Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 49 (19.6.1902)
- Date
- 1902-06-19
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1039 so daß die Gemeinde sich ganz und gar ihrer annehmen mußte. Bemerkenswerth ist es, daß zwischen den polnij schen und den aus Rußland eingewanderten Juden ein! scharfer Gegensatz besteht und es sind keine Anzeichen zu bemerken, daß derselbe im Schwinden begriffen wäre: der spezielle Rationalitätshader ist ihnen irrs Blut übergegangen, obgleich beide Theile derselben einer Rüsten wie Polen gegenüber fremden Rasse angehören. Warschau ist gegenwärtig das Zentrum der jüdischen Litteraiur. Hier werden auch verschiedene hebr. Tagesblätter und Zeitschriften redigirt und heran sgegeben; zwei derselben werden jedoch in Berlin bezw. Krakau gedruckt und werden also ganz wie auswärtige Zeitungen behandelt, d'. h. sie müssen die Zensur passiren, bevor sie an die Abonnenten vertheilt werden können. Dies eigenthümliche Verfahren hat sich in Folge der schwierigen Bedingungen, unter welchen die russische Presse arbeiten muß, als recht praktisch erwiesen. Eines der Tageblätter „Der Jude" erscheint in jüdischem Jargon und hat eine sehr starke Verbreitung in Rußland, Preußen und Oesterreich. Als Mittelpunkt der jüdischen litterarischen Bewegung hat Warschau eine bedeutende Anzahl von hochgebildeten Juden aufzuweisen, sie werden aber weder von der polnischen noch von der russischen Intelligenz als ebenbürtig angesehen und verkehren deßhalb nicht mit der. Intelligenten der anderen Konfessionen. Der Antisemitismus ist sowohl in Warschau wie sonst überall ir, den Weichselprovinzen in stetem Wachsthum begriffen Der Antisemitismus hat sich in diesen Provinzen eigentlich erst nach dem Aufstand von 1863 entwickelt Während des verzweifelten Kampfes standen die Juden Schulter an Schulter mit den Polen und opferten.Gut und Blut in dem hoffnungslosen Streit — damals war von Antisemitismus keine Spur zu bemerken. Nachher änderte sich die Sachlage ziemlich schnell, hauptsächlich in Folge des Umstandes, daß nach der Niederwerfung des Aufstandes die ökonomischen Verhältnisse in den Weichselprovtnzen andere wurden. Russen besetzten alle Aemter, die bisher von Polen bekleidet worden waren, und zahlreiche Polen, denen nunmehr die Beamten- Laufbahn verschlossen war, widmeten sich der kommerziellen und industriellen Thätigkeit, wobei ein Zusammenstoß mit den Juden unvermeidlich war. Es entspann sich sehr bald ein Konkurrenzkampf, in dem die Polen in den meisten Fällen unterlagen. Dieser Kampf hat keinen Augenblick aufgehört und die Gefühle des Neides und Unwillens, welche die Polen den Juden gegenüber hegen, werden dadurch täglich genährt. Um junge Leute zu besonders tüchtigen Facharbeitern auszubilden, hat die hiesige jüdische Gemeinde vor Kurzem zwei Handwerkerschulen gegründet.- in denen jedoch ausschließlich praktischer Unterricht ertheilt wird. Die Juden Rußlands haben bekanntlich in Folge der geltenden Bestimmungen nur eine stark beschränkte Möglichkeit, ihren Kindern eine höhere Bildung zu verschaffen, indem zu Gymnasien und Universitäten nur ein ganz niedriger Prozentsatz von Juden zugelaffen wird. Es gibt Lehranstalten dieser Art, welche den Juden vollständig verschlossen bleiben, während die übrigen den Juden in einer Maximalhöhe von 6 pCt. Zutritt gewähren. In den Weichselprovinzen und ganz besonders in Warschau, wo das jüdische Element so stark vertreten ist, sind die Verhältnisse jedoch etwas ' anders; so dürfen an der hiesigen Universität Juden in, der Anzahl von 10 pCt. der Gesammtzahl der Studenten immatrikulirt werden. Dagegen hat die jüdische Gemeinde noch nicht die Erlaubniß erlangen können, auf eigene Kosten mittlere und höhere Schulen zu errichten. Als bezeichnend für die diesbezüglichen Verhältnisse verdient noch Folgendes erwähnt zu werden: Vor einiger Zeit faßte die hiesige Städteverwaltung den Beschluß, eine Handelsschule zu errichten; das nörhige. Geld sollte in der Weise beschafft werden, daß die Warschauer Handelsleute sich nach dem Umfange ihrer Geschäfte an den Unkosten betheiligten. Da die jüdischen Handelsleute die meisten und größten Geschäfte innehaben, steuerten sie auch den ganz überwiegenden Theil des zur Durchführung des Planes nöthigen Geldes bei — aber nur ein winziger Prozentsatz von jüdischen Jünglingen wird zu dieser, hauptsächlich durch jüdisches Geld gebauten Lehranstalt zugelassen! ß MthW MMlen gratis erhält jeder Abonnent des . BerlinerTageblatt" und Handelszeitunq nndzwar an jedem Montag:„3 ci tg ei ft". wissenschaftliche und feuiNetonistische Zeitschrift, jedem Mittwoch: .. Technische Rundschau", illustrirte polytechnische Fachzeitschrift, jedem Donnerstag und Sonntag: .Der Weltspreget". illustrirte Halbwocheu - Chronik, an jedem Freitag: „ U11". farbig illustrirteS. satyrisch-politisches Winblatt. iedem Sonnabend: .Haus.Hof Kartell", illustrirte Wochenschrift für Garten- und Hauswirthschaft. DasNomanfeuilleton des .Berliner Tagblatt" bringt spannende, interessante Novellen und Romane erster Autoren. Im nächsten Quartal erscheint ein neuer Roman der beliebten Verfasserin Marie Stahl. »Sommernachtsdunkel". Auch dieser Roman ist mit dem wcirmblütigen Temperament geschnebrn. welches in allen Werken dieser Schriftstellerin hervortntt. In vornehmer und eindrucksvoller Sprache zeigt sie ein starkes Talent m der Behandlung von Uonllikten und icnelt den Leser durch scharfe Ctiarakterzeichnnna der handelnden Person. Das Milien der märkischen Gutshofe trifft sie bis zur Intimität.—Bei einem sorgiältlgen Vergleich der Leistungen der deutschen Zeitungen wiro man sich bald überzeugen, da» in Bezug auf Reichhaltigkeit und Gediegenheit des gebotenen Inhalts sowie im Hinblick auf die rasche, zuverlässige Berichterstattung das »Berliner Tageblatt" an erster Stelle steht. Bekanntlich ist das durch seine eignen' an allen Wcltplätzen. wie Paris. London. Petersburg. Wien. Rom. zranstantinopel. Neivyork sowie an alleit gröberen Verrehrs-CZitren angestellten Svezial-Ikorrespondenten vertreten, die diefein Matte allein zur Verfügung stehen. Die sorgfältig redigirte vollständige .Handelszeitung" des t.“ er,reut sich wegen ihrer unbeeinflussten Haltung m kaufmännischen und .mduitciellen Kreisen eines vorzüglichen'Rufcs und wird wegen ihrer Unabhängigkeit auch von Brivat-Kapitalisten als zuverlässiger Wegweiser geschätzt. Ausführliche Barlaracnisbrrlchtc erscheinen in einer besonderen Ausgabe. die. iwch mit den Nachtzügen versandt, am Morgen deS nächstfolgenden Tages den Abonnenten zugeht.— Das.Berliner Tagblatt", welches gegenwärtig ca. 75000 Abonnenten zahlt, erscheint täglich 2 mal. auch Montags, in einer Morgen- und Aderchausgabe, im Ganzen 13 mal wöchentlich. Abonncmeytsprei» für alle 7 Blätter zusammen bei allen Postanstalten des deutschen Reiches 5 Mark 75 Pf. für daS Biertelzahr. 1 M. 92 Pf. für de,» Monat. Annoncen finden im „ ». t. *• namentlich in den geblldeten und besser fituirten Kreisen die erfolgreichste Verbreitung. -.