Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 63 (7.8.1902)
- Date
- 1902-08-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1337 Eine MobW nch WerMe«. Humoreske von VLchttitt. 12 Alfred durchmaß mit langsamen Schritten das Zimmer, um der geliebten Mutter seine Erregung nicht zu zeigen. Er nickte: „Ja, liebes Mütterchen! — Es wird ja von nichts anderem mehr gesprochen, wenn zwei beisammen auf der Straße stehen als: Montag, den zweiten Tag „Cholemauth" soll sich Goldstein's Lea mit dem Bankiersohn Hugo Wolf aus Frankfurt verloben. — Mit einem Male wird es mir nun klar, warum ich statt morgen erst Montag nach Halberstadt soll, damit ich an diesem Tage ja nicht im Wege bin." Frau Emma fuhr auf: „Was, Hugo Wolf, Dein bester Freund, den Dm einst beim Baden vor dem Ertrinken gerettet?" . -- „Derselbe Wolf!" „Du, Alfred, könntest Du ihn nicht-sie konnte nicht weiter, so erstaunt blickte sie Alfred, der vor ihr stehen geblieben war, an. Er verstand sie sofort. „Nein! Nein', gutes Mütterchen, Deine Liebe zu mir geht zu weit, sie heißt mich etwas thun, was sich mit meinem Charakter nicht verträgt. Soll ich den Vlan durchkreuzen, Hugo ein Geständniß machen und sagen: „überlasse mir das Mädchen!" Wenn nicht ein Wunder vom Himmel kommt, gibt der alte Goldstein niemals seine Einwilligung zur Verlobung seiner Tochter mit dem einfachen „Bäckerssohn", wenn ich auch Prokurist seines Hauses bin!" Er hielt einen Augenblick inne. Die letzten Worte hatte er ironisch gesprochen, dann fuhr er etwas ruhiger fort: „Lea ist ein viel zu gutes Kind, als daß sie sich widerspenstig zeigt, sie ist ihrem Vater gehorsam, wenn auch mit blutendem Herzen, und ich bin ihr darum Nicht böse. Ich vertraue auf Gott, der unsere Liebe beschützen wird. Schon zweimal sollte sich Lea verloben, immer konnte ich es durch einen glücklichen Zufall im richtigen Moment verhindern. Ich glaube, daß Goldstein davon Kenntniß erhielt.. Vielleicht ist mir der Zufall wieder günstig. Schiller sagt schon: „Den Zufall gibt die Vorsehung, zum Zwecke muß ihn der Mensch gestalten. Ich werde morgen Früh, so Gott will, abreisen, dann bin ich bis Montag sicher hier. Goldstein's haben keine Ahnung, daß die Sache so in die Oeffentlichkeit gedrungen. Doch da kommt der Vater. Wir wopen uns den Sabbat nicht stören und Alles zuversichtlich in des allweisen Schöpfers Hand legen, der alle Schicksale der Menschen lenkt." - In der gleichen Zeit, als sich diese Scene hier abspielte, gab', es auch im Goldstein'schen Hause, der gleichen Angelegenheit halber, einen Auftritt. ' ." In dem großen Eßzimmer, das mit allem Comfort der Neuzeit eingerichtet war,, saß in einem großen Lehnstuhl, in einen behaglichen Schlafrock gehüllt, Bankier Isaak Goldstein. — Eine lange, hagere Gestalt, mit unschönem Gesichte, sein Haupthaar durchzogen viele Silberfäden. Er blickte über seine Brille hinweg zu seiner Gattin, die gegen ihn trotz ihrer 45 Jahre ein Bild jugendlicher Schönheit war. Ihr durchgeistigtes Gesicht sprach nur von Güte und Milde und die großen, klugen, schwarzen Augen blickten Jeden so freundlich an, daß man sich unwillkürlich zu diesem Gesichte hingezogen fühlte. Sie war aber nicht nur äußerlich, sondern auch, im Charakter grundverschieden von ihrem Galten. Er ziemlich herablassend gegen seine Nebenmenschen, that sich auf seinen Reichthum etwas zu Gute;,sie dagegen war mit all' jenen guten Eigenschaften ausgerüstet, die eine „Esches Chajil" besitzt. Nur . ihrer großen Klugheit und Sänftmuth war.es zuzuschreihen, daß ihre Ehe eine glückliche genannt werden konnte. „Nun, Jette, freust Du Dich denn nicht, daß unsere Lea diese Woche zu Gutem ein solches . Glück machen wird?" fragte er sie gütigen Tones, „ich. sehp Dir's an, es paßt Dir etwas nicht." : - Frau Jette trat zu Goldstein heran, sie erfaßte seine Hand und sah zu ihm auf: ’ ..."".S.: „Isaak, Du kennst mich und weißt, daß ich in unserer 26jährigen Ehe stets aufrichtig gegen Dich war, da muß ich es auch heute sein." Ihre Stimme versagte, ihr fast. „Du weißt, daß unser einziges Kind ihr Herz bereits vergeben und an keinen Unwürdigen, und ivillst sie trotzdem einem Andern geloben? Sieh! —?" weiter konnte sie nicht mehr sprechen, Thränen erstickten .ihre Worte. J*. - Goldstein hatte sich erhoben und in strenger Weise redete er jetzt zu ihr: „Was das wieder für Reden sind! Soll ich vielleicht-dieses „Bäckerjungens" halber , die Partie mit dem reichen Bankier Wolf aus Frankfurt ausschlagen? Und was Du sagst von Herzen vergeben; Papperlapapp! Das sind Redensarten, das wird sich geben. Ich habe Alfred einen Auftrag gegeben, daß er Montag nicht hier sein kann; bis er zurückkehrt, ist unsere Lea verlobt. So viel ich ihn kenne, wird er um seine Entlassung bitten; denn stolz ist der Mensch, als ob er selbst ein Bankier wäre! Ich werde Stern sehr vermissen im Geschäfte, denn er ist zuverlässig und sehr tüchtig.. Aber als Schwiegersohn," er schüttelte sein Haupt, „nein,, nein, dazu ist-er nicht' nobel.'genügt f.|-.... Indem klopfte es an die Thüre und auf sein barsches^ Herein" . trat.der;Briefträgerin.,daS-Zimmer.•. Jette ging schweigend Dnaüs. Äuf dem Flür^angelangt, .wischte sie sich^ die.' Thränen aus'^'u Tlugejr. Sie kannte ihren Isaak nur . zü/gttt:-'Äenn der liebe -Gott es' nicht anders.fssgt.^p.HA Lea.jhre Kiebe Hr- ' graben,'-indem sie die Braut einesAndern^ wlE^Mit schwerem Herzen wandte sie sich dem Zimmer ihres Lieblings zu. «'