Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 61 (31.7.1902)
- Date
- 1902-07-31
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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im schulpflichtigen Alter einerseits und andererseits ( durch die Bildungszielr der Volksschule gesteckt: es ist nur ein gewisses Maß von Sprachverständniß und Sprachfertigkeit zu erreichen. Der praktische Zweck des grammatischen Unterrichts kann hinsichtlich seiner Intensität nur mit den Worten „SHiffung eines Sprachgefühls" bezeichnet werden. Die Entfaltung der Sprache ist nun einmal von ganz anderen Faktoren abhängig, als von der Grammatik, in erster Linie von der Belebung. Kräftigung und Reinigung des „Sprachgefühls." Auch Diesterweg will als praktisches Ziel des sprachlichen Unterrichts gelten lassen: Verständniß fremder und Darstellung eigener Gedanken mit der Einschränkung „wenn auch nur nach sicherer Leitung des Gefühls." Und in der That verlassen wir uns heute noch im Zweifelsfalle auf den Sprachtakt, das Sprachgefühl, das wir uns durch Umgang und Lektüre erworben; wir halten aber nicht Umfrage erst bei dieser oder jenex Regel, bei diesem oder jenem Sprachgesetze. Wenn das solche gewichtige Stimmen von unserer Muttersprache aussagen, wie könnte man sie dann bereits als sicheren Untergrund ansehen wollen, um das „Dikduk" darauf zu bauen? Wenn die deutsche Grammatik mit ihrem analytischen Verfahren sogar solch' schweren Standpunkt hat, wie könnten wir in der jüdischen Volk s'schule, bei der „äußerst beschränkten Zeit" gar an einen „synthetischen" Gang, ähnlich dem auf höheren Schulen, auch nur denken? Wann kämen wir dazu, nur das Wort »"rte" oder 1p/ das Wort „^f\du oder zpeh i'yi oder stN einmal zu übersetzen? Man zähle doch einmal die unregelmäßigen Zeitwörter alle, die sich nur in unseren Hauptgebeten, als rp der Werktage wie Sabbat- und Festtage, oder im Tischgebet finden! Ich will gar nicht reden von den übrigen Wortarten und Wortformen. „Wer darum sich nicht selbst täuschen will, wer sein pädagogisches Wissen und Gewissen zu Rathe zieht, der kann nur urtheilen: „Für das unseren Kindern vol.ksschulpflichtigen Alters zu übermittelnde nöthige spezifische Wissen kommt der „synthetisch aufbauende Grammatikunterricht" so gut wie g a r nicht in Betracht." Welchen Weg sollen wir nun aber beschreiten? Ist denn von der analytischen Lehrweise zu reden, wo kein Sprachschatz.bereits vorhanden? Wohl führen wir durch den Sprech- und Anschauungsunterricht im ersten Schuljahre das Kind dahin, in seiner (deutschen) Muttersprache ein sog. Sprach g e f ü h l zu erhalten, das durch fortdauernde Pflege zu einem sicheren Sprachst wußtsein gehoben werden soll. Wo soll denn aber das jüdische .Kind für das „Hebräisch e" sein Sprachgefühl wecken und entwickeln? Aus nichts kann man bekanntlich nichts machen, und lms ist nicht viel. Was ist nun zu thun? - - : - „Die Erfahrung vieler Jahrhunderte hat uns gelehrt, wie dem Kinde im hebräischen Nebersetzen ein „Wort- und Formenschatz" zu.übermitteln und dann im Rahmen dieses Dargebotenrn auch „Grammatik* bcizubringen ist. Die „Erfahrung vieler Jahrhunderte* hat jene Methode befolgt, die Pädagogen der neuesten Neuzeit als Geist- und Gemüth gleichmäßig befruchtend empfehlen und wünschen. Die Erfahrung vieler Jahr- . Hunderte beweist es, daß auch heute noch kein anderer Weg einzuschlagen ist. Mit anderen Worten: man hat sofort mit dem Ueberfetzen der hebräischen Worte und . Sätze begonnen, ganz ohne Rücksicht auf ihren Werth sprachlicher Ausbeute; man hatte nur immer und überall die „inhaltliche Bedeutung," den Werth fur's „spätere religiöse Leben" in's Auge gefaßt. Man huldigte der alten Mahnung: Zu fünf Jahren soll das Kind dem „Mikrah" zugesührt werden, zu zehn Jahren der Mischnah, zu fünfzehn Jahren dem Talmudstudium. Daß bei so hochgestellten Zielen, bei so weitausschauendem Plane die Grammatik schlecht weg kam, ist begreiflich. „Man hatte einfach keine Zeit für das Dikduk." Daher ist mit Recht zu behaupten: „Bei keinem Volke ward so sehr die Grammatik als bloßes Mittel zum Zweck betrachtet, als bei den Juden." Allerdings könnten wir hier die Gegenfrage aufwerfen: Ist man auf unserer Seite dabei nicht in's Extreme gegangen? Ist es nicht ganz mechanisches Treiben, wenn uns im alten Schriftthum gelehrt wird: piE&i xh 7NL rrnn Ht&D , iny b'nrD jvpNLW p*p bv swui — Wenn das Kind zu reden anfängt, lehre.man ihm den Satz: die Lehre, die uns Moses gebot, ist ein Erbthum für die Gemeinde Israels, ferner den ersten Satz des Sch'ma!? (Man beachte die hierin schon vorkommenden Wortarten und Formen.) Und dann ist ein solches Verfahren nicht vor allem unmethodisch, unwissenschaftlich? (Schluß folgt.) zrebenSverstcherungS-Gesellschaft zu Lripzig.auf Gegenseitigkeit Sen und 3Ö1iji Versicherungen über M. 2313S4ÖO abgeschlossen en. Es hat sich damit der Versicherungensbestand am 637 Millionen Mark gehoben, während das Vermögen auf 218 Millionen Mark angewachsen ist. IP$ Ber der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine Gegen» seitigkeitsanstalt ist, stießen alle lleberschüsse in Gestalt von Dividenden den Versicherten wieder zu. die auf diese Weise bis jetzt 77 Millionen Mark erhalten haben. Sra laufenden Jahre betragt die Dividende für die länger als fünf Jahre bestehenden Versicherungen beim Dividendenplan A.roiejcit nunmehr 15, Jahren. 42'/, der ordentlichen dem noch 1.8 . Dividendenplan 8 ael. , . .. _ ung ab gestufte Dividendensätze, die die Leipziger Gesellschaft m der von Anfang an in Aussicht gestellten Höhe fortgewährt. während viele andere Gesellschaften sich gezwungen gesehen haben, ihrer steigende Dividenden herabzusetzen. Verantwortliche Redaction: OScar Leh mann in Mainz — Expedition des ^ZSraelit". Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Äirth'ichen Hofbuchdruckerei Acttcn-Gesellschaft in Mainz.