Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 49 (19.6.1902)
- Date
- 1902-06-19
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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1049 Doch folge hier der Artikel wortgetreu: Aus Württemberg. Vor ungefähr einem Jahre verschied in Unterdeufstetten bei Crailsheim der einzige Sofer in Württemberg, Lehrer Eppstein.' dessen Heimgang allgemein betrauert wurde. Es dürfte deßhalb an dieser Stelle berichtet werden, daß z. Z. in Württemberg kein Sofer ist. Es wäre darum einem strebsamen Manne Gelegenheit geboten, sich hierzulande lam geeignetsten im Jagstkreise) ansässig zu machen. Die Unterstützung des Herrn Kirchenraths Dr. Kroner. der gesetzestreuen Rabbiner und der gleichgesinnten Lehrer dürfte derselbe stcher sein. Anlnüpsend an Obiges dürfte auf einen allgemeinen Mißstand aufmerksam gemacht werden, der besonders sich da fühlbar macht, wo man in weiter Entfernung keinen Sofer hat. Das Gebot jraswA vm TW p2 wird besonders vom pan cs? auf dem Lande in ungenügender Weise ausgeführt und viele .-.212 rrbvzb gesprochen. Der Eine legt die twn bv pb*en beinahe auf die Nase, ein Anderer wirklich 7^ p2 zwischen die Augen und wieder ein Anderer auf die Mitte der glatten Stirne. Der Lehrer, der manchmal belehrend auftritt und sich bemüht, die Leute über die richtige Erfüllung dieser Mizwah aufzuklären, ist leider außer- Stande, den p^’en bv 127 weiter oder enger zu machen. Es wäre daher eine dankenswerthe und anerkennenswerthe Aufgabe, wenn die Leiter der orthodoxen Lehrerseminare dafür Sorge tragen würden, daß die Seminaristen während ihrer Seminarzeit von einem kundigen Sofer den pb'Ln bv 127erlernen würden, damit die Lehrer auf dem Lande auch nach dieser Seite manches Gute wirken tonnten, denn msto mso 12». - So weit der Art. im „Israelit". Und nun lasse man den Artikel jeden Rabbiner, Lehrer, Kaufmann, Viehhändler oder Handwerker lesen. Aber um's Himmelswillen, wo ist denn da ein „ungeheuerlicher Angriff," der mit „tiefstem Abscheu" zurückzuweisen wäre? Ist nicht vielmehr den Lehrern ein Lob gespendet, daß sie sich bemühen und belehrend auftreten? Oder können vielleicht ja Württemberg's Lehrer den T'fillin-Knoten schürzen? Oder m ü s s e n sie es können, so daß sie durch den Bericht sich bloßgestellt fühlen? Oder ist es eine Zumuthung, eine Schande, wenn man sich den kleinen Kunstgriff lernen, zeigen läßt, um eventl. helfend eingreifen zu können? Oder sind *hier die Lehrer für das fehlerhafte T'fillinlegen verantwortlich gemacht? — Ich finde nichts und wieder nichts in dem allegierten Artikel und muß um freundliche Auskunft eines Kollegen in Württemberg, wo der Beschluß der Resolution einstimmig gefaßt wurde, hiermit bitten. Vielleicht, wird man doch zwischen den Zeilen etwas finden, was den „ungeheuerlichen Angriff" darstellt und den „tiefsten Abscheu" rechtfertigt. Ich halte mich für einen Weisen in dem Sinne Ben Somos, indem ich mich gerne und jederzeit der Belehrung zugänglich erkläre. Vielleicht auch können die „Bl. f. Erz. u. II." Aufschluß ertheilen. Bis jetzt ist mir das Ganze räthselhaft, ganz räthselhaft und unerklärlich. Nicht um alles in der Welt mag ich glauben, daß die. wackeren Württemberger sich bloß im Sturmlaufen gegen den „Israelit" üben wollten. Hier nur die Bitte an die Redaktion dieses Blattes, mir nach eingetroffener Antwort nochmals das Wort zu geben und auch andere Kollegen sprechen zu lassen. ' Für heute sei hier noch bemerkt, daß die Fähigkeit, einen „Knoten" zu schürzen, Zizis anzuknüpfen, Lülof. zu binden und-auch zu — schächten*) durchaus nicht den jüdischen Lehrer herabwllrdigt, so wenig, wie unsere akademisch gebildeten Rabbiner sich ihrer Würde vergeben, wenn sie eine „Kallehaub" durchsuchen oder einen Magen oder eine Lunge prüfen, rrn min! Sie sind nicht „Theologen",, sondern Rabbiner und wir j L - d i s ch e Lehrer. (Unter diesem Gesichtspunkte dürfte sich einzig und allein die Spannung zwischen Rabbiner- und Lehrerstand legen, welche am 4. Juni v. I. im Ausschuß des deutschen Rabbinerverbandes besprochen wurde.) Schielen wir nicht gar zu sehr nach christlichen Mustern. In j ü d i s ch e n Anstalten werden wir gebildet, jüdische Volksschulen sind unser Ideal, jüdische Lehrerverbände eine Nothwendigkeit, jüdische Lehrerversammlungen unsere Freude und Erguickung, jüdische Lehrerzeitungen unser Vortheil, also seien wir auch im ganzen Denken für jüdische Interessen durchaus jüdisch. Tann werden die verschiedenen pädagogischen Zeitschriften sich ergänzen, aber nicht ausschließen, zum Segen aller Vereinsmitglieder. Dann werden auch unsere Konferenzen ein wohlthuendes Bild friedlichen und freudigen Strebens bieten. *) Ter jüngst crsch. Leitartikel hat mich gefreut. Lebensversicherungs-Gesellschaft zn Leipziq, auf Gegenseitigkeit errichtet 1830 kalte Leipziger). Das Jahr 1001 ist für'die Geicll» schast sehr günstig verlaufen. Trotz der anhaltenden, wirthschaftlichen Schwierigkeiten, hat dieselbe einen steigenden Zugang an neuen Versicherungen und höchst erfreuliche, finanzielle Ergebnisse erzielt. Ter Ueberfchutz des JahreS 1001 betragt Mk. 7 446 47L isi der grstzt«, den die Gesellschaft je erzielt hat und übertrisit de« Ueberschuft deS Vorjahres um nahezu eine Million Mark. Die Ende 1001 vorhandenen, zur Vertbeilung an die Versicherten bestimmten Gesammtiiberschiisie beziffern sich aus Mk. 28172500. Sie gestatten auch für 1003 die Verthcilung der schon seit einer Reihe von Jahren gleichinäffig gewährten Dividende von 42*'» der ordentlichen Jahresbeiträge und überdies eine weitere Zuweisung von Mk. 2OOOO0 an den Extrareservesonds, der hierdurch die Höhe von Mk. 1000000 crreidn. Das Gesellschaftövermögen ist um Mk. 14140154 auf Mk. 210735507 gestiegen. Die Berwaltungs» kosten der Gesellschaft, die zu allen Zeiten sebr niedrige waren, haben sich noch mehr erniäsiigt: sie stellten sich 1001 auf nur 5,18% der Prämien- und Ziineneinnahme. An Versicherungen sind im Jahre 1001 insgesammr 7205 über Mk. 56473100 Versicherungssumme (gegen 100Ö mehr IM über Mk .2063 500) beantragt und 0212 Versicherungen über Mk. 47350400 (gegen 1000 mehr 202 über Mk. 2455000) abgeschlossen worden. Bei einem günstigen Verlauf der Sterblichkeit hat sich der ReinzuwachS an Versicherungen auf 2407 Personen und Mk. 25008150 Versicherungssumme gestellt. Damit ist der Gesammtversichcrungsbestand Ende 1001 auf 70346 Personen und Mk. 024070050 Versicherungssumme gestiegen. Auch iin Jahre 1002 hat sich das Geschäft gimstlg weiter entwickelt. Im ersten Viertel desselben sind 1510 Versicherungen über Mk. 11378800 Versicherungssumme (Mk. 212200 mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres) abgeschlosicn worden,