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Der Israelit · 1902-06-19 · Heft 49 (19.6.1902) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 49 (19.6.1902)
Date
1902-06-19
Page
– (sequence 17)
Language
German
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43» Jahrgang. Die Einheit des Gebetbuches. '••'V' HL Wenn uns nicht alles trügt, ist der Sinn für die Einheit des Gebetbuches jetzt wieder im Erwachen begriffen. Die aggressive Tendenz der Reform gegenüber der Orthodoxie hat überhaupt abgenommen; die Reformgemeinden bemühen sich ja und thun alles mögliche, um mit den orthodoxen Elementen der Gemeinden einheitlich verbunden zu bleiben; das ist eine Wendung, zu welcher die Reformer von den orthodoxen Separat- Gemeinden gezwungen wurden. Wie es, aber nirgends einen Stillstand gibt, so kennen auch die psychischen Elemente nur entweder ein Rückwärts oder ein-.Vorwärts, und so hat auch der Sinn für Einheit im Judenthum, nachdem er erst geweckt ist, entschieden eine aufwärts steigende Tendenz. Man will nicht nur in der Gemeinde zusammen bleiben, man sucht auch auf andern Seiten eine Einheit, zu.gewinnen, namentlich auf allen Gebieten des Wohlthätigkeitswesens sucht man eine Brücke zu schlagen, und zwar ist es überall die Reform, die diese Brücke schlagt, denn ste ist es, die Konzessionen macht, da die-Orthodoxie leine Konzessionen zu machen im Stande ist. Die Orthodoxie ist ein'Ganzes, llngetheiltes, sie kann nichts Nachlassen und nichts aufgeben; denn gäbe sie auch nur das Geringste auf, sie hörte auf, Orthodoxie zu sein. Man kann nicht % und nicht %, und nicht 9/iu etc. orthodox sein, da gibt es keinen Bruchtheil, man ist entweder ganz orthodox oder man ist nicht orthodox. Bruchtheile gibt es nur in der Reform, man kann radikaler Reformer, ein prinzipieller Reformer, ein gemäßigter Reformer u. s. w. sein, und man ist immer noch ein Reformer. Wo also zu Gunsten der Einheit Konzessionen gemacht werden, kann nur die Reform die Konzessionen machen. So z. V., wenn auf den Festen der B. B.-Logen koscher gespeist und mesumon „gebenscht" wird, so ist das eine Konzession der Refornl zu Gunsten der Einheit. Ob wir in allen diesen Fällen uns über die Einheit freuen sollen, das bleibe hier unerörtert; nur das . eine fei festgestellt, daß alle diese Konzessionen von den Reformern gemacht werden, woraus sich unzweifelhaft die Thatsache ergibt, daß auf Seiten der Reform die T e n d e n z zur E i n h e i t erwacht ist und im Wachsen begriffen ist. Wie überall, so ist-aber das Bewußtsein von. dem hohen Werthe der Einheit auch in Bezug auf das G e - betbuch vorhanden. Auf der einen Seite hat die Unzulänglichkeit aller Reform-Gebetbücher dazu bei- - getragen, die Begeisterung für diese abzukühlen. - Alle 7, Erwartungen die man an die modernisirten. Gebetbücher gestellt, haben sich nicht erfüllt, der Reiz der Neuheit, der wohl der stärkste Faktor dabei war, ist. abgestumpft, und was zurückblieb, das ist... Phlegma! . Indem aber die Freude und Begeisterung für die Absonderung geschwunden, so hat sich die Sehnsucht nach den Brüdern allmählich eingestellt; man empfindet das Mißbehagen, daß man zu dem einen Vater. . aber anders als die Brüder betet. Dazu kommt endlich auch das Bewußtsein, daß man anders betet, als der Vater und die V o r f a h r e n gebetet ha- ' ben.... und so stellt sich allmählich die Sehnsucht ein/ zu dem einen Vater in gleich e r W e i s e mit 7 allen Brüdern und mit dem Israel aller vergangenen Jahrhunderte zu beten. .vV SDic (Sinljcit des Gebetbuches ist heute schon die stille Sehnsucht auch der Reformkreise. Diese Sehnsucht ist wohl jetzt noch ein stiller Funke, der zur. Flamme angefacht sein will, aber er sehnt sich, Flamme zu werden. Meine Meinung ist nun, daß es Aufgabe der Orthodoxie wäre, über Mittel und Wege nachzudenken, wie die alte Einheit des Gebetbuches wieder hergestellt werden könnte. Wir halten dies für um so dringlicher, als von mancher Seite die stille Sehnsucht;» nach der alten Einheit des Gebetbuches mißverstanden und als eine Sehnsucht nach einem „neuen Gebetbuche" aufgefaßt wird. An manchen Punkten wird sehr - lebhaft daran gearbeitet, an Stelle des alten ererbten Gebetbuches ein neues zu sehen; so wird namentlich in Westfalen die Propaganda für das Vogelsteinssche Gebetbuch sehr stark betrieben. Die von mir gekennzeichnete Aufgabe hat also ihre zwei Seiten: 1) die alte Einheit des Gebetbuches da, wo sie noch besteht, v aber gefährdet ist, zu erhalten; 2) die Einheit des Gebetbuches da, wc sie bereits verloren ist, wiederzuge-7 Winnen. Ueber die Mittel und Wege, die zu.diesem Ziele führen sollen, im nächsten Artikel. ^Fortsetzung folgt.) ZeiturrgsAachriHLerr rrrrd Tserespsrrderrzerr. Deutschland. Hamburg, 16. Juni. Wie Ihnen s. Zt. berichtet, befindet sich in den auf der Veddel (Hamburger Elbinsel) neuerdings errichteten Auswandererhallen der Hamb.-Amerik.-Linie, neben den sonstigen rituellen Einrichtungen, auch eine geräumige, schön eingerichtete - Synagoge, die unlängst ihrer Bestimmung übergeben worden ist. Große unsterbliche Verdienste für die. Er-

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