Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1902)
- Date
- 1902-08-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1326 und dabei Kinder bis zum zartesten Säuglingsalter. Ermattet und erschlafft von der Nachtfahrt, saßen die Frauen auf ihren Gepäcksbündeln, mit stumpfen, stieren Blicken vor sich hinstarrend; die harmlos spielenden Kinder um sie herum bildeten dazu einen ergreifenden Contrast. Die meisten Frauen hatten Gatten und Brüder in den Vereinigten Staaten, in Chicago, in Philadelphia und in Newyork, manche auch in Canada; hilf- und schutzlos hatten die Männer vor zwei Jahren ihre Frauen und Kinder zurücklassen müssen und diese waren inzwischen oft dem Verhungern nahe gewesen. Durch rastloses Bemühen war es den Männern endlich gelungen, über dem großen Wasser Erwerb zu finden; denn sie sind nüchterne, tüchtige Handwerker. Jetzt rufen sie nun ihre Familien aus der Heimath, die auf diesen Ruf schon voll Sehnsucht gewartet haben. Doch nicht Allen ist dies bessere Loos beschieden. Viele ziehen mit, weil es ihre letzte Zuflucht ist, da man ihnen in Rumänien jeden Boden für eine Existenz gewaltsam entzogen hat. Zu diesen Unglücklichen gehören in der heute hier angekommenen Schaar zwei Greise, die nicht mehr weit von den Siebzig entfernt sind. Sie haben ihr ehrliches Handwerk bis jetzt ausgeübt und sich davon ernährt; der unduldsame Zwang der Fremdengesetzr hat ihre Existenz vernichtet. Sie müssen auf ihre alten Tage den Wanderstab in die Hände nehmen.' Diese Greise, die nun hinausziehen müssen, um am Rande des Grabes ein neues Leben zu gründen, boten ein besonders ergreifendes Bild. Um *411 Uhr kommt.plöglich Bewegung in die etwa hundert Personen zählende Gruppe. Das Thor zum Perron wird geöffnet, und nach einer Weile setzt sich der Zug in Bewegung. Neu eingeAsngrNr Bücher. (Besprechung Vorbehalten.) Jüdische Humoresken uud Kulturbilder von Lion Wolfs. (Jüdisch-humoristsche Bibliothek.) Zweites Buch. Verlag von M. W. Kaufmann, Leipzig. Alttestamentliche Untersuchungen. Von I-i«. theoL. Wilhelm Riedel, Prioatdocenten an der Universität Greifswald. Erstes Heft. Preis 2 Mk. Leipzig 1902. A. Deich er t'sche Verlagsbuchhandlung (Georg Vöhme). Statuten für die Stiftung Allgemeines jüd. Krankenhaus Schaars Zedek zu Jerusalem. Frankfurt a. M? 1902. - Katalog Nr. 2. Hebr. Jncunabelu und Handschriiteu auf Pergament. Von L. Schwager, Hußatyn, Galizien (Oesterreich.) Husiatyn 1902. Vierzehnter Jahres-Bericht des Landesvereins zur Erziehung israelüiscker Massen im Großherzogthum Baden. Philippsburg 1902. Ansprache und Predigt zur Gedächtnißfeier Sr. Majestät des in Gott ruhenden Königs Albert. Gehalten am 20. und 29. Juni 1902 in der Synagoge zu Dresden von Rabbiner Dr. I. Winter. Dresden 1902. Briefkasten der Redaktion. L. in B.: Die Fanatiker der Leichenverbrennung sind Lewe, die viel zu viel Gewicht auf das Körperliche, den Stoff des Menschen legen und die in dem Tod nicht die Befreiung des Geistes von der Materie erblicken. Selbst denjenigen, die nicht durch religiöse Vorschriften an das Begraben der Tobten gebunden sind, ist es, wenn sie von höheren Gesichtspunkten ausgehen, gleichgiltig, was mit ihrer irdischen Hülle nach ihrem Tode geschieht. «IdckßtOuz. 9«fyn*. . vermischtes. Baut. (Der Antisemitismus in der Klemme.) Ein günstiger Wind bat einem hiesigen Blatte einen Brief auf den Tisch geweht, den ein argarischer Hauptbündler an einen Angestellten der Küstcnzeitung geschrieben hat und i» dem als „Reformin der Verwaltung empfohlen wird an erster Stelle die — „Wiedergewinnung auch der jüdischenAnnoncen." Mit dem Vermerk: „Wir dürfen nicht zu einseitig werden.- Ja, ja! Ein echtes Bundlerherr mag keinen Juden leiden, doch ihre Groschen schluckt er gern. - Bad Kissingen. Die Verwesung des hiesigen Distriktsrabbinats wurde durch Entschließung der Kgl. Regierung dem Herrn . Distrikts-Rabbiner Nathan Bamberger zu Würzburg übertragen. Wien. Der Kaiser hat dem Professor der Handelswiffenschasien u. des Wechsclrechtes an der hiesigen Universität Hofrath Carl Samuel Grünhut,dasKomthurkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. Neues vornehmes Pcnaionshaua I. Ranges unter Aufsicht Sr. Ehrwürdeu Herrn Kabb. Dr. Auerbach, Halberstadt, mit Genehmigung Sr.Ehrw. Herrn Laudrabbiner Dr. R ülf, Brsanschweig. Streng rituelles Etablissement. Am Walde an schönst, staubfreier läge, 46 Salons mit Balkons der Neuzeit elegant eingerichtet. Bekannt anesergewöhnllch gute Koche. Diners und & la carte zu jeder Zeit, volle Pension mit extra guter Verpflegung incL Wohnung von 6,50 Mk. an. Jeden Samstag- Gottesdienst in eigener von Herrn Professor Geb, Hannover, erbauten Synagoge in» ' Parke des Hotels. [S169 Geöffnet vom 1. Mai bis 1. Oktober. Besitzer r ÜSXHecht. LtbenSv«rficherungs-8cs«Mchast ja Sdprka. auf Gegenseitigkeit errichtet 1830 (alte Leipziger). In der ersten Halste des Jahres 1902 sind 3428 Anträge LderM. 26W64Ö0 Versicherimgssumme eingegangcn und 3013 Versicherungen über M. 23138400 abgeschlossen worden. Es hat sich damit oer Versicherungensbestand auf 637 Millionen Mark gehoben, während das Vermogenauf218 Millionen Mark aiigewachsen ist. Bet der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine Gegenseitigkeitsanstalt ist. fliehen alle Ueberschüsse in Gestalt von Dividende» den Versicherten wieder zu. die auf diese Weise bis jetzt 77 Millionen Mark erdalten baden. Im laufenden Jahre beträgt die Dividende für die länger als fünf Jahre bestehenden Versicherungen beim Dividendenplan a. wie seit nunmehr 15 Jahren. 42*/» der ordentlichen Jahresbeiträge, bet abgekürzten Verstcherungen auher- . dem noch 1.5% bet Summe der gezahlten Zusatzpramien; beim Dividendenplan 8 gelten steigende, nach der Dauer der Versicherung abgestufte Tivioendensätze^ die die Leipziger Gesellschaft m der von Anfang an in Ausucht gestellten .Höhe fortgewahrt, während viele andere Gesellschaften sich gezwungen gesehen haben, ihrer steigende Dividenden herabzusetzen.