Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 61 (31.7.1902)
- Date
- 1902-07-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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B r'liii f f-i 1298 r dies gar nicht Jtzig sei! Er drückte sich nicht in eine Ecke, versteckte sich nicht, blickte nicht zur Decke empor, sondern sprach ohne Unterlaß. Was für Steine er gesehen hatte! — Er kannte schon ihre Namen. I. was, ein Brillant? Ein Brillant blitzt — und weiter nichts. Nein, da gefällt ihm doch der Smaragd viel besser Wenn Jtzig auf den großen Smaragd blickt, welcher in Herrn Barmas Schaufenster den Ehrenplatz einnimmt, sieht er in demselben Dinge, die für alle Anderen unsichtbar und die er selber niemals vorher gesehen hat — er sieht das, wovon der alte Chaim zu erzählen pflegte: wunderbare Wälder mit grünen Baumwipfeln, mit zwitschernden Vögeln, mit plätschernden Quellen Und der Rubin? Sieht man in ihm nicht den Nachthimmel mit allen seinen Sternen, mit dem Mond? Und der Türkis? Wenn Jtzig ihn anblickt, lächelt der Stein ihm zu, und ein leiser, sanfter, kühler Frühlingsodem scheint von ihm zu wehen_ Und Niemand sieht und Niemand empfindet dies. Jtzig hat die anderen Knaben in der Werkstatt gefragt, aber sie haben ihn nur ausgelacht. Q, diese Kunst wird Jtzig lernen! Er gibt seinem Vater das Wort, daß er fleißig lernen wird, fleißiger als alle, und sowohl Herrn Barmas wie Herrn Moselstein wird er zufrieden stellen. Joßel triumphirte. Er hatte immer gewußt, daß Jtzig nicht dumm sei, und er ist wirklich nicht dumm, o. nichts weniger als das. Es ist augenscheinlich, daß er seinen Beruf gefunden hat. Was hat das zu sagen, daß in der Familie der Schmuls bisnun Niemand Juwelier war? Bis jetzt war keiner, so wird nun einer sein. Und gut ist's, daß einer sein wird. d Hier müssen wir einen kleinen Zeitraum überspringen. Ohne den Grund, hiervon des Näheren zu erklären, sagen wir kurzweges vergingen fünf Jahre. Ja. fünf Jahre waren verflossen, und wenn Euch jetzt irgend ein Zufall in den. in der Hauptstraße der Gouvernementsstadt T. befindlichen Laden des Herrn Barmas führen sollte, und Ihr dort einen sehr hübsch gekleideten, schlanken, jungen Mann mit einem kleinen, schwarzen Schnurrbart und einem glatten Kinn sehen würdet, es käme Euch nicht in den Sinn, daß dies Jtzig Schmul ist. Und würdet Ihr dann Herrn Barmas selber fragen: „Nun, Herr Barmas, wie finden Sie den Jtzig?" Die Antwort wäre unabänderlich: Jtzig! Er ist ein vorzüglicher Juwelier, ein ausgezeichneter Juwelier, nur ... Eines schadet ihm — er ist ein Phantast! Ja, Jtzig ist ein Phantast und das schadet ihm sehr!" Auch Joßel wußte, daß Jtzig ein Phantast fei. und daß in den Augen des Herrn Barmas dieser Umstand ihm sehr -zum Nachtheil gereichte. Obgleich daher Jtzig ein vorzüglicher Juwelier und der beste Arbeiter in der > Werkstätte war, wollte Herr Barmas ihn nicht zum ersten Meister ernennen. Joßel fühlte sich dadurch tief ' verletzt. Ja, Jtzig war wirklich ein Phantast. Er verfertigte nicht goldene Broschen und Armbänder,' in deren Mitte mir nichts dir nichts irgend ein ohne Sinn und Zusammenhang von Perlen umgebener Amethyst oder Smaragd in die Höhe ragte.. Wenn. .ihm. ..die AuS« - führung eines Gegenstandes übertragen wurde,, so suchte er sorgfältig nach einer harmonischen Zusammenstellung verschiedener Farben und Schattirungen, und^ erfand ganz eigenartige Muster, die Herrn BarmaS nicht entsprechend und manchmal ganz unbrauchbar ' schienen. Und was die Hauptsache: er ließ sich von der Jdee'hhl-? reißen und brachte seiner Phantasie gern sowohl Sparsamkeit als kaufmännische Berechnung zum Opfer. Auch den Werth der Steine zog er bei seiner Arbeit nicht einen Augenblick in. Betracht. Für ihn waren sie Farben, mit denen er seine steinernen Bilder malte. Dies wurde bemerkt und von da ab erhielt Jtzig keine selbstständige Arbeit mehr und bei jedem feiner.Schritte war er unter Aufsicht.- - Schweigend fügte sich Jtzig, in seiner' Seele jedoch wogte ein Sturm: Es beleidigte ihn, wenn man ihm befahl, die erste beste lange Nadel mit einer großen Perle zu schmücken, die seiner Ansicht nach den Mittelpunkt einer schönen Gruppe verschiedener Steine bilden könnte. Seine Händen bebten, wenn er in Folge einer dummen, geschmacklosen Bestellung aus kleinen Juwelen, von denen jeder die Ecke eines Bildes, das seiner Phantasie vorschwebte, ausfüllen sollte, irgend einen langweiligen Buchstaben zusammenzusetzen gezwungen n>ar. Mit jeder solchen Arbeit wuchs und steigerte sich die Erbitterung in seinem Herzen. Joßel, der viel über alles nachdachte, glaubte endlich ein Mittel gefunden zu haben, das Jtzig aus seinen Träumen der Wirklichkeit zuführen sollte. Er beschloß, ihn zu verheirathen. In der Schmul'schen Familie hatte man diesbezüglich von alters her überlieferte Ansichten. Heirathen muß jeder Mensch, das ist ein Geböt Gottes, und Frauen gibt es genug — man braucht sich also erst gar nicht lange zu besinnen. -; w > Jtzig hatte nie darüber nachgedacht, als man ihm jedoch das sagte, hatte er nichts dagegen einzuwenden. Er entdeckte bald, daß ihm graue Augen und ein rundes Gesichtchen mit einem Stumpfnäschen vorzüglich gefielen und verliebte sich sofort in die Besitzerin derselkÄ — und Rifka in ihn. - . - All' dies war gut, noch besser jedoch, daß Jtzig^als er der Gatte Rifka's wurde, in senket'.Täschtz/W Summe von dreitausend Rubel besaß. Eswar dies nicht im geringsten feine Schuld.-da ^da.^Eleldchie WH gift Rifka's bildete; der Besitz dieses Vermögens'jedoch konnte an einem Mitglied'der Familie Schmul, in der, wie Joßel selber, sagte, nochNlemund.mehr'alAzwanziA Rubel .sein Eigen, genannt hatte) r^unjyogkich' spurlos voriibergehen. - - -- -..... .. .. So war dies auch bei Jtzig betfJralL^