Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 53 (3.7.1902)
- Date
- 1902-07-03
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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rische Abgründe. Phasen lassen sich immerzu unterscheiden; doch wie wenig diese Unterscheidungen in die Sache eingreifen. wird uns von Augenblick'zu Augenblick klarer. So kommen wir von Stöcker zurück auf die „Gründerzeit", von da auf die^etzten Widerstande gegen die formelle Emanzipation der Juden, weiter auf die Anfänge des modernen Sozialismus, dann auf die Aufklärerzeit und stehen unversehens im Mittelalter,;a schließlich in Aegypten. Und laufen wir den eilig durchmessenen Weg zurück, so sehen wir rasch, welche Gleichförmigkeit wir zu durchwandern haben, und wie kenntniß- und aussichtslos ein historischer. Versuch in engen Gegenwartsgrenzen ist, soll er mehr leisten als eine fiofsieiche Chronik oder^selbst als eine Spezialstudie. ' ~**■-?■**** Ein Pröbchen dessen, was auf so flüchtigen Wanderungen zu erschauen ist, wollte Schreiber dieses anderswo mit den Bemühungen bieten, durch eine vorläufige Skizze eine baldige Geschichtsschreibung der Judenfrage anzuregen und zugleich die praktisch engagirten Gemüther ein wenig durch Ablenkung ihrer Aufmerksamkeit vom Subjektiven auf's Objektive zu ärgern. Diese Skizze, eine theils primäre, theils sekundäre, theils tertiäre Geschichtsarbeit, mag gerade durch ihre Unvollständigkeit und Unvollkommenheit insofern nützlich wirken, als sie hoffentlich zu baldigen aufklärenden Widersprüchen und Ergänzungen herausfordert. Sie wird wohl auch durch ihre Wirkungen zeigen, wie diel Stoff für unsere Aufgabe bereits in solchen Händen angesammelt ist, die bisher wenig Gelegenheit hatten, ihn zu verwerthen. - Die eine nächste Theilaufgabe wird nun natürlich die sein, den Stoff in der für solche Zwecke bekannten Weise zusammenzutragen und in den richtigen Händen zu tonzentriren. Zugleich aber tritt die andere nächste Theilaufgabe hervor: eine Kritik der wohl noch etwas problematischen Geschichtsgliederungen, die jene Skizze verursacht hat. Hier handelt es sich besonders darum, das Auftreten und Schwinden verschiedener Seiten der, Judenfraqe geschichtlich festzustellen: ein Bemühen, dessen Erfolg von einem jeweils richtigen Erfassen jener Seiten abhängi. Die Folge soll uns lehren, was sie. lehren kann. Wichtig wird es sein, daß jeder Bringer von Beiträgen womöglich Besseres bietet als einerseits blasse Allgemeinheiten, andererseits ebenso blasse Einzeldaten. wie sie einander so verwünscht ähnlich sehen; beide sind in der bisherigen Litteratur - bis zum Ekel üppig vorhanden. Und dann mag die eigentliche Geschichtsschreibung besinnen. Sie verlangt nicht nur ein Solches historisches Können, wie es sonst bei geschichtlichen Arbeiten nöthig ist: ste verlangt auch eine ganz besondere Feinheit eines Blicks geradezu durch Mauern hindurch. Welches diese Mauern sind, wird dem Betheiligten bald klar. Sind es leider auch zum Theil chinesische, so wird eben der Blicks der sie durchdringen soll, erst recht kein solcher ftin dürfen, dem man mit einer etwas unlieben swürd:>^^-- gen Redefigur eine gleiche Bezeichnung geben dürfte^ . Zeitungsnachrichten unv Eorresporrvenzcn. Deutschland. Schroda. Der National-Zeitung" wird. von hier , geschrieben: - "'"'7-fv ' „Zu den schönen Worten anläßlich der letzten Po« lendebatte über . Förderung des Deutschthnn, § Ostmarken ist Folgendes zu erwähnen, um zu beweisen, wie in einzelnen Kreisen die geübte Praxis von der Theorie abweicht: Als hier vor einiger Zeit neue Telephonleitungen angelegt wurden-, ließ der die Arbeiten leitende Postbeamte das angekommene Material von dem erst seit kurzer Zeit hier etablirten polnischen Spediteur von der Bahn holen, obgleich es in Schroda seit langer Zeit zwei deutsche Spediteure gibt, ' von' denen der eine amtlicher Bahnspediteur ist. Des Pudels Kern ist, daß Heide deutsche Spediteure Juden sind. Zu^ dem am 19. und 20. Juni hier stattghabten Oberersatzgeschäft trafen am Abend des 18. mehrere Offiziere in Schroda ein, stiegen in Posners Hotel ab, dessen Pächter Jude ist, erhielten aber , bald darauf die schriftlich^ Weisung, nach Hüttners Hotel, dessen Besitzer Pole ist., zu kommen, da für sie dort Zimmer bestellt seien. Ob solche Vorkommnisse zur Förderung des Deutschthums in den Ostmarken beizutragen geeignet sind, mag dein allgemeinen Urtheil überlassen bleiben.- ■ Daß die hiesigen Juden gut deutsch gesinnt sind, hat sich abermalsbei den letzten Stadtverordnetenwahlen im November erwiesen, indem sie Mann für Mann in der zweiten Abtheilung für den deutschen Kandidaten stimmten, wel- ' cher dadurch mit einer Stimme Mehrheit über den pol- - nischen Kandidaten siegte." U n g a r n. s.‘/fJy. .iii)-■ * ’ Oedcnbürg. (Das Ende einer alten Israeliten- Gemeind e.) Durch einen Erlaß des ungarischen Ministeriums des Innern wurde der, viele Jahrhunderte alten, politisch selbstständigen JSraelitengemeinde Mattersdorf, im Oedenburger Ko> mitat, die Autonomie entzogen und deren Einverleibung in die Mattersdo.rfer Großgemeinde angeordnet.. Die ehemals blühende Gemeinde war im Laufe der Jahre so weit zurückgegangen, daß sie die Lasten der Autonomie nicht mehr bestreiten konnte und ein bedeutender Schuldenstand sich ergab. Nunmehr hat von den ungarischen Jsraelitengemeinden nur noch Eisenstadt die-' Autonomie. - / ,