Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 61 (31.7.1902)
- Date
- 1902-07-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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12S6 machen, und sich von allem, was die Gesundheit schädigt und untergrabt, von Alkohol, Nikotin, von Schnaps, Bier, Wein, Tabak und ähnlichen Genüssen in Uebermaß, fern halten, vor jeder Ausschreitung in moralischer, sittlicher Beziehung— vor allem, was Untugend, Laster nur ähnlich steht, fich hüten und in Acht nehmen würde!! Wir sehen in den größeren Kurorten, in Kiffingen, Karlsbad, Salzbrunn u. s. w. unsere Glaubensgenossen sehr zahlreich vertreten. Mt einem gewissen Stolze ruft der Eine und der Andere aus: Hier sind zivei Drittel Juden im Badeorte! Mit Neid, Mißgunst und nicht ohne Bitterkeit rufen wieder die braven Antisemiten: Nun ja, die Juden haben das Geld, die ärmsten unter ihnen sind so reich wie Rothschild, die können alle in die Bäder gehen, die theuersten Kurorte aufsuchen; die armen Nichtjuden, die müssen alle in Noth und Siechthum, in Kranket und Elend verkümmern und vergehen, und dann . nimmt man es dem ver—nünftigen Grafen Pückler übel, wenn er darob den Verstand verlieren will. Wir müssen aufrichtig gestehen, daß uns dieser verhältnißmäßig etwas in der That sehr „starke" Besuch der Bäder von Seiten unserer Glaubensgenossen durchaus nicht mit Stolz erfüllt, und noch weniger erblicken ivir in diesem zahlreichen Besuch einen Beweis jüdischen ReichthumS und jüdischer Wohlhabenheit. Was wir darin erblicken, ist die trau- . rige und schmerzliche Wahrnehmung, daß die Juden in ganz unverhältnißmäßig starker Zahl krank, leidend, mit allen möglichen Schwächen und Gebrechen behaftet, von allen möglichen Krankheiten und . Schmerzen heimgesucht. sind. Woher dieses nicht zu unterschätzende Uebel rührt? Ohne Zweifel von der I unjüdischen, das heißt unmäßigen, aller Einfachheit und Nüchternheit hohnsprechenden Lebensweise, die viele Israeliten führen, an die sich aber die Nachkommen Abrahams, Jizchaks und Jakobs, an die sich die jüdische „Rasse", ohne Gefahr, ohne die Grundvesten ihres Daseins zu erschüttern, nie und nimmer gewöhnen werden können! Ein Mttel,' die jüdische „Rasse" zu stärken und zu kräftigen, ist die Rückkehr zur alten Einfach^it, Natürlichkeit, Nüchternheit, Mäßigkeit, Genügsamkeit und strengen, strengen Sittlichkeit! TeSLrmgBAschrrchLe« und CorrefpsNönzzerr. De u t f ch l a n d. Hamburg, 28. Juli. Die hiesige Töchterschule der Deutsch-Israelit. Gemeinde, ursprünglich von der Gemeinde nur subventioniri gewesene Privattöchterschule — wird von einem Curatorium verwaltet, dem auch einer der Tempelprediger angehört, wodurch manches Gemeindemitglied zurückgehalten wurde, seine 3t ' v Töchter dieser Schule zuzuführen. Seit eimger Zeit nun hat der Tempel sogenannten monatlichen Jugendgottesdienst rcnra ennna bei sich eingeführt, zu welchem laut Ankündigung die Kinder aller „Glaubensgenossen" willkommen waren. (Mit Speck u. s. w.) Unzweifelhaft hatte sich die erwartete neue Kundschaft nicht eingestellt, denn neuerdings wurde dem Curatorium der Mädchenschule der Wunsch nahegelegt, in der Schule den Besuch des erwähnten Jugendgottesdienstes, also den Besuch des verpönten Tempels zu empfehlen. Die Verwaltung, in dem Bewußtsein, daß ein großer Theil der Eltern hiervon nichts wissen wollen, lehnte die erbetene Unterstützung ab, worauf nach erregter Debatte das zunächst desavouirte Mtglied seine Entlassung, nicht etwa als Tempelprediger, sondern eben nur als Mitglied des Curatoriums der Schule gab. Eine Resignation, die mit keinerlei Opfer verbunden. Hoffentlich wird man nicht nochmals den Fehler begehen, einen Tempelprediger in*s Curatorium zu wählen. H. B. Kolberg, 28. Juli. Das jüdische Kurhofpital beging am Samstag Vormittag in erhebender Feier sein Stiftungsfest. Zum 28. Male traten die Leiter des Hauses zusammen, um den Tag seiner Begründung in einem Dankgottesdienste zu feiern. Das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht sttmmt freudig. Aus der kleinen Hütte ist ein stolzer Vau geworden, und in immer reicheren Strömen ergießt sich der Segen auf die Leidenden. Die Reichsfahne wehte über dem Haus, das Innere der stimmungsvollen Synagoge war mit reichen Blattpflanzen geschmückt. In dem überfüllten Gotteshause hatten sich die Vorsteher der Anstalt, mehrere auswärtige Rabbiner und zahlreiche Freunde und Gönner des Hospitals, die als Kurgäste hier weilen, eingefunden. Den Mittelpunkt der Feier bildete die begeisterte und begeisternde Festrede des Herrn Rabbiners Dr. Goldschmidt. Der sehr verehrte Redner, dessen Name mit der segenbringenden Anstalt für immer unzertrennlich verknüpft bleiben wird, zeichnete, anknüpfend an die Worte Jeremias, Kap. 1, Vers 1—4, in gedankenreicher Beredsamkeit die Bedeutung des Prophetenberufes für Israel und für die Anstalt. Israel sei gleich dem Propheten in die Welt hinausgesandt worden, um selbst in Schmerz und Thronen die Wahrheit und die Liebe zu verkünden. Treu seinem Gotte, der alle Menschen in seinem Ebenbilde geschaffen, treu seinem Vaterlande, in welchem die Gräber seiner Eltern liegen und die Wiegen seiner Kinder stehen, erfülle der deutsche Israelit freudig seine Pflicht. Die Welt aber sei nach des Psalmisten Wort auf Liebe gegründet, und die Liebe hüte auch Israel nach seinem Gottesgebot gegen alle Menschen und im besonderen das hiesige jüd. Kurhosvitäl im engeren Kreis seiner Religionsgenossen in friedlichem Wirken neben den vortrefflichen. gleichstrebenden Anstalten der anderen Bekenntnisse. Noch 1