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Der Israelit · 1902-06-19 · Heft 49 (19.6.1902) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 49 (19.6.1902)
Date
1902-06-19
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Central-Organ für das orthodoxe Judenthum. lättex für die israel. Schule. is. Juni 1SV2.1 lNr.1l. K i n o ff e ne $ W or 1. von (ehrer %. Msnnheime r—D ettelbach. Es gehört wohl nicht zu den dankbarsten und denkbar schönsten Aufgaben, heutzutage ein „offenes Wort" zu sagen oder zu schreiben. Die von Jnteressenkämpfen durchsetzte und aufgeregte Gegenwart hat die in solchem Kampfe einmal nothwendig gewordenen Waffen gar scharf geschmiedet, um gegebenen Falles schlagfertig zu erscheinen. Solcher Waffen gibt es namentlich zwei: Solidarität oder enger Zusammenschluß'gleich Berechtigter und Gleichstrebender einerseits, Vertretung und Verteidigung durch eine entsprechende Fachpresse an-. ihrerseits. In letzterer führt jeder Sand das doppelschneidige Schwert der Kritik und Polemik gegen solche, die der Ehre, dem Ansehen und dem berechtigten Standesinteresse bewußt und Unbewußt Schaden zufügen möchten. „Jeder freut sich seiner Stelle, bietet dem.Verächter Trutz," singt der Dichter so schön und wahr von dem zum Range eines Kulturvolkes emporgestiegenen Menschengeschlechte. Das Ringen der Gegenwart, der heiß entbrannte Kampf um's Dasein bestätigen wahrlich mehr als zur Genüge die Wahrheit des alten Dichterwortes. Auch in der Lehrerwelt ist das Bedürfnis nach einer würdigen und entschiedenen Vertretung ihres Standes immer fühlbarer geworden. Was seit langem Viele ersehnt, was sich immer mehr und mehr als Rothwendigkeit erwiesen, das ist nun endlich zur Wahrheit geworden, hat in der Gegenwart greifbare Gestalt erhalten. Die Lehrer schlossen den Bruderbund in schweren Zeiten und in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Liebe zum Berufe, zu den Kindern, zur Schule war die Triebfeder, die Seele des Unternehmens, die Vertretung der menschlich naheliegenden materiellen Interessen die Geburtshelferin der „holden Eintracht," die alle Glieder umfaßt, und die fortdauernden Angriffe, Demüthigungen und Anfeindungen, welche von böswilligen Gegnern ausgingen, haben jene Einmüthigkeit ständig gemehrt und gesteigert, wurden das Mittel, um alle Glieder des Standes noch fester an einander z»; kitten und zusammenzuschweißen. „Je mehr man sie unterdrückte, desto stärker wurden sie," das gilt auch vom Lehrerstande unseres Vaterlandes. Er hat durch seine Vereine, seine Fachpresse, . seine Versammlungen und Konferenzen schöne Erfolge erzielt, zur geistigen Hebung und sittlichen Förderung seiner Mitglieder beigetragen und deren materielle wie gesellschaftliche Besserstellung angestrcbt, ja größtenteils erreicht. . Lag es mithin schon im Zug der Zeit, Standesinteressen durch eine geschlossene Gemeinschaft zu vertreten, so konnte für die jüdischen Lehrer das ihnen so naheliegende Beispiel ihrer christlichen Kollegen nur aufmunternd und anregend nach gedachter Richtung wirken. Nicht nur die berufliche Vorbildung hatte sich bei dem jüdischen Lehrer gegen früher vortheilhaft-geändert, auch die staatlicherseits dieser Vorbildung zugewendete Fürsorge ließ den israelitischen Lehramtskandidaten mehr und mehr seinem christlichen Kollegen ebenbürtig erscheinen. Und während früher die meisten jüdischen Präparanden nicht-israelitische Bildüngsanstalten aufzusuchen gezwungen waren, führt seit Jahrzehnten für den jüdischen Kandidaten" der Weg nicht mehr durch diese Schulen. Nur vereinzelt sind die Fälle zu nennen, wo christliche Seminärien jüdische. Hospitanten aufweisen. Und das ist nicht etwa auf Rechnung der gegnerischen Strömung zu setzen. Nicht

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