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Der Israelit · 1902-06-02 · Heft 44 (2.6.1902) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 44 (2.6.1902)
Date
1902-06-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Nun erstattete Kollege Rosenstein -Rotenburg das Referat: „Die jüdische Volkslitteratur." Herr Rosenstein entspricht hoffenlich dem vielfach kundgegebenen Wunsche, die Arbeit weiteren Kreisen durch Drucklegung zugängig zu machen. . An der sich anschließenden Generaldebatte betheiligten sich die Herren Dr. Prager, Dr. Cohn und Neuhaus-Guxhagen. In eine Spezialdebatte und Besprechung der Leitsätze trat man nicht ein, einestheils, um den gewonnenen Gesammteindruck nicht zu beeinträchtigen, anderntheils, weil Herr Rofenstein bat, die Leitsätze zurückziehen zu dürfen, weil es bei der Art des Vortrages unmöglich sei, denselben durch Leitsätze genügend zu charakterisiren, und weil er bei Aufstellung derselben nicht dem eigenen Triebe, sondern mehr dem 'Wunsche des Ausschusses und bisher geübtem Brauche gefolgt sei. . Doch mögen hier die Leitsätze mitgetheilt feint : : . : .. , - . 1) Unter jüdischer Volkslitteratur versteht man diejenigen Schriften und litterarischen Kunstwerke, welche aus dem jüdischen Volke hervorgegangen, auf seine Entwickelung von Einfluß gewesen sind und jüdischen Geist und jüdisches Leben wiederspiegeln. '2) Das älteste und beste Volksbuch ist die Bibel. Außer einigen Fabelbüchern sind weitere Volksschriften erst zur Zeit des Mittelalters entstanden. Ihr Inhalt ist zumeist religiös-ethischer Natur. 3) Die seit Beginn des 19. Jahrhunderts veränderten Zeit- und Bildungsverhältnisse machen die Begründung einer neuen Volkslitteratur in zeitgemäßer Sprache und Fassung nothwendig. 4) Das Interesse für jüdische Volksschriften muß wieder geweckt und gepflegt werden. Geeignete Mittel hierzu sind: Jüdische Litteraturvereine, jüdische Schul- und Volksbibliotheken, Lesehallen, sowie Einführung eines geeigneten Kolportagehandels.^ Herr Oppenheim-Treysa erstattete nun den mit einem erheblichen Defizit abschließenden Kassenbericht. worauf -eine Pause eintrat. Nach Wiederaufnahme^der Verathungen erstattet der Vorsitzende Bericht über die Lesebuch-Angelegenheit. Da durch den neuesten Ministerialerlass eine Umwälzung auf diesem Gebiete eintreten wird, so wurde beschlossen, vorläufig eine abwartende Stellung zu nehmen. Die Kommission jedoch soll in ihrer gegenwärtigen' Zusammensetzung fortbestehen und die Arbeiten womöglich recht bald wieder aufnehmen.. In der Angelegenheit der Besoldung des Vorsängerdienstes erhielt der Ausschuß auch in diesem Jahre die Ermächtigung, die nothwendig . erachteten Maßnahmen nach eigenem Ermessen zu ergreifen» Von allen Seiten wird betont, daß die Sache nicht ruhen darf; man möchte nicht immer, wie der Jahresbericht aussührte, wohl die Pflichten auferlegt, aber die Rechte versagt bekommen. - Der Antrag des Ausschusses, die Deckung des Defizits betreffend," wurde zurückgezogen, nachdem in hochherziger Weise Herr Landrabbiner Dr. Prager sich erboten hatte, die Deckung zu übernehmen, ein Anerbieten, das die Versammlung schon aus Verehrung für den Herrn Anerbietenden nicht ablehnen zu dürfen vermeinte und für das der Vorsitzende Herrn Dr. Präger innigen Dank abstattete. ~ Die 35. Jahresversammlung wird am Himmelfahrtstage 1903 in Cassel stattfinden. Referat bezw. Korreferat über die „Verbindung des Unterrichts in der jüdischen Geschichte mit demjenigen in der Weltgeschichte" haben die Kollegen Bachrach-Reichensachsen und Oppenheim-Treysa übernommen. Der Ausschuß, aus den Kollegen Amram-Börken, Oppenheim-Treysa. Rosenstein-Rotenburg. Schwarzschild-Schlüchtern und Spiro-Fulda bestehend, wurde in seiner bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt. - So am Schlüsse der Verhandlungen angekommen, I mochte sich Herr Kreisvorsteher Katzen st ein nicht versagen, der Konferenz und insbesondere dem Ausschüsse wegen des schönen Verlaufes der Versammlung seine Anerkennung auszusprechen. Mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und dem Wunsche eines frohen Wiedersehens in Cassel schloß der Vorsitzende die 34. Jahresversammlung. Ein in schönster Weise verlaufenes Mahl , vereinigte die meisten Konferenzbesucher im Hotel Löwenstein. Den Kaisertoast brachte der Vorsitzende aus. Es sprachen noch Herr R o s e n st e i n auf die Gäste, Herr Dr. Prager auf die Konferenz und ihren Ausschuß, Herr Oppenheim auf die Senioren der Konferenz, die im hohen Alter noch sich den Besuch der Konferenzen nicht nehmen lassen. Die heitere Stimmung, durch die Vorzüglichkeit des Mahles noch gehoben, hielt die Kollegen noch zusammen, bis die Zeit zur Heimreise mahnte und die Teilnehmer auseinander führte. Der Schriftführer: Spiro- Fulda. -

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