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Der Israelit · 1902-05-28 · Heft 43 (28.5.1902) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 43 (28.5.1902)
Date
1902-05-28
Page
– (sequence 18)
Language
German
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918 Uiv Man hört so viel von Studentenstreichen. Sie sind nicht immer sonderlich geistreich und originell, auch entsprechen sie oft. nicht den bürgerlichen Begriffen von - Recht und Billigkeit, aber man verzeiht der Jugend gerne einen tollen Streich, denn sie will austoben und hat eben keine Tugend. Auch die Bocherim, die in früheren Zeiten zu Füßen eines gelehrten Rabbi in einer berühmten Jeschiba Talmud und alles, was drum und dran hängt, studirten, verübten manchen tollen Streich, denn auch die Bocherim waren jung und wollten austoben. Zwar Trinkgelage und Mensuren kannten sie nicht, dazu ermunterte das Studium, dem sie oblagen, durchaus nicht; Beides würden sie als Gojim-Naches verschmäht haben. Aber einen listigen Streich zu verüben, waren sie immer bereit. Der Schammes der Gemeinde L. hatte die Bocherim oft geärgert; das wollten sie ihm gern vergelten, und zwar gründlich. Reb Moische sollte einmal reinge- . legt werden, und da es ein sehr einfältiger Mensch war, glaubten die jungen Talmudstudenten, daß ihnen das schon gelingen werde. Die Frage war nur, was man ihm für einen Tort anthun sollte. Endlich rief ein Bocher aus: ' „Kinder, ich hab's!" - „Was? Wie?" riefen Alle. . „Reb Moische ist ein solcher Schaute, daß inan ihm Alles einreden kann. Wenn Ihr Alles thut, was ich Euch sagen werde, und Ihr Euch nicht durch Lachen verrathet, dann sollt Ihr sehen, da gibt es einen Hauptspaß. Heute ist Donnerstag. Sonntag Vormittag, wenn er auf's Dorf geht, wollen wir loslegen. Vis dahin müssen wir uns ordentlich einüben, damit Keiner aus der Rolle fällt." Der Bocher entwickelte nun den gespannt aufhorchenden Kameraden seinen Plan und Alle stimmten freudig zur Ausführung ein. ' Als am Sonntag Vormittag Reb Moische seine Pflicht als Schammes beim Morgengebet mit Würde und Dunimheit erledigt hatte und jetzt wohlgemuth seinem Geschäfte als „Dorfpeies" oblag, unterivegs berechnend, wie viel er für die Hasenfelle dem Einen und wie viel dem Andern geben solle, wurde er plötzlich von einem ihm entgegenkommenden Bocher begrüßt. ■ „Guten Morgen, Reb Moische!" rief dieser. V „GLt Johr!" . „Sie gehen heute auf's Dorf? Schöner Tag, nun ' . ja, man muß verdienen. Aber an Eurer stelle würde ich heute nicht auf's Dorf gehen. Ihr seht ein bischen krank aus. Fehlt Ihnen was?" „Nein, mir fehlt nichts, ich bin borche schein gesund wie'n Fisch ini Wasser, unbeschrippen." „Unbeschrippen! Desto besser, Reb Moische. Geht bescholem!" Der Bachnr ging nach der Stadt und Reb Moische setzte seinen Weg fort. Nach einer Weile begegnete ihm ein anderer Bocher. Auch dieser begann: „Reb Moische, Euer Ponim gefällt mir nicht, gar nicht. Was fehlt Euch denn?" „Nichts. Ich habe mir mit der Kaul Schabbes eppes den Mögen verdorben." „Wenn's weiter nichts ist, dann ist es nicht so schlimm. Nach Eurem Aussehen hätU ich gemeint, Ihr habt wenigstens ein schweres Leiden. Aber ich werde doch lieber bis in's Dorf mit Euch gehen, damit Euch unterwegs nichts paffirt." Reb Moische hatte inzwischen schon Angst bekommen und nahm die Begleitung dankbar an. Er begann ' sich auch wirklich unbehaglich zu fühlen, umsomehr, als der ihn begleitende Bachur ihn öfters mitleidig ansah und ihm die erst nicht vorhandenen, später durch die Suggestion und die wiederholten Fragen, ob er nicht doch lieber umkehren möchte, und die zunehmende Angst, wirklich hervorgerufenen Schweißtropfen abwischte. Und nun kam ein anderer Bocher, prallte beim Anblick Reb Moisches zurück und rief: „Sch'ma Jisreol, Reb Moische, machen Sie, daß Sie nach Hause kommen. Sie holen sich den Tod!" Reb Moische, durch diese übereinstimmenden Reden und Ermahnungen sehr ängstlich geworden, wäre gerne heimgekehrt, aber noch reizte ihn die Aussicht auf die Hasenfelle. Er erwiederte daher,'das Dorf sei doch jetzt nicht mehr weit, er werde sich sputen, und wenn er nach Hause komme, sich etwas Kaffee kochen lassen. „Es ist mir bald kalt, bald warm, im Mögen ist es mir auch nicht recht. Aber Schmerzen Hab' ich nicht." „Das gerade ist das° Gefährliche. Reb Moische. Keine Schmerzen bei so 'nem Ponim und solchem Zustand. Ich lasse Euch keinen Schritt weiter gehen. Ich würde mir Vorkommen wie'n Mörder." Damit packte er ihn beim Arm, rief dem andern Bachur zu, Reb Moische derb anzufassen, und ließ ihn nolens volens Kehrt machen. - , - Reb Moische fügte sich nun schon ganz bereitwillig in den Zwang. Auf dem Heimwege begegneten ihnen .

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