Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 44 (2.6.1902)
- Date
- 1902-06-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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tuirten und die Männer zum Elend verdammen. Ferner üben die englischen Armengesetze eine Anziehungskraft auf die fremden Juden aus. Auch die in. England existirenden 79 Zionistenvereine locken die fremden Juden nach England. Endlich gibt es in England vermutlich eine Organisation, welche billige Arbeitskräfte aus Rußland nach England zu importiren sucht. Zum Beweis für letztere Behauptung produzirte Mr. White eine angeblich im Auslande gedruckte Jargonzeitung „Haschulamith" vor, in welcher jüdische Bauarbeiter für London gesucht werden. Das Taschenspielerkunststück wurde aber von der den Aussagen Mr. White mißtrauisch gegenüberstehenden Kommission durchschaut und der Zeuge auf frischer That als Betrüger ertappt. Es stellte sich nämlich heraus, daß Mr. White dasselbe Inserat aus demselben Jargonblatte schon der 1888 gebildeten Kommission vorgelesen hatte, daß das Blatt aber in London gedruckt war und daß das Inserat von den Regierungslieferanten Messers Hibbert, die schon seit 1868 fremde jüdische Arbeiter beschäftigt, in die Zeitung gesetzt wurde. Mit dem Zeugniß Mr. White's haben die Antialienisten völlig ihre Karten verrathen. Ihr Wortführer. der zwei volle Tage hindurch die Kommission beschäftigt hatte, hat während der ganzen Zeit nicht von den Fremden, sondern nur den Juden gesprochen, und damit aller Welt gezeigt, daß die Fremdenfeinde keine ehrlichen und muthigen Antialienisten, sondern feige Antisemiten sind. In dem Kreuzverhör, dem Mr. White in der Sitzung vom 3. Mai unterworfen wurde, wurde das Zeugniß dieses Gentelman auf seinen wahren Werth reduzirt; dasselbe wird durch die Vernehmung der noch ausstehenden Zeugen, von denen man weiß, daß sie der Fremdeneinwanderung sehr freundlich gegenüberstehen, noch weiter abgeschwächt und in ihr Gegentheil umgewandelt werden. . F e u 111 e t 0 w. Erzählung von Bavette Fried, Frag. 12h ." , ■ - - . , Neber die furchigen Züge Frau Evas flog auf einen Moment ein sonniges Lächeln, dann überkam sie wieder etwas von ihrer alten Kraft und Energie; sie unterdrückte muthig die aufkeimende Rührung und sagte fast strengen Tones: '7"'7""/ . „Gut. mein Kind, das hoffe ich auch. Aber heute ist es der Aufregung genug für Dich. Du gehst zu Bette und ruhst aus. Wir aber fahren nach Hause. Auf vier Uhr habe ich das Fuhrwerk bestellt , und so spät dürfte es schon sein. Also schlaf wohl, mein Junge. Morgen, so Gott will, kommen unsere Gaste allein zu Dir, in der Brennerei wird eingemckischt, ich muß dabei sein, die Leute sind unvcrläßlich." IX. - ’ - Reb Schlomr Teinitz war nach einer Anwesenheit von acht Tagen von dem Gute der Frau Goldberg abgereist und nach Hause zurückgekehrt, seine Tochter in deren Obhut zurücklaffend. Gern wäre er noch länger geblieben, aber dies ging nicht gut an, er durfte ja seiner Gemeinde nicht zeigen, daß er auf die Dauer entbehrlich sei. Genug, daß er wußte, daß die beiden jungen Leutchen ein Brautpaar feien/^-7 \ - Da Pinchas noch im Krankenhaus weilte, so wurde von jeder formellen Verlobung abgesehen, welche denn gleichzeitig mit dem Genesungsfest des Bräutigams gefeiert werden sollte, wenn auch in Abwesenheit des Teinitz'schen Ehepaares, welches erst zur Hochzeit zu kommen versprach.; 7.- 7:;7 * - Bei dem Kranken hatte die Anwesenheitseiner Verlobten Wunder bewirkt. Er genaß rasch und erholte sich zusehends. Seine Kräfte kamen wieder, und noch im Laufe des Winters wurde Pinchas ausdem Spitale, gleichzeitig aber auch aus dem Militärdienste entlassen. Die Aerzte hatten dem Genesenen - eine längere Erholungsreise verordnet. Als Ziel derselben _ wählte er die alte Schlesierstadt, woselbst er seinen Vater aufsuchen wollte. Es war nicht leicht. Näheres über Leopolds -Vater zu erfahren. Denn studirt hatte er; weder an einer der dort bestehenden Lehranstalten, noch , hatte er irgend welchen Privatunterricht genommen, beides ließ sich feststellen. Seine in Breslau lebenden Verwandten waren schon alt und konnten sich nur schwer des Vetters Leibele erinnern, welcher vor langer Zeit ihre'Gastfreundschaft in Anspruch nahm/ V Pinchas stellte sich als Sohn jenes'Tetekaüer vor, und die alten Leute versprachen, ihm behilflich zu sein zur Auffindung seines Vaters.-7-; ^: 7^;;' Nach langem Forschen und Aufwendung großer Geldopfer war es Pinchas gelungen, den Ort ausfindig zu machen, woselbst sein Vater seine letzte Lebenszeit verbrachte. Zu einem Akiba hatte Leopold, wie Frau Eva dereinst zu ihrer verstorbenen Tochter richtig bemerkt hatte, nicht das Zeug in sich, und da er zu geistigen Ausbildungen weder Lust noch Talent hatte, griff er zu seinem früheren Metier, und nahm die Stelle eines Werkführers in einer größern Spiritusbrennerei an, die ihn wohl nährte, aber, durch seinen unregelmäßigen . Lebenswandel begünstigt, seine Kräfte gänzlich untergrub, so daß er bald darauf gestorben war.- Mehr konnte Pinchas nicht, erfahren, - Ein Branntweinbrenner ist bei seiner Herrschaft und Umgebung keine solch' wichtige Persönlichkeit, als daß man