Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 61 (31.7.1902)
- Date
- 1902-07-31
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Im Jahre 1901 sind wir wie im Vorjahre den landwirthschaftlichen und Handelsschulen der Alliance Jsraelite Universelle und ihren Elementarschulen in Persien beigestanden. Das sind unsere hauptsächlichsten Leistungen im Jahre 1901. Wir unterstützen noch mannigfache Institutionen, welche in einem besonderen Kapitel unter der Ueberschrist „Verschiedenes" in diesem Berichte zusammengefaßt sind. Belgien. Brüssel, 27. Juli. Am 17. und 18. dss. Mts. tagte Hierselbst ein Kongreß „Pro Armenia". Diesem Kongreß war nun von privater Seite eine Aktensammlung unterbreitet worden, die noch viel mehr zu denken und Anlaß zu helfen geben sollte, als die armenischen Greuel. In Armenien herrscht gegenwärtig Ruhe; man will versuchm, vorbeugend'zu wirken. Aber in Rumänien brennt es, und es ist nöthiger, dorthin, wo es brennt, zuerst löschendes Wasser zu senden. Die Aktensammlung „Die Judenfrage in Rumänien" ist im Verlage der „Oesterreichischen Wochenschrift", Wien, als ein hundert Seiten starkes Büchlein erschienen. Das Vorwort bildet ein Offener Brief, den die Wiener Schriftstellerin L. Dsaye an Frau von Suttner richtet. Wir entnehmen diesem Briefe folgende Sätze: „So verdienstvoll und verehrungswürdig Ihre Aktion zu Gunsten der Armenier ist, so verwunderlich scheint es mir, einer unbefangenen Beobachterin, daß die christliche Welt und daß besonders Sie an einem viel größeren Unrecht, an einer viel abscheulicheren Rechtsverletzung, an einer viel entsetzlicheren Grausamkeit achtlos Vorbeigehen, fast als ob da die Augen absichtlich nicht sehen, die Ohren mit Vorbedacht nicht hören wollten. Allerdings handelt es sich da um Juden, um rumänische Juden! In jenem Lande, welches noch vor einigen Jahrzehnten um die eigene Freiheit gekämpft hatte, von jenem Volke, bei dem schon die Erinnerung an Erduldetes und die'Dankbarkeit für Gewonnenes alle guten und großmüthigen Instinkte auslösen sollten, werden täglich verbrecherische Unthaten verübt, die sicherlich, geeignet wären, jene „internationale Gemeinschaft der Geister und Herzen," von der Sie, Frau Baronin, in Ihrem Aufrufe sprechen, zur Abwehr herauszufordern. Aber da findet sich kein Rufer im Streite. Und doch ist selten ein grausamerer und feigerer Vernichtungskrieg geführt worden, wie in Rumänien gegen die Juden. - Grausam, weil er zielbewußt und teuflich auf die völlige Vernichtung und Ausrottung der Wehrlosen hinarbeitet, feige, weil er heuchlerisch sich ' mit' einem Schein von Gesetz und Liberalismus zü Umhüllen sucht. Die Nachrichten, die von jenen Gequälten'und Verfolgten an die Oeffentlichkeit dringen? sind herzzerreißend und ihr Flehen um Hilfe erschütternd. Ich sagte, daß ihre Leiden entsetzlicher seien und die Mißhandlungen, denen sie ausgesetzt sind, arger als jene, die die Armenier von den Türken erleiden, und ich halte das aufrecht. Denn diese Juden stellen keine der Forderungen, die von den Armeniern proklamier werden; ihr Traum ist nicht, einen eigenen Staai^LM Unterlauf der Donau zu gründen, sie bilden und sie'wollen auch kein revolutionäres Element im Lande bilden/ dasich gegen das Leben der Fürsten verschwört, Banken plündert und alle jene Vorwände und Anlässe zu Feindseligkeiten bietet, wie sie die Armenier nur allzu oft geben. Diese Juden wollen nichts als ein wenig Lebensmöglichkeit, etwas von der bürgerlichen Freiheit, die ihnen so oft versprochen und in Völkeröerträgen verbürgt wurde und für die sie so oft unendlich viel erduldä und ertragen habem Aber man mißachtet Alles, was in Verträgen zu ihren Gunsten steht, und häuft immer neuen Jammer und neues Unrecht zuden' alten Quälen." Ganz besonders ragt in jener Aktensammlüng ein, von dem wackren Präsidenten des „Politischen Volks-' Vereins" in Wien, Dr. F i a l l a verfaßter " und von diesem und dem Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. M. Hoff mann Mitunterzeichneter, in deutscher' und französischer Sprache gehaltener Appell hervor, dem'' wir den besten Erfolg wünschten. - -.;V F r a n kr eich. Paris, 27. Juli. Manche jüdische MaüNer Und Frauen haben das sehr bedauerliche Bestreben, ihre jüdische Abstammung auf jede mögliche Weise zu' verheimlichen oder gar zu verleugnen. Jeder anständige Mensch wird für diese Feigheit nur die tiefste Verachtung empfinden. Diese an sich so große Feigheit wird aber noch furchtbar lächerlich, wenn der betreffende junge Herr oder die betreffende junge Dame eine jüdische' Nase, einen jüdisch-klingenden Namen und eine jüdische Aussprache besitzen und trotz alledem — freilich vergebliche — Versuche machen, ihr Judenthum zü verleugnen. An meiner Seite arbeitet seit einiger Zeit in einem naturwissenschaftlichen Laboratorium eine , junge Dame, die einen echt jüdischen Typus besitzt und sich trotzdem überall als „Russin" ausgibt, obwohl in Rußland ihr ' Bruder nicht einmal den Grad eines Unteroffiziererlangen kann. Leider ist die wissenschaftliche Vorbildung dieser jungen Dame, die eine große, selbstständige, wissenschaftliche Arbeit vorzubereiten behauptet, ebenso gering und oberflächlich, wie ihre Kenntnisse in der französischen Sprache. Sie hat nun die Gewohnheit, mich jeden Augenblick in der so wohlklingenden Sprache