wie. wollen wir uns. unter solchen religiösen Verhältnissen tpeismächen,. wir könnten dem Elende unserer armen ' Brüder, und Schwestern ein Ende machen, indem wir ihnen die Rückkehr nach Palästina ermöglichen. Ist das.nicht Selbst-- täuschung, ich möchte sagen, Selbstüberhebung im - höchsten Grade? Würden wir solches glauben, dann,, müßten wir wahrlich an der Echtheit der Worte .des/. Allglltigen in der heiligen Thora zweifeln. Nur wenn Israel glaubensstark, gotiesfürchtig ist, ist es geschützt , vor seinen Feinden. . Die intelektuelle .Kraft, genügt nicht, die religiöse Kraft muß mit ihr Hand in Hand gehend Dann stehen ihm auch die. .Pforten des ersehnten Zion offen und nur dann, biete! ihm das heilige Land ein schützendes Asyl. -' - ' , ' O, ihr theure Stammesgenossen, Haltet euch nicht an das Sprichwort: „Helft Euch selbst, dann, hilft Euch Gott." Nicht immer sind Sprichwörter Wabrjvörtrr. Sonst könnte.es. Euch ergehen,. wie ein st ..dem: Volk zur Zeit Moses nach der Bestrafung der Kundschafter/ als er sie verwarnte mit den Worten: „Ziehet nicht hinauf, denn Gott ist nicht in eurer Mitte." „Aber sie bestanden

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