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Der Israelit · 1902-06-16 · Heft 48 (16.6.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 48 (16.6.1902)
Date
1902-06-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sr i 1005 nicht vollständig; da fehlt die sog. Säge (znm Auf- Hängen, dort die Oelrinne oder die Oelfangschale u. s. w. Es ist deßyalv rühmenswerth, daß man cs oerstani den hat, dieses altjüdische interessante Denkmal nachzuahmen und zwar in einer so wunderbar schönen Art, daß der Mangel nicht fühlbar wird, sondern im Gegentheil, das bessere Material und die massivere Ausführung zum Vorzug gegenüber den alten Lampen bedeutet. Und was die Hauptsache ist, man hat der modernen Beleuchtung Rechnung getragen, und die Sabbatlampe nicht nur für Oel, sondern auch für elektrische Beleuchtung und Gas hergestellt. Wir hatten jüngst Gelegenheit, solche Lampen in Frankfurt a. M., wo der Hauptverkaufsplatz für jüdische Artikel zu sein scheint, zu bewundern und können uns bei dieser Gelegenheit nicht versagen, auch anderer dort gesehener alt-jüdischer Gebrauchsgegenstände, pietätvoll ausgeführt und theilweise von moderner Kunst belebt, zu gedenken. So fielen uns auf: hübsch ausgestattete Teller und Schüsseln, um den Sabbat-Broden — Berches — eine geeignete, würdige Unterlage auf dem Sabbattische zu gewähren; ferner Becher in eigenartiger Ausführung für Kiddusch und Habdoloh, Teller mit dem Davidsschild und Gewürzbüchschen in reizender Form, beides zu Habdoloh-Zwecken. Sämmtliche Gefäße sind mitpassenden hebräischen Aufschriften versehen und legten Zeugniß ab von der Bemühung, dem Publikum die weihe- und gemüthsvollen Stunden der jüdischen Häuslichkeit durch pietätsreiche Erinnerungen zu verschönen, ebenso aber auch von dem warmen Interesse der Käufer für diese Erzeugnisse, welche das Kunstgewerbe zur Herstellung und Vervollkommnung derselben ermuthigt. Oester t ei ch. Wien, im Juni. Ueber „Jüdische Bauernkolonien in Rußland" hielt Herr kaiserlicher Rath Johann Lichtenstadt in der Generalversammlung des „Vereins zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender" einen Vortrag, welchem ein sehr distinguirtes Publikum, unter dem sich auch zahlreiche Damen befanden, beiwohnte. Lichtenstadt schilöerte zuerst in großen Zügen die Gründung der ersten jüdischen Bauernkolonie unter Alexander 7. von Rußland im Jahre 1801. Der edle Gedanke des Kai- .sers, russische Juden in Cherson anzusiedeln, fand bei diesen begeisterte Aufnahme, scheiterte aber schließlich an der judenfeindlichen Gesinnung der Bureaukratie. Nikolaus I. verfocht, von seinem Finanzminisier Kaulrin unterstützt, die gleiche Idee wie Kaiser Alexander, nur mit dem Unterschiede, daß er die Juden in Sibirien kolonifiren wollte. Auch diesmal ständen die kaiserlichen Beamten hindernd im Wege, und Tausende von russisch-jüdischen Unterthanen, die in Sibirien eine Heimstätte finden sollten, waren den furchtbarsten Verfolgungen. ausgesetzt. Es begann eine förmliche Treibjagd auf die armen Ansiedler. Lichtenstadt gab'ein ungemein stimmungsvolles Bild von diesen russischen Verhältnissen, welche die Veranlassung gaben, daß im Jahre 1837 durch kaiserlichen Beschluß die Einwanderung der Juden in Sibirien eingestellt wurde. Nun wurde wieder Cherson zur Kolonisation der Juden ausersehen. Der Erfolg blieb nicht aus. Die Kolonien, gediehen im Laufe der Jahre. Ein Bericht von 1886 besagt, die jüdischen Bauern seien sehr fleißig und den physischen Anstrengungen vollkommen gewachsen. Auch die Berichte aus neuester Zeit sprechen für den Fortbestand des Gedeihens der Kolonien und -geben den glänzendsten Beweis, daß die Juden auch zu Pflug und Egge greifen können. V . Dem Vortragenden wurde für seine höchst interessanten, ausgezeichneten Ausführungen durch warmen lebhaften Beifall seitens des Auditoriums gedankt. Ueberdies sprach noch der Präsident des Vereins, Baurath Wilhelm Stiaßny, dem kaiserlichen Rathe Johann Lichtenstadt den besonderen Dank des Vereins aus. Bei der Generalversammlung des Vereins wurden die ausscheidendcn Mitglieder kaiserlicher Rath Moriz Hirsch, Emil Horner, Kommerzienrath Alois Reich, Fabriksdirektor Zolles,. . Ober-Bauraih Sigmund Taussig und Dr. Bela Taüssig, sowie die bisherigen .Censoren einstimmig wiedergewählt. Dem Präsidenten Baurath Stiaßny wurde für seine rührige Thätigkeit der Dank der Versammlung ausgesprochen. Zum Schlüsse, der Versammlung dankte noch Vaurath N. v. Goldschmidt als Vertreter der Kultusgemrinde dem Präsidenten Vaurath Stiaßny, dem Vortragenden kaiserlicken Rathe Lichtenstadt und dem Vice-Präsidenten Ober-Baurath Sigmund Taussig für ihre verdienstvollen Bestrebungen. V::r. V .y:-. - Chin a. Sbanghai. (Die Juden in China.) . Wie unseren Lesern erinnerlich sein dürfte, sind nach längern Bemühungen des Shanghaier Vereins zur Rettung der chinesischen Juden zum vorjährigen Pesächfeste zwei Juden aus Kai-föng-fu, und.zwar Vater'Und y Sohn, nach Shanghai gekommen und haben daselbst einige Wochen verweilt. Die ihnen von Seiten ihrer europäischen Glaubensbrüder zu Theil gewordene gute Aufnahme trug sehr dazu bei, das Mißtrauen der eingeborenen chinesischen Juden gegen ihre in Shanghai lebenden europäischen Glaubensgenossen zu zerstreuen, 7 und so kam es, daß am Montag, 10. Marz, nicht weniger als acht . eingeborene chinesische Juden aus Kaiföng-fu in Shanghaieingetroffen sind. Sämmtliche , Gäste wurden von dem Vereine in einem eigens für sie gemietheten Hause, untergebracht, und ein Lehrer begann sofort, ihnen hebräischen Unterricht zu ertheilen. Gleich- - zeitig wurden Vorbereitungen getroffen , die beiden jüngsten Mitglieder der Expedition baldigst in den/ Bund des Judenthums aufzunehmen.

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