Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 51 (26.6.1902)
- Date
- 1902-06-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1083 t'i!;! gemund. St. Avold und andere, den Bürgermeistersitz inne hatten. : Die Juden in Elsaß-Lothringen leben mit ihren Mitbürgern beider Konfessionen friedlich und einmüthig zusammen und wo es sich um die Förderung und das Wohl von städtischen als auch Regierungsangelegenheihandelt, findet man bereitwilliges, gemeinnütziges Vorgehen aller Glaubensbekenntnisse. Beispielsweise wurden in Forbach i. Lothr. die schon seit nahe an 20 Jahren dem Gemeinderathe angehörigen und um das Beste der Stadt stets bekümmerten Herren Abraham Barth, Rentner, und Marx Haas. Hotelier, auch diesmal mit großer Stimmenmehrheit wiedergewählt. Genannte Herren genießen bei ihren Mitbürgern Achtung und Ansehen. (Von 1081 Wahlberechtigten sind 42 Juden.) Auch in ihrer Eigenschaft als Juden ist den Herren kein Vorwurf zu machen, und wo es sich darum handelt, Wohlthätigkeit auszuüben, fehlen Genannte gewiß nicht. Wünschen wir beiden Stadträthen weiteres segensreiches Wirken in ihrer Amtsstellung. — Man sammelt jetzt Unterschriften in den Gemeinden Elsaß-Lothringens, die sich für ein Ober-Konsistorium aussprechen und die als eine. Massenpetition dem Landesausschuß vorgelegt werden soll. Hoffentlich wird der hohe Landesausschuß ein Zentral-Konsistorium genehmigen und dadurch den. gesetzestreuen Juden eine Stütze und Hülfe zur Hebung der Religion gewährt. Die Oberbehörde wird dann hoffentlich die Unbilligkeiten der Bezirks-Konsistorien beseitigen. Aus Nntcrfranken. Am 10..Juni wurde unter imposanter Betbeiligung aus . allen Schichten der Bevölkerung von Nah und Fern Frau Lehrer Sara Freuden beiger in Heidingsfeld zur letzten Ruhe gebettet, eine jener Frauen-Erscheinungen, die das ideal Jüdische mit einer selten hohen Weltbildung in sich vereinigte. Ragte sie doch nicht nur durch ihre unerschöpfliche Herzensgüte wie durch ihre Frömmigkeit als wahrhafte rcirn ne»K weithin leuchtend .hervor; auch ihr scharfer Geist hob sie weit über viele ihrer Genossinnen hinaus. Solche Vorzüge des Herzens und Geistes verliehen ihr die Fähigkeit, ihre Söhne und Töchter zu Muster-Menschen zu erziehen, in denen die edle Heimgegangene fortleben wird. Hilfbereit zu jeder Zeit, gefällig gegen Jedermann. Wohlthun, Edelsinn und Gastfreundschaft, Anspruchslosigkeit und^Bescheidenheit, diese und viele andere Tugenden zierten die Verklärte in einer Weise, welche ihr ein unvergängliches Gedächtniß bei allen, die sie kannten, sichern. Wenn irgendwo, so ist hier das Wort keine- Phrase: man hatte in ihr ein Lichtbild vor sich, das keinen'Schatten aufwies. War ihr Leben eine fortlaufende Kette von owa,fo war ihr Scheiden aus dieser Welt eine •’pws nrw, denn unerwartet rasch nahte sich ihr der Tod am Abend des 'fra-: rrn,. - .um -sie in Edens Pforten ejnzuführen.^ - ^n : : i ’••./; . •* Möge der Allmächtige dem schwergeprüften Gatten Fr. apr "»-nnv und allen schmerzlich getroffenen' Hinterbliebenen V Frankrei ch.'.,.^>" Paris. Die jüdische Industrieschule in Paris ist eine der ältesten und größten Handwerkerschülen det N''?)- ' ganzen Diaspora. 1865 mit sehr beschranktenMtteln ' begründet, besitzt sie jetzt ein Jahreseinkommen von . über einer Million Frcs. und beherbergt 100 Zöglinge. . , Dieselben rüsten Sei der Aufnahme mindestens 13-;.': Jahre alt sein und eine Elementarschulbildung aufweisen. Die Anstalt ist ein Internat, wo die Zöglinge . Wohnung, Kost und Kleidung erhalten und bei deinem \ , guten Handwerksmeister außerhalb.der Schule in ihrem ' Fache ausgebildet werden. Ein spezielles Komitee über-. wacht die Lehrlinge und besucht häufig die Werkstätten, . .. in denen sie ihr Handwerk erlernen. Außerdem hat jeder Meister, welcher einen Zögling der Anstalt, zur/ Ausbildung hat, allwöchentlich über diesen einen schriftlichen Bericht zu erstatten, der vom Anstaltsdirektor ■ gegengezeichnet wird. Am Sabbat haben sämmtliche ' Zöglinge, auch solche, die bei einem christlichen Meister , in der Lehre sind, einen Ruhetag,, und jeden Abend werden die zukünftigen jüdischen Handwerker in einer .! - in der Anstalt befindlichen Fortbildungsschule' unter- :: richtet. Die Unterrichtsgegenstände sind Französisch. Rechnen, .Geschichte, Geographie, Naturgeschichte^. Hebräisch und jüdische Geschichte. Die Schule hat, seit / ihrer Gründung bereits über 1000 jüdische Handwerker - " ausgebildet, von denen 850 bei ihrem Handwerk ge-; blieben sind und in allen Welttheilen als brave Handwerker eine ruhige und sorgenlose Existenz haben.? -) jv . R u tz l an d. . . > Warschau, im Jnni. Das Budget der jüdische« -^ s. Gemeinde von Warschau pro 1902 ist von den.BehSrbrn.^Z bestätigt worden. Dasselbe weist 272,822 Rubel an Ausgaben auf. Für Unterhaltung der Rabbiner' und der Gemeindebeamten sind 34,954, für Schulen 70,932, .; y. für das Beerdigungswesen 29,233 und für Verzinsung; und Amortisation von 300,000 Rubel Schulden 17,700, Rubel ausgeworfen. Außerdem sind für Unterhaltung. /«- - gemeinmütziger Anstalten 49<399 und sür Unterstütz- V ungszwecke 42,869 Rubel erforderlich. Diese Zahlen . ' ', sprechen ungemein deutlich für die in der zweitgrößten - - jüdischen Gemeinde der ganzen . Diaspora herrschende..'.'.!'/ große Armuth. Nicht mehr als 600,000 Mk. .vermag ’.i diese über 263,000 Juden zählende Gemeinde.aufzu-^hrk bringen. Man vergleiche damit das Budget-der ^etwa ' - 90,000 Juden zählenden jüdischen Gemeinde von. Ber- V •.? lin, sowie das der jüdischen Gemeinden/von Hamburg, I . / Breslau und Frankfurt a./M. mit - ihren/je. 20,000 Seelen. . .' ' '' -/ ' ---- - V