Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 63 (7.8.1902)
- Date
- 1902-08-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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f 1336 K e u f 11 e t o «. UM isnMW FnM m Rckz. Nordwestlich von Mainz, am Fuße des „Cavalier Judensand",, dort, wo die Sandflächen der Gonsenheimer und MomUcher Gemarkung zum Rheinstrom hin ablaufen, liegt heute noch der alte, früher „Jüdensand„ genannte Friedhof der altehrwürdigen, jüdischen Gemeinde. Seit vielen Jahrhunderten wurden ihre Mitglieder hier bestattet, bis er der Stadterweiterung wegen am 31. Dezember 1880 geschloffen wurde. Keiner seiner Leichensteine bezeugt ihm - ein höheres Alter, als etwa 250 Jahre. Aber unter den heute sichtbaren Gräbern liegen wahrscheinlich andere aus srühe- . ren Zeiten, denn zur Gewinnung neuer Grabstätten Ut man wohl auch hier, wie dies ' an anderen Orten geschah, das belegte Terrain mit neuer Erde aufgeschüttet. Dies vermuthen wir nur für die Zeit von 1440 . bis 1660. Denn für die früheren Jahrhunderte wissen wir genau, daß die Grabstätten sich hier und in dem benachbarten Boden befanden, u. daß der Friedhof sich weiter nach Mombach zu ausdehnte. Diese Ansicht vertraten bereits Schaab in seiner „Dipl. Gesch. der Juden in Mainz", S. 35 fst (danach Carmoly, „Die Juden zu Mainz im Ma." im „Israelit" VI, 663) und der verewigte Redakteur dieser Blätter, Dr. Lehmann s. A., im „Israelit" III, 150. 1895 wurde diese Ansicht dadurch bestätigt daß man beim Bau einer Abschlußmauer auf eine Anzahl von Grabsteinen aus dem Anfänge des 13. Jahrhunderts stieß, von denen drei neben einander liegende aus den Jahren 1263 bis 1264 stammten, woraus sich ergibt, daß sie ursprünglich hier gesetzt sind. Frühere Funde bestätigen die Ausdehnung nach der Höhe zu, bis zu den Abhängen des Hardenberges. . Auf diesem Gebiete begruben nicht nur die Mainzer, sondern auch die Rheingauer Israeliten ihre Todten, wie verschiedene Urkunden beweisen. Die Einschränkung auf das heutige Areal fand wohl im Anfänge des 16. Jahrunderts unter dem Erzbischof Albrecht von Brandenburg statt. (S. auch Lehmann a. a. Q.) Das hohe Alter des. Friedhofes setzte schon der ' Maharil (gest. 1.427) voraus, indem er von einem Mainzer Leichenstein behauptete, er sei 1100 Jahre alt , . (Ritualien ed. Sabionetta f. 112 d), was mit Recht bezweifelt wurde. Sicher aber ist, daß auf diesem Fried- .Hofe die hervorragenden Gesetzeslehrer und synagogalen - »Dichter der Mainzer Gemeinde ihre letzte Ruhestätte ge- - Kunden und in Frieden geschlummert haben, bis .1438 - der^Fänatismus den Begräbnißpkatz demolirte und ihn v seiner,.Z)LnkMqle.r beraubte. Diese Brutalität geißelt det Erzbischof Dieterich,von Erbach,, der.' in einer die. . Vertreibung der Juden aus Mainz betreffenden Ansprache Bürgermeister und Rath scharf tadelt, „daß fie - die Judensteine ausgebrochen, den Friedhof zu einem Weinberg gemacht und die Grabmäler zu einem großen trefflichen Bau am Rhein verwendet hätten." Zahlreiche ] Urkunden vom 13. Jahrhundert an bis auf unsere Zeit 1 sprechen von dem „Judenfand", den einst ein hochherj ziges Ehepaar, Salomo und Rahel, nach Mittheilung vieler Memorbücher für die Mainzer Gemeinde angekaust hat: vpv to .. ... bmxrcs nute "i new opbse top «W2 r?2 „Gott möge gedenken der Seele R. Salomes und seiner Frau Rahel . . . weil sie den Friedhof in Mainz gekauft haben." (Hierdurch ist auch bewiesen, daß das Grundstück stets jüd. Eigenthum war und nicht, wie Schaab deduzirt, dem Fiskus gehört hat.) ‘ Wiederholt tobten bei und auf dieser geheiligten Stätte die Stürme des Krieges, und das Haus auf dem Judensand ging nicht nur 1462, als es die Anhänger Adolfs JI; von Nassau als verabredetes Zeichen zum Rheinübergang in Brand gesteckt hatten, sondern auch 1794 bei der Belagerung der Stadt in Flammen auf. Unter französischer Regierung ward nach einem Beschlüsse des Präfekten Jean Von St. Andr^ der Begräbnißplatz 1803 geschlossen, weil die Juden den allgemeinen bürgerlichen Friedhof benutzen sollten. Bischof Colmar erwirkte aber bei Napoleon, der 1804 in Mainz war. die Aufhebung dieses Beschlusses. Ueber 100 Leichen wurden bei Nachtzeit exhumirt und aus unserem alten Gräberfeld beigesetzt, wie dies ein Stein daselbst bezeugt. Im Jahre 1866 flogen am Erev Tischoh be-Av viele Bomben und Granaten, die die in Nassau eingezogenen Preußen über den Rhein sandten, in unseren Friedhof und demolirten viele Steine. Als am darauffolgenden Tische be-Av dennoch einige muthiae Männer, wie alljährlich, sich auf den Friedhof begeben wollten, . hörten sie zu ihrer Freude unterwegs, daß der Friede ' bereits unterzeichnet war. . Das gesammte in Mainz gefundene Grabsteinmaterial, das in beredter Sprache'von einer, ruhmreichen Vergangenheit und einer wechselvollen Geschichte erzählt, ist von Dr. Salfeld in dem unten zitirten Werke, in dem Sonderabdruck „Der alte israelitische Friedhof in Mainz und die hebräischen Inschriften des Mainzer Museums" (Berlin 1898) und in der „Hebr. Bibliographie", Jan.-Febr. 1902, zusammengestellt und beschrieben worden. Aus diesen Arbeiten erfahren wir, daß der älteste Leichenstein aus dem Jahre 1080 n. d. übl. Zeitr. stammt, wir erhalten Aufschluß über wichtige geschichtliche Ereignisse, z. D. über eine bisher unbekannte Verfolgung von 1281 u. a. und gewinnen für das Lebensbild dieses und jenes Rabbiners, Gelehrten, Dichters und Gemeindebeamten schätzenswerthe biographische Notizen.*) .; t: * - * : : j “ *) Nach Sülfeld, „Das Martyrologiwä deSi Nürnberger Memorbuches ^Berlin 189A <S* 4Sß 5 1 *