Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 37 (7.5.1902)
- Date
- 1902-05-07
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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- Hrodna 1× ep/1044655
- Kaunas 1× ep/1000678
- Minsk 1× ep/1000754
- Vilnius 1× ep/1000947
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SIS „St. Petersburgskija Wjed'omosti" hat tiefer geschaut und einen Anlauf genommen, die vorliegneden Zahlen in einem für die Juden günstigen Sinne zu gruppiren. In der Wirklichkeit haben nicht 10,390, sondern, alles in allem 1650 gefehlt. Es sind das nicht 18,74 pCt., sondern nur 2.97 pCt., während der Prozentsatz der zur Stellung nichterschienenen Nichtjuden 2.76 betrug. Aber selbst dieses geringe Plus von 1/6 pCt. bei den Juden läßt sich wahrscheinlich auf die stärkere Auswanderung bei den Juden zurückführen, bei welcher bekanntlich die jüngeren arbeitsfähigen Jahrgänge stärker als die älteren vertreten sind. Der Rest der. zur Einberufung nicht erschienenen militärpflichtigenJuden besteht aus in den Matrikelbüchern nicht gestrichenen Personen/welche von der Militärbehörde vergebens zur Erfüllung ihrer Militärpflicht aufgerufen wurden. Die russischen Tschinowniks können gut Geister zitiren, allein — sie kommen nicht. Was die nach dem offiziellen Bericht angeblich fehlenden 1320 Soldaten anbelangt, so wollen wir darüber nicht viel Worte verlieren. Nicht 1320 Soldaten : zuwenig, sondern 3481 Soldaten zuviel haben die russischen Juden dem Heere zugeführt. Nur war das den unersättlichen Behörden noch immer nicht genug, sie forderten noch weiter 1320 Soldaten von ihnen und dieses Mehr konnten die armen Juden nicht mehr stellen. Es gab eben bei ihnen keine, wehrfähigen Männer mehr. Zur besseren Jllustrirung des auf den Juden Rußlands schwer lastenden militärischen Druckes wollen wir die Leistungen der nordwest-russischen Juden in den sechs Gouvernements Wilna, Minsk, Grodno, Kowno, Witebsk und Mohilew näher detailiren. Dieselben sollten'nach der Ansicht der Behörden pro 100,000 Einwohner nicht weniger als 3283,54 junge Männer im Alter von 21 Jahren haben, während ihre mit ihnen unter demselben Klima und unter den gleichen sozialen, politischen und hygienischen Verhältnissen lebenden christlichen Mitbürger nur 897,40 gleichaltrige Männer hatten.' Diese 6446 „tobte Seelen" hätten von Rechtswegen ganz fehlen sollen. Wenn aber selbst nach den eigenen Angaben der Behörden im Ganzen nur 4962 nicht erschienen sind, so weist das auf eine seit 1881 erfolgte Verschiebung des Verhältnisses der jüdischen Seelenzahl zu der nichtjüdischen hin. Wenn aber die Seelenzahl der Juden Nordwest-Rußlands auch einen relativen Rückgang erfahren hatte und die Zahl der vor 21 Jahren geborenen jüdischen Knaben in der That stärker war, als sie nach den Ergebnissen der 1897 erfolgten Volkszählung hätte sein müssen, sie kann doch das unglaubliche Plus von 6446 Militärpflichtigen hei den Juden nicht erklären. Die Behörden haben eben längst verstorbene oder ausgewanderte Personen zur Erfüllung ihrer Militärpflicht einberufen wollen. Dadurch, sowie durch die enorme Steigerung der von den registrirten militärpflichtigen Personen zu entnehmenden Rekruten um 28,59 pro Mille gegen die der" Christen ist die Zahl der jüdischen Soldaten auf 20,21 pCt. der gesammten in den sechs Gouvernements auszuhebenden Soldatenzahl gestiegen. Um solcher Anforderungen genügen zu können, hätten die Juden nicht 13,92 pCt. der Bevölkerung, sondern eben 20,21 pCt. bilden müssen. Sie müßten nicht 1,41 Mill., sondern 2,05 Million zählen. Bei ihrer gegenwärtigen von der wissenschaftlichen Statistik festgestellten Seelenzahk haben sie alle ihre Kräfte anspannen müssen, um die ihnen ausgebürdete Lberhohe Blutsteuer zu zahlen. Sie haben nun statt 3,802, mit Aufbietung ihrer letzten Kraft 6,317, d. h. 1614 Soldaten zuviel aufgebracht und mußten den Rest der unerhörten Mehrforderung mit 640 Soldaten schuldig bleiben. Für diese „fehlenden" Soldaten werden sie — nach dem für die Juden Rußlands bestehenden schimpflichen Ausnahmegesetze — für jeden Soldaten 300 Rubel, also zusammen 192,000. Rubel, Geldstrafe zahlen müssen.*) Genau so wie in Nordwestrußland verhält es sich mit der Rekrutirung unter den Juden des übrigen europäischen Rußlands. Sie konnten die ihnen von ihren Feinden, den antisemitisch durchseuchten Tschinowniks, auferlegte Blutsteuer bei aller Mühe nur teilweise leisten und werden für den schuldig gebliebenen Rest eine schimpfliche Strafe zahlen müssen. Im Ganzen haben die Juden Rußlands im Jahre' 1901 ihrer Militärpflicht vollauf genügt, haben darüber hinaus 3480 Soldaten zuviel gestellt und werden für 1320 noch „fehlende" Soldaten etwa 800,000 Mk. Strafe zahlen. Nach alldem werden sie von den Behörden beim Kaiser noch wegen Militärentziehung v e rk l a g t. Die russ. Juden sind in der That im Golus! *) Diese, sowie einige andere im Text _... idjen von den in Tabelle n gemachten Anga! anfaesübrten Zahlen agaoeir ab. Bei den Berechnungen m der Tabelle gingen wir von den für das gesammte europäische Rußland gefundenen Durchschnittszahlen aus. Dieselben sind icdoch nur infolge der stärkeren Belastung der Juden so hoch, weshalb wir bei der Berechnung der Leistungen der einzelnen Landergebicte. um die ganze Benachtheiligung der Juden zu Gunsten der nichtjüdischen Bevölkerung zu beweis«!. die Leistungen der Juden, lediglich mit den der DHauubcit verglichen haben. Die Berechnungen im Text sind daher nicht wie in Tabelle n, von Hundert, sondern aus Hundert. Central- Nordii. Ostrußland Gouvernement Petersburg. . Ostsee-Provinzen . . SüdruUand . . . Südwestrußland . Nordwestrusland. . Königreich Polen. .... Gelammtes enroy. Rußland SrUttarpflichlig« zuviel, reip. Nicht- Juden: Juden: Es haben sich Militärpflichtige zuviel, IlSoldate« zuviel, resp. zu wenig gestellt: || resp. iu wenig gefordert: + 8 792 — 10003 - 1481 - 4579 + 5202 — 3608--1863 -82001+82971 Nach Lrrechmmg der KehSrden: Nach mi lerer Krrechuüug: | Nicht- Juden: Inden: Nicht- Juden: - Juden: * — 13242 — 34 — 4456 — 473 - 344 - 13 — 10407 — 84 — 663 — 171 — 2144 — 291 -1936 - 449 — 6515 -1549 — 5924 — 2149 — 722 + 980 L —3988 — 4952 — 6543 + 79 3 —3315 — 2622 — 6921 -755 7i- 29412 -10390 -37702 — 2093t Ivon den Nicht- > Juden: von den Juden: Soldaten zuviel» resp. r» wenig, wirklich aufgehoben: Nach Sericht der SehSrden: Nach mr Irrer Serrchmmg: von den Nicht- Juden: von den Juden: von den Nicht- Judcn: von den Juden: + 888 3094 1083 -576 -2615 -308 — 38 -1596 — — 11 — 27 - 182 1598 2101 1237 4615 — Ö42 — 1 — 1 — 15 -120, — 1 — 33 — 813 — 44| + 216 12—3095 —34 — 13 — 373 — 204 — 1084 — 591 + 2495 — 610 —309 — 71 -13201-2409 —141 -23 — 61 — 202 + 1225 --1464 - -1035 -3293