Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 43 (28.5.1902)
- Date
- 1902-05-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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i;; I! i h!!' 1 | 5 z »■ t. Mühsam öffnete er die Augen, welche noch immer mit dem Schlafe kämpften. Ueber ihn gebeugt stand diejenige, an die er während seiner ganzen langen Krankheit mit unbezwinglicher Sehnsucht gedacht hatte — seine Sophie. Thränen umflorten ihre schönen, blauen Augen, als sie die bleiche Gestalt ihres Jugendfreundes betrachtete. So lange sie ihn schlafend wähnte, überschüttete sie den heimlich Geliebten mit ihren Küssen, ohne auf die Gegenwart so vieler fremden Zeugen zu achten, doch als er die Augen öffnete, erschrak sie, wie eine bei einem.schweren Verbrechen Ertappte. „Dank, Dank Dir, daß Du gekommen bist," hauchte Pinchas mit schwacher Stimme, „daß Du die letzte Bitte eines Sterbenden erfüllt hast." „Sprich nichts so Trauriges, mein armer Freund. Du irrst, denn Du wirst leben, wirst gesunden, wirst glücklich werden." Traurig schüttelte Pinchas sein Haupt. „Glücklich? Nein, das kann ich niemals werden, selbst wenn ich leben bleibe und gesunde. Für mich gibt es nur ein einziges Glück, das aber zu groß ist. als daß es von mir zu erreichen wäre." „Kein Glück liegt, zu hoch, als daß es für einen festen Willen unerreichbar wäre." Sophie bebte vor innerer Erregung. Sie wußte ja, was der Kranke meinte, sie hätte ihm ja so gerne zugejubelt: „Das Glück, was Du ersehnst, da besitzest Du ja vollauf, ich liebe Dich ja aus vollstem Herzen, sei nur nicht so schüchtern und habe nur Muth zu fragen, siehst Du denn nicht, daß ich darauf warte?" Laut sagte sie: „Was Dir als unerreichbar scheint, ist Dir vielleicht näher, als Du glaubst, ist vielleicht ganz bei.Dir," . ..< — „Ja, so ist es," nickte der Kranke voll innerer Befriedigung. „Du bist bei mir und bleibst da die kurze Zeit, die mir noch vergönnt ist, an Deinem Anblick mich zu freuen," Sophie.kämpfte mühsam mit den ausbrechenden Thronen. „Sprich nicht so, lieber Pinchas. Du thust mir mit diesen Worten webe, mehr, als Du ahnen kannst: ich habe die weite Reise zu Dir gemacht, in der Absicht, zu Deiner Genesung beizutragen, und Du verzögerst jetzt selber mit solch'düsteren Gedanken und Gesprächen Deine Genesung und vereitelst unser Bestreben. Mit welch' schwerem Herzen wird mein Vater uns verlassen, . wenn er Dich in solch' verzweifelter Stimmung zurücklassen muß?" ' „Tein Vater, ist er denn auch hier? Und warum kam er nicht zu mir?" - „Ja. lieber Pinchas, konntest Du denn glauben, ^aß er mich allein reisen läßt, und dann wollte er. Dich?a auch Wiedersehen und sich persönlich von Deinem Befinden überzeugen. Er wartet draußen auf dem Gange mit Deiner gütigen Großmutter des. Augenblickes^bis.^?/- ich ihn hereinrufen werde." . Bei der Erwähnung seinerGroßmütter^ perschwand der heitere Ausdruck aus den Zügen ^deß'?7Z Kranken, feine Stirne faltete sich. r V-• Sophie bemerkte wohl die 'Veränderung. - welche; mit ihrem Freunde vorgefallen war, hütete sich 'gber,-/,^ 7 >. ihn um Aufklärung darüber zu fragen. Eigentlich??-" hatte sie es nicht nothwendig, denn Frau Eva,' welche V. . das liebliche Mädchen sogleich in's Herz geschloffen ----- hatte, machte ihr kein Hehl daraus, welche. Wandlung . ' sich in dem Benehmen ihres Enkels vollzogen hatte: u Von dem Momente an, wo sie ihn als Sohn ihres ein-?:^'^ zigen Kindes erkannt, nachdem sie von ihm Näheres, über den Schekel und mithin feine Abkunft erfahren J hatte, von diesem Augenblicke an war er nicht mehr-wie . früher; er stritt mit seinen Gefühlen;, sie glaubte,, als. er Kenntniß davon erhielt, daß . sie seine Großmutter, er -r würde ihr nunmehr rückhaltlose Liebe enigegenbringen?:;^ Dem war aber nicht so. Ein Schatten ftanfc.' jetzt zwischen ihnen — seine arme, verlassene, im Elendmm- 7 ("i gekommene Mutier. Verdenken könnte ' sie. ihm.-dies. ) im Grunde genommen auch nicht; im Gegentheil, erstieg .7) in ihrer Achtung dadurch, daß er den Tod seiner ihm unbekannten Mutter nicht gleichgiltig hinnahm,'sondern tief betrauerte, und dessen vermeintliche Urheberin dessentwillen nicht lieben konnte. Aber weh that es ihr dennoch, ungemein weh! Alle ihre schönen Zukunfis- ' träume scheiterten an dem Gemüthszustande des junaen. Mannes. ';" '' i Die letzte Hoffnung aus eine Sinnesänoerüng?. ihres Enkels setzte die Matrone auf den Einfluß, wel-> rchen Sophie auf ihren einstigen Jugendfreund äüsübte.;V# Frau Eva erkannte sofort, daß die leidenschaftliche Zu- Neigung^ welche ihr Enkel für das junge Mädchen hegte, -' von diesem erwiedert wurde. , ' Sophie rechtfertigte auch das Vertrauen,: welches? die alte Frau in sie setztet - -k. *•/'/ „Ei, Pinchas," begann sie schlau, ^Du scheinst Dich' '^ wenig auf den Besuch meines Vaters zu freuen, weil Dg^ . bei Erwähnung von ihm so ärgerlich geworden bist." - >. ' „Auf Deinen Vater mich nicht freuen?:. Wie kannst-« Du nur so was glauben? Wurdeer doch ., der. meine,- - > nachdem mein leiblicher Vater von meiner Mutter weg?" gerissen wurde und einem grausamen Vorürtheile - zu - Liebe in die weite Fremde getrieben .worden. - Laß mich : aber erst gesund werden, SopAe, -und ich.durchwandere.'^'^ die Welt, um ihn' ausfindig zu machen."' .MuMger)-' -- Entschluß sprühte aus PmchciI. Äugen.' „So ist es recht, Pincha^^ sochore-lchH^KrE'"-'''.'. sprechen. - Deine Gesundheit wieder 'zu erlaNgyi^HluMA, jetzt Dein Hauptbestreben sein.rüjn' Heinen Vater au^zü-. : finden und auch mir' und Deiner ' Denn wir beide sind jetzt EinR tzeworden^jEinKiimder-?;-»^ Liebe zu-Dir/--Dü'ündankbckrer JüUge? Hine Belei-