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Der Israelit · 1902-07-03 · Heft 53 (3.7.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 53 (3.7.1902)
Date
1902-07-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43» Jahrgang. zu jvs 53 des »J't Wissenschaft oder — Gelehrsamkeit. v Von Rabbiner Dr. Daniel Fink—Wien, vrn. Nachdem unsere Darlegungen bis zu diesern Punkte gediehen sind, soll hier nicht länger verschwiegen -werden, daß der ganze Vorfall auch der komischen Seite nicht ermangelt. In demselben Athemzuge^ in! ~ welchem Herr Dr. Jakob dem auf die kkeberlieferung fußenden Judenthume den Vorwurf macht, daß es wesentlich von dem Christenthume beeinflußt sei, gesteht er in aller Offenheit, daß das moderne Reformjudenthum, dessen Standpunkt er vertritt, nichts denn eine Verschmelzung der nationalistischen Theologie Schleier- , machers nüt dem Judenthume bilde. — Das ist allerdings eine Behauptung, der man von keiner Seite den Vorwurf machen wird, daß sie sich in kkebertreibungen etwa ergehe. Wer jedoch glaubt, eine derartige Erkenntniß werde für ihn, der überall auf die Reinheit der religiösen Ueberzeugung dringt, .den ersten Anstoß bilden, utn sich nunmehr zu dem Standpunkte des wahren, ungcschmälertenJudenthums zu erheben, der irrt gewaltig. Wo er den für ihn herkömmlichen Standpunkt verläßt, so geschieht es nur, um statt dessen den des reinen Ehristenthums einzulauschen. Nur unter solchen Voraussetzungen erscheint es verständlich, wenn er die Behauptung aufstellt, das Judcnthum sei nicht eine, sondern — die Religion. Wir haben es hier keineswegs mit seiner Erfindung zu thun, — Harnack hat dieses stolze Recht längst vor ihm für das Christenthum in Anspruch genommen. Eine Sache wird doch wohl schwerlich darum alleine zur unserigen, daß in einem llrtheil statt Christenthum -— Judenthum eingesetzt wird. Unseres Wissens hat bisher noch kein jüdischer Forscher eine Anmaßung sich erlaubt, wie sie in diesem kurzen, aber vielverheißenden Satze hervortritt. Wir dürfen dieselbe neidlos andern überlassen und sollten nicht flugs bei der Hand sein, auf jede Ueberspanntheit, wenn ' sie nur in den Reiz der Neuheit sich zu hüllen weiß, uns mit blindem Eifer zu stürzen. Gewonnen ist damit garnichts, denn die Anhänglichkeit an die eigene Religion zeigt sich nicht sowohl an der Entschiedenheit, mit welcher wir jede andere verneinen, als an derjenigen, mit welcher wir die unselige bejahen. Im klebrigen enthält ja der hier in Rede stehende Sah nichts anderes, als den Anspruch auf die — alleinseligmachende Kirche, nur ein wenig in's „Moderne" übersetzt. Noch bedenklicher aber ist die Thatsache, daß der dabei zu Tage tretende Fanatismus eine nur . noch viel grellere Farbe zeigt. Was den ersteren Anspruch betrifft so läßt er doch wenigstens das Leben auf dieser Erde aus dem Spiele. Vorrechten, die jenseits desselben liegen, kann man mit einer gewissen Gleichgiltigkeit begegnen. Man stelle einfach seine Sache der Entscheidung des Himmels anheim, der auf alle Fälle doch auch noch ein Wörtchen mit dreinzureden haben dürfte. Wer jedoch „die. Religion" für sich in Anspruch nimmt, behauptet damit, daß er nur alleine im Besitze der vollkommensten Mittel sich befinde, die zur Erreichung der höchsten Ziele der Moral erforderlich sind. Alle anderen erscheinen damit von Anfang an als moralisch minderwerthig gestempelt. Wir als Juden haben uns so etwas noch nie herausgenommen, weisen es aber auch mit aller Entschiedenheit zurück, wenn andere uns gegenüber sich darauf Hinausspielen wollen. - . . ' . In gleicher Weise kann Herr Dr. Jakob auch auf die Behauptung: „das Judenthum bilde überhaupt keine konstante Größe, sondern muß seine Form nach» den außerjüdischen Faktoren, mit denen es sich auseinander zu sehen hat, wechseln," etwa ein Urheberrecht in Anspruch nehmen. So hat ja eben Harnack, und zwar wiederum längst vor ihm, „sein Wesen des Christenthums" umschrieben. Ja, wo bleibt denn nun unser Judenthum? müssen wir da ganz verblüfft fragen. Wird denn aus dem Christenthum dadurch Judenthum, daß man ihm einfach einen jüdischen Stempel aufdrückt? Wäre das heutige Resormjudenthum nur so weit als die religiösen Grundsätze in Frage kommen, im Banne des Christenthums befangen, so brauchte man cs noch nicht ganz aufzugeben. . Man könntedarauf warten, bis sich schließlich einmal eine bessere Erkenntniß bei demselben durchringen werde. Was viel schlimmer — ist die traurige Wahrnehmung, daß seine gestimmte Erlenntnißweise diese hilflose Unabhängigkeit aufweist. Unvermögend zu eigenen Conzeptionen von irgend einem Werke, weiß es nichts anderes zu thun, als von dem zu leben, was es drüben auf Borg entlehnt. Wäre nicht das heutige Judenthum durch , und durch hohl, wie wäre es nur sonst möglich, daß die gedachte Schrift Harnack's vom Wesen des „Christenthums" dasselbe in den Zustand einer so nervösen Erregung versetzen konnte! Ist doch dieselbe in sich selbst so ganz und gar haltlos, — muß alle Behauptungen, die sie giebt, auf Schrauben gleichsam stellen, — unter allerlei Vorbehalten und Verklausulirungen Vorbringen. Entschiedenheit und Kraft allerdings zeigt sie nur dort, wo es um Angriffe auf das Judenthum geht. Kennt er doch das Judenthum „als inkonstante. Größe" nur zu iw.'.ir i

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