Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 59 (24.7.1902)
- Date
- 1902-07-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jajrgattg. JfS 69. Kenirat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. r Begründet von Br. fe^tttann in Msinf m Sd Donnerstag, )>e« 24. Juli 5662 (1903). gür ^Bitrci ÄEth abonuirt man bei allen Postanstalten für den Monate ZTWirSALirSD auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter deS Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem bei treffenden Landbriefträger aufgegrben werden. WI" Die ' Briefträger sind berechtigt, den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen deS Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen.. Ausland entsprechet», höher...._ Die ErpeSUian des ^Israelit." kiiie Ailtsms KcmS Kmgt's Skr Ws.') (Schluß.) Welche Weisheit und Voraussicht dazu gehört, schon in der Wüste gegen die Gefahren eines geeinten Staatswesens Vorsorge zu treffen, davon möge die Gegenwart Zeugniß ablegen. Im vollen Lichte des 19. Jahrhunderts, wo jedes Kind in unseren Schulen Dinge, von welchen die egyptischen Weisen niemals träumten, als Gemeinplätze lernt,' wo die Erde ausgemeffen und die Sterne gewogen, wo Dampf und Elektrizität zu unserem Dienst gezwungen werden und die Wissenschaft der Natur Geheimniß abringt, ist es nur zu natürlich, auf die Weisheit der vergangenen Jahrtausende zurückzublicken, wie der Mann auf das Verständniß seiner Kindheit zurücksieht. - Und doch, trotz dieser wunderbaren Zunahme der Erkenntniß, trotz all' dieses enormen Zuwachses von produktiver Kraft, wo ist das Land in der zivilisirten Welt, in dem heute keine Noth und kein Leiden wäre, wo die Massen nicht verdammt sind, ohne Unterlaß zu arbeiten und alle Klassen nicht von jener Gewinnsucht *) Vergl. uufcre SledactionL-Bemerkung in Nr. 58. verfolgt sind, die das Leben zu . einem unwürdigen Kampf um das Verdienen und das Erhalten! macht? Dreitausend Jahre des Fortschritts und Immer noch ertönt die Wehklage: „Sie haben unser Leben durch harte Knechtschaft verbittert mit Mörtel und mit Backsteinen und durch alle Art von Arbeit." , Dreitausend Jahre des Fortschritts — und die mitleiderregeyden Stimmen von kleinen. Kindern tönen, mit in das Wehklagen! Wir schreiten vorwärts und vorwärts; wir umgürten Kontinente mit Eisenbahnen, verbinden Städte durch Tele'graphennetze. -Jeder Tag - bringt irg^E eine'^ neue Erfindung, jedes Jahr einen weiteren Fortschritt, vergrößerte Produktionskraft und weitere. Absatzgebiete. Und die Klage über „harte Zeiten" ist lauter und' lauter, und überall sind die Menschen bedrückt von Sorge und verfolgt von der Furcht vor dem Manges. Unaufhaltsam und mächtig schreitet das Vermögen' der Menschenhände, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, vorwärts. Und dennoch wird der Kampf um die bloße Existenz immer intensiver, und menschliche Arbeit wird zur billigsten aller Maaren.', Neben überfüllten Magazinen fallen Menschen zusammen vor Hunger und beben vor Kälte; und im Schatten der Kirchen haust das Laster, das aus dem Mangel geboren ist. Elend inmitten des Ucberflusses, Unwissenheit inmitten der Kultur. Schwäche inmitten' gewaltiger Kraft, --- und suchen wir die erste Ursache von all dem, das unserer Civilifation eine schiefe und ungleiche Entwickelung gibt, so finden ' wir etwas, was die Thora schon vor MY Jahren erkannt und zu per-, hindern suchte.' Die ivahre Ursache der Versklavung' der Massen in Egypten war dieselbe wie die, 'welche überall den gleichen Zustand ' zur Folge hatte: das Eigentumsrecht einiger Weniger auf das Land, auf dem und von dem das ganze Volk leben mußte. Wo immer das unbedingte Vesitzrecht, das nach natürlichem Recht sich bei Arbeitsprodukte von selbst versteht, auch auf das Land' ausgedehnt wird, da theilt