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Der Israelit · 1902-06-16 · Heft 48 (16.6.1902) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 48 (16.6.1902)
Date
1902-06-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
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'yt?y*X>yr*rrtr* 43. Jahrgang.!! j: I;j|; iij! i|j i ijll tjij jji - ij! jjj i t Literarische Zimschau. L. E. Amitai, Coneiliation. Suite et Completeinent de la .broclime „Assimilation." Bruxelles. Imprimerie, papeterie Vve M. van Dantzig, ßue de Midi. 1901. Das vorliegende Buch gehört nicht zu jenen, die den Leser zu blenden und zu bestricken suchen mit den bekannten wohlfeilen Mitteln eines großspurigen gelehrten Apparates — davor bewahrt es die elegante Art der Darstellung und die Großzügigkeit derhier entwickelten Weltanschauung — sondern zu den seltenen, die ihren bleibenden Werth in sich tragen und trotz der Sachlichkeit in der Form, oder gerade darum den Leser immer mehr für sich gewinnen, überzeugen, erfreuen. Ich muß bekennen, daß auch ich nicht ohne eine gewisse Reserve, ja Voreingenommenheit, an die Lektüre dieses Buches herangetreten bin, weil ich auf den ersten Blick bloß gute Absicht und edlen Willen in ihm zu finden wähnte, ohne die nöthige wissenschaftliche Basis, ohne die weltmännische Einsicht und Erfahrung, bei deren Ermangelung Kultur- und Sozialfragen nun einmal nicht gelöst werden können. Ich habe aber während der Lektüre sowohl hinsichtlich des reichen geistigen Gehalts, der intellektuellen Verstandesschärfe des Verfassers, als auch der seltenen, herzerquickenden Frömmigkeit, der Wärme und Tiefe seiner religiösen Ueberzeugung. gepaart mit edler Humanität und Toleranz, und, last not least, Freimuth, rücksichtslose Offenheit und Wahrheitsliebe derart zu erkennen, zu schätzen und liebzugewinnen die Gelegenheit gefunden, daß ich den Ausführungen mit stetig steigender Aufmerksamkeit und freudiger Genugthuung gefolgt bin. Was der Verfasser in dies;.?-Bnche darlegt, deutet freilich der Titel etwas unvollständig an. Es ist die in unserer Zeit recht aktuell und dringend gewordene. Frage nach der Vereinigung unserer Pflichten als Staatsbürger und Juden einerseits und der Anforderungen des sozial-bürgerlichen und religiösen Lebens andererseits, die hier erörtert und deren Beantwortung und Lösung versucht wird. Als dritte Frage tritt die Untersuchung über das Wesen und den Charakter der jüdischen Religion qls einer Verbindung von National- und Universal-Religion hinzu. , In Beantwortung der ersten Frage weist Verfasser darauf hin, daß nach jüdischer Anschauung die Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten sich nicht nur aus Erwägungen der Zweckmäßigkeit, aus Opportunitäts¬ und Utilitätsrücksichten ergibt, sondern sich geradezu als eine religiöse Pflicht darstellt, deren Erfüllung daher, weil von religiöser Weihe gehoben und verklärt, für den Religiösen als ein Herzensbedürfniß erscheint, dem er stets willig, ja begeistert Folge geben wird. Zur Beseitigung der für die Sabbatheiligung erwachsenden Schwierigkeiten schlägt der Verfasser verschiedene Mittel und neue Verufsarten vor, denen wir freilich einen durchgreifenden Erfolg nicht zuschreiben können. Es erscheint uns nicht möglich, ein ganzes Volk in seiner religiösen Eigenart, in seiner geistigen und sozialen Selbstständigkeit zu erhalten, wie es der Verfasser, ein abgesagter Feind der Assimilation, mit Recht wünscht, wenn ihm nur mit so schwächlichen Mitteln geholfen werden kann, wie es die Associirung jüdischer Kauf-- leute mit Nichtjuden oder die Ueberleitung zu Handwerken ist. Denn daß sich die Pflege der Agrikultur unter den obwaltenden Verhältnissen als ein einträglicher und ertragsfähiger Berufszweig von einiger Bedeutung für die Juden nicht gerade empfiehlt,* wird wohl auch der Verfasser zugestehen müssen, der das Eegentheil nur nach Erfüllung mannigfacher, und nicht gerade leicht erfüllbarer. Vorbedingungen als möglich betrachtet (S. 37). Es blieben somit nur der Zwischenhandel und die Handwerke, Verufsarten, die ohnedies, wenn die neueren Nationalökonomen Recht haben, wie es in der That scheint, zum Tode verns-cheilt sind. Uns. erscheint daher eine radikale Heilung unseres Zustandes solange unmöglich, solange wir der gegenwärtigen Wirthschaftsordnung und -Entwickelung unterworfen sind. In dem zweiten Theile weist der Verfasser auf die selbst heutigen Tages noch nicht erreichte sozialpolitische Höhe der bezüglichen jüdischen Religionsgesetze hin, die in ihrem Geiste noch heute auf den glaubenstreuen Juden.wirken und seinen sozialen Sinn fördern und veredeln. — Zur Sicherung eines intensiveren Religionsunterrichtes. wie überhaupt einer rationelleren religiösen Erziehung plädirt der Verfasser für die kon- . fLssionelle. Schule. Schreiber dieses mutz bekennen, mit diesem so oft ventilirten Vorschläge nicht befreundend zu können. Dagegen verdient die Gründung und Pflege von Geselligkeits-, Vijdungs- und Litteraiurvereinen mit vollem Recht die warme Befürwortung und Aufmunterung, die ihr der Verfasser in geradezu begeisternden Worten zu Theil werden läßt. Der dritte Theil ist auf einer mehr philosophischen Basis aufgebaut und stellt gleichsam das innere Band dar, das die einzelnen vorhergehenden Betrachtungen zusammenhält. Es ist eine glänzende und herrliche Avotheose des Judenthums, die nicht minder dem Manne zur Ehre gereicht, der sie geschrieben hat, wie

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