Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 45 (5.6.1902)
- Date
- 1902-06-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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43. Jatzrgaüg. nnn Was wir wollen?) Ein mächtiger Strom war über seine Ufer getreten und mit reißender Gewalt rollten seine Wasser dahin. Am Ufer standen klagend und händeringend viele Hunderte von Menschen. In ihren angsterfüllten Zügen las mnn deutlich die Furcht vor einer drohenden Katastrophe. Ihre Furcht war erklärlich; nur wenige Zoll brauchte das Wasser noch zu steigen und es hatte die Hohe des Dammes erreicht, der die Stadt und ihre Bewohner vor den Fluten jetzt noch schützte. Wird das Wasser noch weiter steigen? „Wird der Damm halten?," so lauteten die ängstlich durcheinander schwirrenden Fragen, die in der Menge laut wurden. Da brauste ein Windstoß einher und die aufschäumenden Wasser spritzten bis auf die Krone des Dammes und hinüber. . Ein Aufschrei ging durch die versammelte Menge. Als er verstummt war, löste sich ein Häuflein aus dem dichten Knäuel der Zuschauer los. Die Männer eilten zu der gefährdeten Stelle; unterwegs griffen'sie Schaufel und Spaten auf und bald sah man sie emsig arbeiten, um die Lücke auszufüllen. Du, mein lieber Leser, möchtest wohl gern wissen, wie es weiter ging; ob die Gewalt des reißenden Stromes oder die muthige Abwehr der Bedrohten den Sieg davon trug? Ja, leider kann ich Deinem Wissensdrange nicht entsprechen. Die Geschichte ist noch nicht aus; jener Kampf dauert noch fort und sein Ausgang hängt nicht zum wenigsten davon ab, wie Du Dich dazu stellst, denn es ist kein Märchen, das ich Dir hier erzähle, sondern bittre, ernste Wahrheit, wenn auch im Gewände der Allegorie. Jener Damm ist der Sabbat, der uns unter den Posaunentönen, die am Sinai erschallten, geschenkt wurde und dessen Wunderkraft Judenthum und Judenheit mehr als drei Jahrtausende frisch und lebensfähig erhalten hat. Diesem Fels, der uns alle Zeit trägt, droht Gefahr, denn der Strom der Zeit, den Materialismus und Jndifferentismus gewaltig anschwellen, sucht ihn zu unterwühlen. Alle, alle sehen es: tausende beklagen es, aber klein, winzig klein ist bis heute das Häuflein derer, die von der Klage zur Tbat schreiten. Willst Du, lieber Leser, nicht ferner zu Jenen geboren, die thatenlos abseits stehen, so tritt in unsere Reihen, schließe Dich den Mitgliedern unseres Vereins „zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit Schomre Schabbes" ° *) AuS der soeben erschienenen Nummer 1 der »Mittbeilungen^;d “ ‘ ~ ~ - stand es. Hcrausgegeben vom Torstande des Vereins. Geschäfts» stelle der „Mittheilungen" in Frankfurt a. 2JL, Goethestrabe 11. an. Bist Du kaufmännischer Angestellter, so kannst Du ordentliches Mitglied, werden; bist Du-Prinzipal oder gehörst Du einem anderen Berufe als dem kaufmännischen an, so bist Du uns als außerordentliches Mitglied willkommen, \V=./ y\- Auf dem Gebiete des Handelsgewerbes. _ tobtder Kampf am heftigsten, deßhalb muß die Abwehr Hier ansetzen. Gelingt es uns hier das bedrohte-Terrain zu behaupten, verloren gegangenes wieder, zu gewinnest,^ so wird das Signal gegeben sein, das auch auf anderen Gebieten züm Widerstand ermuntert.; Die Sabbatrube im Sinne unseres Gesetzes,./die sich durch drei Jahrtausende allen politischen und wirth-, schriftlichen Wandlungen trotzend, behauptet hat, ./ siekann und muß uns auch ferner erhalten, bleiben! - Die Verhältnisse können es uns erschweren, aber niemals unmöglich machen! Denr Einzelnen über diese Schwierigkeiten hinwegzuhelfen dazu ist der Zusammenschluß nothwendig. Deßhalb lassen wir an Prinzipale und Angestellte, aber auch an alle rcer-cnK den Ruf,ergehest: Tretet unserem Schomre Schabbes-Verein bei. Gilt sein nächstes Streben auch dem Kaufmannstande allein, sein Ziel ist ein weiter gestelltes: es gilt der Wahrheit einen Weg zu bahnen,'daß man ein moderner Mensch sein und dabei das Sabbatgebot in jedem Berufe,treu-' lich beachten kann. V -; . ■;-r.= s:l: r::.i Von den zehn Geboten, die am Sinai aus - dem Munde des Schöpfers selbst ertönten, sind neun/zum geistigen Eigenthum der gesammten Kulturvölker geworden. ' Sie bilden die Grundlage aller.Morah die Grenzlinie für jedes.ethische Bestreben.; r Nur ein Gebot stand bisher, losgelöst von den übrigen, unbeachtet im Hintergründe. Aber die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat es gezeigt, daß , .kein göttliches Gebot ungestraft mißachtet werden kann' und ein Staat nach dem andern schickt sich an, durch, seine Gesetzgebung den „Ruhetag" seinen. Bürgern. -zu gut kommen zu lassen. : .. - .: v/ v ./;. Sollten wir Juden unseren „Ruhetag", den nicht vergängliches Menschcnwerk geschaffen,- den der Schöpfer selbst für alle Zeiten festgesetzt hat,: geringer achten?. Sollten wir ihn hintenan setzen, weil angeblich oder wirklich unser wirthschaftliches Fortkommen, dadurch erschwert wird? . . Mögen unsere Reihen sich schließen, .damit^ bald der Tag komme, an dem von jedem Einzelnen-in .Israel das Wort des Propheten gesagt werden kanntivV m bi hjtwo.n» * by