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Der Israelit · 1902-06-02 · Heft 44 (2.6.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 44 (2.6.1902)
Date
1902-06-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43» Jahrgang. [ Wissenschaft oder — Gelehrsamkeit. s --- . ’ ' Von r i Rabbiner Dr. Daniel Fink—Wien. i- , : : ~ IV. [ Wenngleich das Judenthum in Folge der auf- - tauchenden neuen Strömungen dahin gedrängt wurde. [ ■ den Bestand seines Glaubens theoretisch einigermaßen J zu umgrenzen, — als eine abgeschlossene Theorie wird [ man die 3 bis 4 abgerissenen Sätze doch wohl nicht be- : zeichnen können — so blieb es nach wie vor. weit davon entfernt, auf diese Dinge das Schwergewicht zu ver-! legen. Das leuchtet schon aus der Formulirung der l betreffenden Sätze hervor. Es heißt nicht: 2"n bxiP1 ctjvrt p niwÄ v'nvn pcx:6 oder etwa bx-.v' ^>2 f .S2n cbwb p^n o’een p mm» owe pcxcn Diese negative Fassung bekundet ganz unzweideutig, daß es hierbei nur darauf ankäm, dem Abfall gegenüber einen Damm zu errichten. Auf das gleiche Ergebnitz läuft es hinaus, wenn wir die auffällige Stellung, welche unsere Mischna einnimmt, in Betracht, ziehen. Ihre Einschaltung hinter den Verbrechen, welche die Todesstraße zur Folge haben, auf Grund der Tosefta Synh. XI, 5; kann, wie alle Erklärer annehmen, keinen andern Sinn haben, als daß auch der Verbrecher, welcher reumüthig die Strafe über sich hat ergehen lassen, des ewigen Lebens^ für theilhaftig erklärt wird. Es ist doch gerade nicht so selbstverständlich, daß diese Leute in ihrem Leben stets ihren Glauben rein und unangetastet behauptet haben? Auch darf der Umstand kein Befremden erregen, weßhalb hier die Theilhaftigkeit am ewigen Leben gerade von gewissen Voraussetzungen abhängig erklärt wurde. Es läge doch eigentlich viel näher, dieselben als Bedingungen der Zugehörigkeit, beziehungsweise des Abfalls vom Judenthuine hinzustellen? Nach der damaligen Lage-der Dinge war die t Einnahme dieses Standpunktes unumgänglich. Denn j! die int Judenthum sich ausbreitende neue religiöse Strömung war weit davon entfernt, als eine Religion der r Liebe — für welche man sie später ausgegeben hat — l aufzutreten. Sie wollte vielmehr eine unfehlbare Ank Weisung zür Erlangung .der Seligkeit des Himmels sbieten. Vergl. Lucas 10, 26. 18, 18 und Johannes \ 4,14. Die Vertreter des Judenthums konnten da nicht \ einfach die Hände müßig in den Schoß legen. I Für die urwüchsige Auffassung des Judenthums ist j vielmehr die Lehre, welche die letzte Mischna des 1. Kap. | ... in Kiduschin aufstellt, echt charakteristische Dort heißt pan nx ^nut’w & p2nxei b pnnib nnx nur» rnwvn Va - v&'b panxo. pxi b panso px mx rra» nen* wx» V» ■ ♦pxrt rx kra v» . Durch jedes Gebot der Thora erwirkt der Mensch ' - : . ' Anspruch auf ein langes, gesegnetes Leben hinieden und auf das ewige Leben im Jenseits, und durch dessen . ' Unterlassung verwirkt er den Anspruch sowohl auf ein langes, gesegnetes Leben im Diesseits, wie auch auf die - Ewigkeit im Jenseits. - ' 7 . ' Im Laufe meiner Darlegungen wird auch der ' .. Nachweis geführt werden, daß sowohl die vorstehende. Mischnah wie die ähnlichen Inhaltes in Peah, Kapitel 1,1 viel älteren Ursprunges sind, als die Hier in Verhandlung stehende aus dem Traktate Synhedrin. Schon dieser Umstand spricht dafür, daß in denselben die eigentliche ursprüngliche jüdische Anschauung zu Worte kommt. Davon abgesehen, läßt die positive und die»dem gegenübergestellte negative Fassung des Gedankens . erkennen, daß es stch in unserem Falle um die eigentliche Bedingung handelt, die nach den religiösen Ueberzeu- - gungen des Judenthums den Anspruch auf ein ewiges Leben erbeziehungsweise verwirken. Diese Lehre steht außerdem auch in ursächlichem Zusammenhänge mit _ unserer gesammten sonstigen religiösen Erkenntnißweise. Wie in dem zweiten Aufsatze auseinandergesetzt worden, erkennen wir keine andere Aeüßerung unserer Ueberzeugungen von den ewigen Angelegenheiten des Lebens an, als solche, die in den von Gott geordneten, religiösen Handlungen dargethan worden. In demselben Maße, als ein Mensch auf solche Art sein irdisches Leben von dem Wellenschlag der Ewigkeit hat durchfluthen lassen, in gleichem Maße ist er seiner ureigentlichen Natur nach auch geeignet, an den Gnaden der Ewigkeit theilzunehmen. Die Klarheit, mit welcher diese Grundsätze in allen hier in Betracht kommenden Fragen durchgeführt, wurden, . läßt erkennen, wie unsere Weisen trotz aller gegensätzlichen Zusammenstöße von den ewigen Grundlagen des Judenthums sich auch nicht um Haaresbreite haben abdrängen lassen. Handelte es sich beispielsweise darum, die Voraussetzungen festzuftellen, - unter welchen ein israelitischer Fürst auf die Vorrechte seines Standes Anspruch erheben darf, so war das Kennzeichen dafür nicht etwa die Ablegung eines äußerlichen Glaubensbekenntnisses, sondern sein praktisches. ' Verhalten kam ausschließlich in Betracht, "r»to ntn Tt# in» nm xvip pb. Tv*2 (Mechilta zu II. - B. M. 12, 27 und Jebamoth 22 b). Ebenso wird die Vethätigung der letzten Liebespflichten selbst unter Außerachtlassung der dem Priester heiligen Reinheitsgesetze nur von dem Zutreffen der obigen Bedingung abhängig gemacht. (Sifra zu 2. B. M., 21,. 4.)- -

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