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Der Israelit · 1902-07-31 · Heft 61 (31.7.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 61 (31.7.1902)
Date
1902-07-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43* Jtchrgaug. Gedanken aus einem Badeorte. V0N : Rabbiner Dr. Kohn, Inowrazlaw ' ' I. All die Hunderte und Tausende von Kurgästen, die das schöne und liebliche Salzbrunn ihrer Athmungs- und Berdauungsorgane wegen, aufsuchen, lennen nicht den Spruch des Talmuds, der unserer Ansicht nach zur Heilung und Linderung der Athmungs- und Verdauungs-Beschwerden viel mehr zu leisten und beizutragen vermag, als alle Oberbrunnen, Kronen- Ouellen, Ziegenmolke, Kuhmolle, Kefir und wie alle die mannigfachen Heilmittel, die der Fürstlich-Plessische Kurort bietet, heißen mögen, zusammen genommen. Wir meinen den Spruch: '.rwc prr vnn.. „Wer am Kehlkopf krankt, soll sich mit Thora beschäftigen!" Ich höre schallendes Gelächter, sehr verwunderte Mienen und Gesichter! Was hat die Thora mit Kehlkopfleiden zu thun, was die himmlische Religion mit den rein irdischen Athmungsbeschwerden zu schaffen!? Ist es nicht Ueberbebung, Hochmut. Dünkel von der Thora, nicht Selbstüberschätzung, Größenwahn von den Talmudlehrern, wenn sie'glauben, alle Nebel und Beschwerden, alle Krankheiten und Gebrechen mit dem einen Mittel, mit dem einen Rezept, das man „Thora" nennt, heilen und lindern zu können! Mahnt dieser talmudische Spruch, fragt manch' freundlicher Leser, nicht an Kurpfuscherei, an sträfliche Eharlatanerie, die alle Äerzte als Narren, alle Medizin als Humbug bezeichnet und sich selber auf den Lehrstuhl der Wissenschaft und der Arzneikünde sehen möchte! Kann denn wirklich die Thora, fragt wieder so eigenthümlich lächelnd manch' liebenswürdige Leserin, kann denn wirklich die rein geistige Thora allemöglichen Krankheiten und Nebel heilen und die hiesige Gurgel-Halle, die Nasendouche, die Mineral- und Süßwasserbäder. die in der Hydro-theraveutischen Abtheilung vorhandenen Schwitzbäder, elektrische Lichtbäder, Abreibungen' und Packungen, Massage. Inhalation, das pneumatische Kabinet und wie all' die Tausend Mittel und Mittelchen unserer ' modernen Zeit und- Mistenschaft heißen mögensoll die a l t e Thora ätfe; diese, das Gepräge der neuesten Zeit und der^ neue st e n Fortschritte - auf' dem Gebiete der Natur-; Wissenschaft, der Hygiene an sich tragenden' Heilmittel ’ ersehen können! -:'M Und doch enthalt dergenannte talmudische. Sah: „Wer am Kehlkopf krankt, der beschäftige sich mit Thora," eine solch' tiefe, unumstößliche, über jeden Zweifel erhabene Wahrheit, daß wir diese Wahrheit jedem gerne in's Herz schreiben, mit ehernem Griffel in die Seele eingraben möchten, und sie, diese Morte, würden wie gute Engel den Menschen vor Krankheit, Leiden, Schmerzen und den mannigfachen Gebrechen des Körpers behüten und betvahren! Was den Menschen einzig und allein vor Krankheit und Schmerz be- .wahren kann, das ist, nach dem übereinstimmenden Urtheil der Erfahrung und der Wissenschaft, Mäßigkeit, Genügsamkeit. Selbstbeherrschung, das ist, Selbstzucht, ein gewisses Maß von Entsagung ünd Entbehrung, Beherrschung und Unterdrückung der Leidenschaften, Bezähmung der sinnlichen Begierden, mit einem Wort Begrenzung und Beschränkung der sinnlichen Genüsse und gewissenhafte, peinliche Respektirung der Grenzen der strengen Moral und Sittlichkeit! Wer versteht es aber so dem Menschen den Weg der Mäßigkeit, den Weg der Natur und Natürlichkeit, das ist den Weg der Reinheit und Lauterkeit, den Weg der Gesundheit und Rüstigkeit, den Weg des Glückes und der Zufriedenheit, wer versteht dem Menschen diesen schönen, beglückenden Weg so zu zeigen, ihn diesen Weg so zu führen, wie unsere heilige Thora! Wer versteht mit solcher Donnerstimme zu warnen vor Ünmäßigkeit, vor Zügellosigkeit, vor Ausschreitung und Entartung, vor Selbsterniedrigung und Selbstentwürdigung, wer warnt, den Menschen so eindringlich, so väterlich vor Laster und Zuchtlosigkeit, vor dem Abgrund, in den der Mensch versinkt, wenn er den Weg der Moral und Tugend verläßt, vom Pfade der Sittlichkeit abweicht, wer versteht dos alles dem Menschen so einzuschärfen'und einzuvrägen, wie unsere heilige, göttliche Thora! ' Wer versteht es mit-so viel Liebe, Treue und — wir.möchten sagen — mütterlicher Zärtlichkeit dem Menschen züzürufen ,“jS •vra» “svy en,y selbst das.Erlaubte genieße nur mit Maß, auf daß du dich vor deinem-Gotte beiligst, und für das Leben. ' für die Aufgaben und Pflichten des Lebens ..rüstest", stärkst, und kräftigst, selbst das Erlaubte ohne jedes Uebermaß,'auf daß in? die Grundvesten deines Lebens nicht erschütterst,-' die. Grundsäulen deiner Kraft und Gesundheit nichr unt'erwühlest und 'untergrabest, iv?r' versteht diese' Lehren, diese für alle Zeiten imb Ewigkeiten gültigen' Gesetze der „Hygiene" mit solcher Klarheit^ und Deutlichkeit vörzütragen, wie ünfere":'heiM?.."' auf den .Wheir'djs Sinai'geofftnbarte 'Thorä? 'Wie'früh' "und-WckliK, wii 'gesund und '-rüstig,- wie ^reN VonMen'WHAmDs- - ünd ' BerdaüüNg?-Beschwerdest ’ wäredie MMschhKt, wenn sie aüf die Lehren' der Thora "ächten,' " auf 'die Warnung der Tbora hören, Mäßigung und Selbstbe-. herrschung zur Norm und Richtschnur des Lebens

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