Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 57 (17.7.1902)
- Date
- 1902-07-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449847--56299-2518558- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Homer 1× ep/1025156
OCR text
für das orthodoxe Br. fejman« in ltaini. Doirrreryag, de« 17. Jrrli (1SV2> ' In nner bekannten Stelle hat Maraulay den Eindruck beschrieben, den auf seine Einbildungskraft das Alter jener Kirche gemacht hat, die, Dynastien und Weltreiche überlebend, den Geist zurücktragt zu einer Zeit, in welcher der Opferrauch vom Pantheon äufstieg und Leopard und Tiger im römischen Amphitheater sich Zerfleischten. Und doch bestehen unter uns noch Gebräuche, in ununterbrochener Folge vom Väter auf den Sohn überliefert, welche auf eine noch entferntere Vergangenheit zurückweisen. Jedes Fahr bringt einen Tag. an welchem in jedem Lande Männer ihre Familien um sich sammeln, und, angethan wie zur Reise, ein schnell bereitetes festliches Mahl effen. Bevor die Mauern Roms gebaut waren, bevor Homer sang, wurde dieses Fest gefeiert, und das Ereigniß, auf welches es hinweist, war schon damals Jahrhunderte alt. Dieses Ereignis bezeichnet den Eintritt eines in vieler Beziehung merkwürdigen Volkes auf den Schauplatz der Geschichte, eines Volkes, das nie ein großes Reich gegründet, das nie eine große Weltstadt gebaut hat, und doch auf einen großen Theil der Menschheit einen mächtigen und beständigen Einfluß ausübte; eine Volkes, das 2000 Jahre ohne Land und ohne organistrte Nationalität, dennoch seine Eigenart und seinen Glauben durch allen Wechsel der Zeit und des Geschickes bewahrt hat. Dieses Volk wurde vernichtet, zermalmt, zerstreut und gleichsam zu Staub zermahlen. in Philadelphia geboren, war erst Buchdrucker, dann Journalist m San Francisco, zuletzt Beamter in New-Hork: er starb daselbst 1897. George suwt ui seinen Schriften tue Ursache des sozialen Elends auf das Privateigenthum zurückzuführen: die Broschüre -Moses" gehört zu seinem littcrarischen Nachlaß. Wir glauben, daß die Aeußerungen dieses berühmten Staatsrechtslehrecs m Amerika das Interesse unserer Glaubensgenossen allenthalben suchen werden. Vieles von den hier entwickelten Ansichten können wir natürlich nicht billigen. Die übergroße Bewunderung aber, die unser Lehrer MoseS wieder und immer wieder findet, ist gerade Beweis, daß er. was er auch that. nicht aus sich, sondern auf Geheiß deS Höchsten in wunderbarer Welfe ausführte. Sied. und den vier Winden des Himmels preisgegeben, aber, obgleich Throne gefallen und Reiche vernichtet sind, Religionen untergegangen und lebende Sprachen zu todten geworden sind, es besteht dennoch mit scheinbar ungeschwächtrr Lebenskraft; ein Volk,' das die merkwürdigsten Widersprüche vereinigt, dessen Annalen bald in Ruhm erstrahlen und bald die Tiefen der Schände und des Wehes künden. ' __ .' Das Auftreten eines solchen Volkes bezeichnet eine Epoche in der Weltgeschichte. Aber nicht so sehr .hierüber beabsichtige ich zu sprechen, als vielmehr überdie mächtige Gestalt, welche den Mittelpunkt der Traditionen jenes Volkes bildet.. Drei große Religionen stellen den Führer des' Exodus auf die höchste Stufe, die sie Sterblichen einräumen; dem Christenthum, dem Islam, ebenso wie dem Judenthum ist Moses der Dolmetscher und Gesetzgeber des Allerhöchsten: der Mittler, ausgestattet mit übernatürlicher Macht, durch den der göttliche Wille gesprochen hat. Doch gerade diese Erhöhung, indem sie ihn über allen Vergleich stellt, verhindert, daß die wirkliche Größe dieses Mannes anerkannt wird. Aus der Mitte seiner Brüder ragt Saul um so größer herdor.; , - , - . /';■ Aber, ob wir nun Moses von dieser oder jener Seite änzusehen gewohnt sind, mag es uns doch der Mühe lohnen, den Gesichtspunkt aufzusuchen, von welchem aus alle Abstufungen des-Glaubens oder Unglaubens gemeinsamen Boden finden können, indem wir die hauptsächlichsten Gründzüge hebräischer Quellen und Traditionen anerkennen und sie in dem Licht der Geschichte betrachten, wie wir sie' kennen, und det menschlichen Natur, wie sie sich noch heute zeigt. . Hier ist ein Fall, in welchem die heilige Geschichte tvie die profane behandelt werden kann, ohne das religiöse Gefühl zu verletzen. Ebensowenig kann die schärfste Kritik Moses in eine Mythe äuflösen. Die Thatsache des Exodus setzt einen solchen Führer voraus^ - Wahrlich, es erfordert einen riesenhaften Charakter, einen Mann, welcher im höchsten Grade die Eigen-