Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 51 (26.6.1902)
- Date
- 1902-06-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1079 K e rri l l e iom W km ÄMe ewes ZchM's. Von P. Zlaeob-Kohn. l3 Beim Kapitel „schlimme Bocherim" angelangt, sagteer: „Da hatte ich vor fünf Jahren solch einen „Chozuf. Er war ver Chaser-Bocher und hatte — wie dies üblich ist — das ganze Zimmer gemieihet, indem er allein für die Miethe verantwortlich war. die er sich von seinen zwei „Bocher-lech", von jedem, was auf seinen Antyeil siel,, bezahlen ließ und mich an jedem Rosch-Chodesch befriedigte. Anfangs war er ganz pünktlich und ich war sehr zufrieden; aber beim vorletzten Monat, da blieb er die Miethe schuldig und vertröstete mich auf den nächsten Rosch-Chodesch. Als er mir aber auch dann nicht die Miethe entrichtete, machte ich ihm ernste Vorstellungen, da ich das Schuldigbleiben durchaus nicht dulde, und er bot mir, da er kein Geld hatte, seinen Koffer mit dem Inhalt und seine S'forim, die weit mehr Werth waren, als die schuldige Miethe, als Pfand an. Ich nahm dasselbe an und überzeugte mich täglich von dem Vorhandensein desselben, woraus ich dann beruhigt zu meiner Arbeit ging. Eines Tages war aber der Bocher verschwunden, da aber sein Koffer noch da war, den ich, um mich zu überzeugen, ob er nicht leer sei, aufhob und ziemlich schwer fand, beruhigte ich mich, indem ich meine Forderung für gedeckt betrachtete. Als meine Frau einige Wochen später das Zimmer säubern wollte und bei die-- ser Gelegenheit den Koffer wegrückte, da brach derselbe auf und — was meinen Sie, war darin? — Steine? nichts als Steine! Sehen Sie, meine lieben Bocherim, das hat mir dieser „Asus-Ponim", dieser schlechte Kerl gethan! Aber mich wird kein Bocher mehr foppen!" sagte er mit einer Miene, welche einem ähnlichen Gedanken, falls er in uns aufgetaucht wäre, im Keime ersticken mußte. Im Uebrigen ist er ein braver, gutmüthiger Mensch, und läßt sich — wie mir mein Chaser-Bocher sagt — von den Bachurim so manche Posse spielen, ohne darüber böse zu werden. 25. September 18 .. Ich bin gestern von meinem Chaser-Bocher. der mich zum Lernen rief, unterbrochen worden und benütze meine heutige freie Zeit, beim Einschreiben in mein Tagebuch fortzufahren. ' Indem ich Frau Perl, unsere Hausfrau, die fast den ganzen Tag in der Küche beschäftigt ist und sich nach uns Bachurim wenig umschaut, übergehe, will ich mich heute mit meinem schon so oft genannten Chaser-Bocher und mit meinem dritten Zimmergenoffen beschäftigen. Der erstere ist ein Unterländer und heißt Selig Tannenbaum. Er kommt heuer zu der zweiten Musterung und ist somit 22 Jahre alt. Abgesehen von seiner unterländischen Äccentuirung, läßt er durch nichts den Unterländer durchblicken. Er. ist von mittlerer Statur^ hat blaue Augen und blondes Haar, welches er kurz ge-/ schnitten trägt und das an den Schläfen in zwei schönt gelockten „Peot" gusläust. Er zupft beständig an den wenigen Härchen, die als Vorläufer eines rothen Bartes sein Kinn bevölkern, und es sieht fast aus, als könnte er schon kaum mehr erwarten, sein Gesicht mit, diesem Naturschmuck geziert zu sehen, und als wollte er der langsamen Natur zu Hilfe kommen, indem er ihr durchs beständiges Zupfen das Hervorbringen erleichtern wolltet Er lernt mit uns täglich von halb 9 bis. halb.' 11 Uhr Vormittags den Houptschiur, den wir dann bis um 32 Uhr, während welcher Zeit er beim Vortrage des Rabbi's ist, wiederholen müffen. . Nachmittags, von 2—4 Uhr lernt er den Nebenschiur mit uns,, den der. Rabbi von 4—5 Uhr, und im Winter zwischen dem Minchah- und Maariv-Gebet vorträgt. -Nach dem Nachtessen wird meistens das Gelernte wiederholte Er lernt sehr gründlich mit uns und versteht es, uns den Haupt-als den Nebenschiur leicht verständlich zu machen. Im Umgang ist er sehr freundlich, doch'kann er auch recht strenge sein, wie mich ein Verweis, den er. meinem Mitschüler gegeben, der schon im vorigen Semester in der Jeschiwah gelernt und nicht zu: den Fleißigsten gehört haben muß, überzeugte. - „Das.. Herum schlendern in den Straßen und das Zeitvergeuden muß jetzt aufhören," sagte er zu ihm, „wenn Sie. bei mir lernen wollen, müssen Sie sich vornehmen,. fleißig zu sein, damit ich mich beim Verhör nicht mit Ihnen schämen muß, und nur, wenn Sie mir düs versprechen, - behalte ich Sie, sonst können Sie sich einen -, anderen Bocher suchen." Wie es. scheint, haben ....diese Worte gewirkt, denn mein Kollege — er heißt Naftali Löwi — ist seitdem viel fleißiger und aufmerksamer geworden. Er ist ein sehr kluger Junge,' und scheint verträglichen Charakters zu sein, und' wir haben, gleich am ersten Tag einen Freundschaftsbund /geschlossen. .' Da er schon länger in der Jeschiwah ist und sich im Wesen der Bachurim besser auskennt als ich, kommt mir sein Rath sehr zu statten. Das erste, wovor er mich. warnte, war, daß ich gewiß kein Geld verleihen möge, eine Warnung, die mir übrigens schon mein lieber Vater dringend an's Herz gelegt hatte. "Einen Bochers her sich gestern einen Gulden von mir ausleihen wollte.' und der meinen Widerstand durch sein eindringliches Bitten ' fast schon besiegt batte, fertigte mein Freund kurz mit X den Worten ab: „Haben Sie sich schon wieder einen v Neuling aufgegabelt? Zahlen Sie mir erst, was .Sie mir schuldig sind, dann wird Ihnen mein Kollege..den? Gulden leihen," worauf sich der Bocher eiligst entfernte. iZ „Sie hätten lange warten können, bis Ihnen, d e rdew > Gulden zurückgezahlt hätte," sagte er dann zü mitis4 „Diejenigen, die ihn kennen,, leihen ihm nichts mehr/^