Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 43 (28.5.1902)
- Date
- 1902-05-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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4$. Hajrgattg. Ein - das orLHodoIe / Begründet von - . Dr. in Mittwoch, de« S». Mat 5662 (1902), Für abonnirt man bei allen Postcmstalten für den Monat <H4 auf ben ,^LssQsUL". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem bei treffenden LandbriestrSger anfgegeben werden. X~ZT Die Briefträger sind berechtigt, den AbonnementS-Bettag in den ersten 25 Tagen deS Monats gegen Quittung in Empfang zu vchmen. Ausland entsprechend höher. „Einheit macht stark", das ist ein Sah, der nirgends mehr beherzigt werden müßte, als innerhalb des Judenthums, das stets nach allen Seiten von den schlimmsten Feinden bedroht war. In neuer Zeit sind zu den alten Feinden neue Mächte erstanden, die den Bestand des Judenthums, wie aller Religion überhaupt, bedrohen: die neuen Formen des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Lebens, und ihr Produkt ist der religiöse Jndifferentismus, der täglich an Ausdehnung und Macht gewinnt. In der Bekämpfung des religiösen Jndifferentismus gehen nun die Methoden der Orthodoxie und der Reform auseinander; die Reform behauptet: der Sieg über den religiösen Jndifferentismus könne nur durch Konzessionen an den sogenannten Geist der Neuzeit errungen werden, durch Abänderung des Alten im Sinne der-Kritik des modernen Geistes. Die Orthodoxie steht dieser Methode absolut feindlich gegenüber: sie hält ste nicht nur für falsch und unzweckmäßig, sondern auch für sündhaft und verbrecherisch, ja sie geht so weit, daß sie selbst die Aufrichtigkeit derer bezweifelt, die diese sündhafte Methode predigen. / ,V; . -; V ' Hier sei von der religiösen Berechtigung des sogen, kritischen Standpunktes ganz abgesehen, nur > auf das Eine hingewiesen: Iede Abänderung.; ist eine THeilung, und jede THeilung ist eine Schwächung. ... . Einheit macht, stark!- .... : -.v ' Am wenigsten Rücksicht auf den hohen Werth der Einheit scheint die Reform bei. der Lösung der sogen. G e b e t b u ch f r a g e genommen zu haben. Währende die. ■ geschichtliche Entwickelung des Gebetbuchs der , Synagoge in wunderbarer Weise 'stets .zur Einhett'geÄ" drängt hat und in der That eine Einheit erzeugt hat, die die synagogale Andacht zu einem neuen festen Bande um die zersplitterten und zerstreuten Glieder 7 Israels gestaltete, hat die Reform ohne viel Bedenken dieses herrliche Einheitsband in eine ganz erkleckliche Anzahl von Stücken zerrissen. Der Individualismus der Reform hat den Zwiespalt nicht nur in die einzelnen Gemeinden gestreut und die Mitglieder einer Gemeinde in zwei Lager getheilt, sondern sie hat auch in das Gesammtjudenthum die Zerrissenheit hineingetragen, das . eigene Lager der Reform ist in viele Theile zerstückelt,, die verschiedenen Reformgemeinden haben nicht, wie die verschiedenen Gemeinden der Orthodoxie, ein Gebetbuch, jede Reform-Synagoge hat ihr eigenes Gebetbuch, möchte wenigstens ihr eigenes haben, es . ist der Stolz einer Reform-Gemeinde, ihr eigenes Gebetbuch zu haben — — die Reform ist der schlimmste Feind der Einheit! — . - r , Wenn wir uns fragen, was hat die Reform Mit ihren Gebetbuchfabriken erreicht, sv ist die Antwort rasch gegeben, leere Synagogen, verminderte Andacht, und den Fluch der Lächerlichkeit, der sich an viele dieser. Machwerke heftet, ja, in Westfalen war das neue Gebetbuch der Geist, der das Böse wollte ». Gute schaffte, indem es als Hebel für den mächtig aufblühenden Verein zur Wahrung religiöser Interessen wirkte. - . .