Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 37 (7.5.1902)
- Date
- 1902-05-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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43* Jahrgaüg. M SV. Ei» - 7, , '; ' §e»fraf-§rgcm fßt&ts oityoboxe IudenLhum. '-. ’:v^;;;V v ... , : . Begründet^on-'. / - v ... : l>r. ITsIjtnmmin ist,aittf. : Mittwoch, den 7; Mai SSSS (1902). Sefirotz-Detrachtungen. Don Siegfrie- Bote. Mit dem Eintritt des Monats Jjar hält die jüdische Gemeinschaft Halbtrauer mit Unterbrechung eines . einzigen Tages bis zum 3. Monate Siwan. Diese Trauerzeit wurde besonders in den Rheingegenden mit wehmürhigem Gefühle gehalten. Haben doch in diesen Landschaften vor 7 bis 8 Jahrhunderten ganze Gemeinden, viele Männer und Frauen, ihr Leben eingebüßt vNN npnp by timyrasB& weil sie während^ber" harten Verfolgungszeit der Kreuzzüge treu zum Judenthume hielten, lieber den Tod als den Abfall wählten. Q'iV „Gesegnet sei Der, der die'Zeiten ändert," rufen die Nachkommen dieser Helden froh und dankerfüllt aus; denn das zwanzigste Jahrhundert läßt jeden nach seiner Facon selig werden.. Blicken wir uns heute in den rheinischen Landen um, dann gewahren wir, daß der Verfall im jüdischen Gemeindeleben, wie er in benachbarten Gegenden hervorgetreten, hier nicht oder selten vorkommt. Wir besitzen vierzehn Rabbiner, ein nach traditionellen. Prinzipien geleitetes Seminar, einen Gemeindeverband, eine ganze Anzahl alter Chewraus und junger Litteraturvereine. Trotz alledem wird offen zugestanden, daß in vielen Gemeinden die nothwendigen Gemeinde-Institutionen entweder nicht mehr vorhanden sind oder in gesetzeswidrigem Zustande sich befinden. Ferner zeigt sich hier, wie in den übrigen Provinzen, die Thatsache. daß die städtischen Gemeinden jährlich kräftiger und größer, die Landgemeinden von Jahr zu Jahr kleiner und leistungsunfähiger werden. Viele dieser progressiv kleiner werdenden Gemeinden sind schon heute nicht mehr in der Lage, aus eigenen Mitteln die Kosten der jüdischen Gemeindeeinrichtungen (Schule, Synagoge, Badehaus, Schechitah, Friedhof) zu bestreiten. In Folge dessen sind viele jüdische Kinder ohne Religionsunterricht, eine Anzahl Synagogen, Badehauser und Friedhöfe' im Verfall begriffen, viele Schochtimseit Jahren ohne Beaufsichtigung. Während der rheinische Provinzial-Verbänd sich nur um die allgemein jüdischen Fragen bekümmert, hat der im Januar d. I. zu Euskirchen gegründete „Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands" es sich zur Aufgabe gemacht, alle diejenigen jüdischen Gemeinden Rheinlands zu sammeln, die noch treu zum gesetzestreuen Judenthume halten. Mit vereinten Kräften soll erstrebt werden, was " die einzelne Landgemeinde nicht kann; hier muß für Anstellung eines Lehrers, dort für Reparatur einer MikwöA hin für Beschaffüng von Koscher-Fleisch, dort für" Restaurirung eines Friedhofes gesorgt werden. Die rheinischen Rabbiner sorgen nun mit vereinzelten Ausnahmen für ihre städtische Gemeinde, der Provinziäl- Verband erstrebt im günstigsten Falle einen regulär funktiönirenden Verwältungsappärat, das spezifisch Jüdische erst in zweiter oder dritter Reihe stellend. Wer aber kümmert sich um die eigentlich jüdischen Gesehesaufgaben? . -piän im n*ro» vbs wr 22^2. „Sie alle werden selbst einen Bund stiften, um Deinen Willen mit ganzem Herzen zu erfüllen." Wird aber dieser orthodoxe Bund nicht Uneinigkeit stiften, wird er nicht die wohlgeordnete'Organisation des Gemeindebundes und des Provinziälausschusses des Lehrervereines und des Rabbmerverbandes stören oder erschweren? Mit diesem Bedenken haben schon etliche Gemeinden und Jechidim, die sonst gefttzestreu wirken und leben, sich abseits der guten Bc»revungen. gestellt und durch diese'Neutralität unserer alten, guten Sache geschadet. Die Sefirohzeit an sich aber gibt diesen Unentschlossenen, Wankelmüthigen doch die. Lehre, daß mit Peßach die Befreiung des . jüdischen Volkes nicht erreicht, sondern erst begonnen wurde. Mit anderen Worten, „nicht die m a t e r i e l l e Hebung der Judenheit darf unser Endziel sein, sondern die G e w i n n u n g der I u d e n h e i t für's Judenthum."- '