Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 46-47 (9.6.1902)
- Date
- 1902-06-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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43» Achrgemg. Ass Ieiii ms Lus Wimiis-W Von Ludwig Krautz. Motto: Die Bibel bleibt trotz allem und allem -och - das grobe Buch, der Tröster der Menschheit. Ernest Renan. in seinem Vorwort Zirr „Geschichte des Volkes Israel". G y ö r, im Siwan 5662. Das Schowuaus- oder Wochenfest, dem die sieben, j; vom zweiten Pesach-Tage an zuzuzählenden Omers wachen den Namen gegeben, wird auch iZ'N'rn snv l Fest der Gesetzgebung genannt. In der Thäuro findet [; sich dieser Namen für das Schowuaus-Fest nickt vor; dort ist nur von :n (2. B. M., 23, 16) nwzv t: | (2. B. M., 37,21) W-U-2N av (3. V. M.. 28, 26) \ die Rede. Wir verdanken denselben der Tradition, wie | die Bestimmung des Mattan-Taurohtages überhaupt l nur aus Tradition beruht. Merkwürdig! Die Thauro l spricht hierüber nichts; sie gibt uns das genaue Datum 1 des Tages, an welchem Mattan-Thauro stattgefunden, l nicht an; nur annähernd können wir dasselbe aus der l vfatn enrc: Paraschah (2. V. M. 19) ermitteln, und | wirklich herrscht Sabbat 86 b, 87 eine Meinungsver- [•' schiedenheit. ob Mattan-Thauro am fünfzigsten oder 1 einundfünfzigsten Omer stattgefunden. Wenn aber die l Thauro dieses hochwichtige, das ganze jüdische Leben [ durchgreifende Ereigniß nicht durch genaue Präzi-; sirung des Datums hervorhebt, dann muß der Grund y hierfür tiefer liegen, als eine absichtliche Verdrehung l und böswillige Entheiligung unserer Thauro-hakdaui schoh es darstellen möchte. . r In Orach-chajim Cap. 494 wirft nmrx /:o die l Frage auf: Wieso wir in unsrer Tefilloh am Sch'wuaus f,. »flisi. jre PT sagen, da doch nach "i die Thauroh am siebten Siwan gegeben wurde und die Halachah p wie 'S'' ,mi beschließt, während wir doch WV2L» anr | sechsten feiern? Erfassen wir den Geist des Schowuaus- [ festes und seine Bedeutung recht, so dürften wir in ders selben auch die Beantwortung dieser Frage finden, j Wechsel und Wandel ist der Zeiten Lauf und deren - Gepräge. Es wechselt Tag und Nacht, Maienlüfte mit \ bösen Winterstürmen ab, üppige Fluren verwandeln sich in Eisgefilde; es welket die Blume, es dorret das Gras; alles schiebet, dränget, strebet, kommt und vergeht. — Und auch der Mensch, auch er kommt und vergeht; auch der Mensch, das zäheste Geschöpf der Schöpfung, ist den Gesetzen der ewigen Bewegung unterworfen. Geschlechter kommen und gehen und mit ihnen Lebensansichten, 7 .. Lebensgewohnheiten, Prinzipien, Sitten und Gebräuche. Was gelten, heute die Formen eines vergossenen Jahrhunderts? Was bedeuten uns Satzungen und Gesetze alter Zeiten? Sie sind veraltet, wie dir; Zeit selbst und so wie diese besitzen auch sie nur geschicht- | licken Werth. Der Umschwung unseres sozialen, kommerziellen und politischen Lebens hat auch.sie verändert und neue Anschauung sie umgestaltet. «Das Alte, stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht? 'aus den Ruinen.^ . Nur eins hat sich erhalten die Jahrhunderte/ die Jahrtausende hindurch — die Bibel! Und welche .Stürme sind über dieselbe dahingebraust! Wie oft. haben" sich tollkühne Waghälse an dieselbe herangewagt!: Sie sind zerschellt und das. Buch, das sie verstümmelnd wollten, ist geblieben — geblieben in seiner Ursprung-' lichkeit, Reinheit, wie es Gott auf Sinai gegeben. - Die Gesetze und Satzungen, die es enthält, sind heute noch neu, aktuell und zeitgemäß. Sie athmen solch eine^ Frische aus, wie am Tage, da sie entstanden. Nichts in' ihnen ist veraltet, nichts, das unseren Anschauungen.'., nicht entspräche. Wir müssen sie, diese meerestiefen / weisen Satzungen, nur verstehen! Wir müssen sie zu er-' gründen suchen, dann eröffnet sich uns eine Perspektive/, das Herz erhebend, das Auge entzückend, den Geist'er-/ leuchtend! Ja, verstehen müssen wir unsere Thauro, forschen und lernen in unserer Thauro-haldanschoh. dann schützen, dann wahren wir sie vor Veralten, dann. erscheint sie uns jeden Tag neu, und daß sie jeden Tag ' neu erscheinen soll, das ist so unerläßlich, so mit den in. ihr enthaltenen Pflichten zusammenhängend, daß Gott vor dem. Erscheinen auf Sinai schon dieses als Devise des zu erwartenden großen Ereignisses vorausgeschickt. ab mn dta DTJtoV1*0 uä'iwifc '»'Vn bhtq nan w»?mn dvd namnn 3iroV*pi rm .13JV3 D1TT £’K3 D'VNN' NNM' iTOl Die Thora, so spricht sich Mechiltah aus^-gebraucht mit Absicht bei der Erzählung des Sinai-Ereignisses das Wort r; T.r» »»a und nicht, auf einen fernliegenden Tag hinweisend, rr'.nn . sv3 um dadurch' die Lehre'zu geben, daß die Thora uns erscheinen soll, als sei sie heute .irn, gegeben, als habe das Sinai - Ereigniß. .sich' heute zugetragen? Und wie' erwirken wir dies? Durck Lernen und Forschen in der Thora. .Dadurch zeigen sich uns immer neue unerforschte Gebiete/ Je tiefer wir in die Thora eindringen, desto tiefer zeig! sie sich. Wir erblicken einen unergründlichen Schacht? Quellen, die.nie versiegen,, stets frisch svrudeln./ Wir sehen, wie der Tauroh-hakdauschoh sich alle Zeiten nnd . alle Geschlechter anpyßten, . wie sie. nie veraltet/> ifl „ihrer Urs p r ü n g l i ch k e i t" immer jung., und frisch bleibt. Und.dieses zu sehen und einzusehen, das ist jüdische Pflicht, jüdisches Leben, denn: . )W wro Dm mo ..l'bp 'irBnr: min/'«Die Thora-Worte müssen dir neu, erscheinen? als seien sie heilte [ gegeben. Die Thauro-steht über lxr?Zeit?/.Sie'H' a.l't.e?'r7als die Zeit. D'jDfcn rwrv "vNn ' .W ' Dbun wi3:e» D*rp min njrw (Sabbat 88 b.) «974