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Der Israelit · 1902-08-04 · Heft 62 (4.8.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 62 (4.8.1902)
Date
1902-08-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1316 nur mit Hülfe der Polizei brachte man denselben durch. Als er bis vor Hoe's Schnellpressenfabrik in Grandstreet gelangt war, wurde, wie dem „Expreß" berichtet wird, von der Fabrik aus Wasser auf die Menge gegossen. Hundert und Hunderte stürmten darauf das Etablissement und verwüsteten das ganze Erdgeschoß. Die Angestellten der Fabrik verteidigten sich, Hunderte wurden dabei verletzt und niedergeworfcn. Die Polizeireserve mußte eindringen und die Ruhe wieder Herstellen. Viele Personen wurden in das Hospital geschafft. Die Firma Hoe drückte ihr Bedauern über den Vorfall aus. Nach einer Meldung der „Daily Mail" aus Newyork hatten die Arbeiter Hoe's einen Wasserschlauch gegen die Juden gerichtet. Diese zertrümmerten darauf jede Fensterscheibe in dem großen Gebäude, Solange man nur Schrauben, Blei und geölte Lumpen auf die Juden geworfen hatte, war der Trauerzug ruhig weiter gegangen, als aber, der zweizollige Schlauch in Thätigkeit gesetzt wurde, begannen die Juden ihren Angriff. Auf beiden Seiten wurde auch mit Pistolen gefeuert. Männer mit blutenden Köpfen lagen auf der Straße umher. Ein gigantischer rothbärtiger.Manu stieg die Stufen zur Fabrik hinauf und rief: „Ist dies das freie Amerika? das ist schlimmer als Rußland." — Von anderer Seite wird über den Vorfall berichtet: Schwere Unruhen entstanden gestern in Newyor! beim Vegräbniß des Ober-Rabbiners der orthodoxen Juden. Etwa hunderttausend Leidtragende fanden sich bei der Synagoge in Henrystreet ein, und beim Erscheinen des Leichenwagens warfen sich Viele im Schmerz vor den Wagen. Die Polizei konnte nur mühsam dem Zuge den Durchlaß verschaffen, und viele Unglücksfälle kamen vor. Als der Kondukt dann zu den Druckmaschinen-Werken der Firma Hoe gelangte, warfen antisemitische Angestellte Kübel voll Wasser auf die Theilnehmer des Leichenzuges. Die entrüsteten Juden stürmten die Fabrik und deMolirten das untere Stockwerk, während die Angestellten mit Hilfe der Feuerspritze die oberen Geschosse verteidigten. Weitere Verwirrung entstand, als die Polizei eingriff. Ein entsetzliches Handgemenge entstand, wobei Hunderte zu Boden geworfen und getreten wurden. Viele Verwundete mußten zum Spital getragen werden. Zwei Polizisten und mehrere Juden wurden tödtlich verletzt. Die Firma Hoe sprach ihr tiefes Bedauern über den von ihren Angestellten verschuldeten Zwischenfall ans.; So betrübend diese Vorgänge auch sind, so sehr sie auch zeigen,' daß auch in dem „freien Amerika" noch Vieles besser werden muß, so gestatten sie doch andererseits den Schluß, welcher fast grenzenlose Liebe und Bewunderung der Heimgegangene große Mann sich erfreute. :>'/ ■ Einen solchen Mann zu verlieren, ist ein unersetzlicher, unermeßlicher Verlust, der in unserer gährenden Zeit, in den eigenartig traurigen Verhältnissen, in denen sich das gesammte Israel befindet, tausendfach groß ist. u'pbn ira flBTOD q'pmt jwd rfrra ein solcher Verlust erinnert in seiner Größe und Schwere an die Zerstörung des Gotteshauses in Jerusalem. Möge es unseren Glaubensgenossen in der neuen Welt gelingen, die Lücke nach Kräften auszufüllen, damit das Gedenken an den Gerechten zum Segen werde, pna AsrkmsZrmHrrHLerr mrd EsrrefpoKveirzerr. Deutschland. Bonn, 30. Juli. Die antisemitische Presse ist überglücklich, das Vaterland ist nach ihrer Ansicht gerettet. Der vom Generaloberst v. Lok erwähnte Husar jüdischer Konfession, Namens Moses Bier, welcher angeblich für seine Verdienste im Kriege das Eiserne Kreuz erhalten haben sollte, steht nicht unter dem Zeichen des Kreuzes, d. h. er trägt diese Auszeichnung für seine Tapferkeit nicht. Bezeichnend für die Dankbarkeit der antisemitischen Presse ist die Art, wie sie dies mittheilt. So schreibt die „D. Reichsp." des Herrn Schrempf: ..Jetzt stellt sich, wie aus Bonn zuverlässig gemeldet wird, heraus, daß dieser Moses Bier gar nicht im Besitz des Eisernen Kreuzes ist, daß der General v. Lok sich geirrt hat und daß der muthige israelitische Husar sich ruhig als Ritter des Eisernen Kreuzes hat ansprechen und feiern lassen, ohne dagegen Widersvruch zu erheben. Aufklärung darüber, wie Herr v. Lok die Verwechslung begehen und wie sich Herr Moses Bier, ohne Widerspruch zu erheben, als Ritter des Eisernen Kreuzes feiern lassen konnte, erscheint dringend nothwendig." Es ist freilich fürchterlich, daß General v. Lok Jemand, dessen tapferes Verhalten in schwierigen Verhältnissen er kannte, für einen Besitzer des Eisernen Kreuzes gehalten hat, obwohl dieser die verdiente Anerkennung für seine muthige Aufführung — nicht erhalten hat. Das ist nämlich der Sinn dieses kindischen antisemitischen Geschreis, welches keineswegs bestreitet, daß der Husar Bier, wie berichtet wurde, mit großer Unerschrockenheit und Besonnenheit in gefährlichen Lagen als Ordonnanz wichtige Befehle iiberbracht und sich durch tapferes Verhalten ausgezeichnet hat, sondern lediglich die Behauptung in Abrede stellt, daß er das Eiserne Kreuz als Belohnung für sein Verhalten bekommen hat. Wenn das richtig ist, so geht daraus vielleicht nur hervor,, daß man auch im Kriege schon Soldaten jüdischer Konfession gegenüber mit dem Verleihen

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