Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 34-35 (30.4.1902)
- Date
- 1902-04-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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f; ■'l! ■ I Hörden sich im Jahre 1900 durch den Herrn Stadtschulrath Dr. Lungen und im vergangenen Jahre durch Herrn Stadtschul-Jnspektor Herber bei dem Feste vertreten ließen, zeugt von dem großen Interesse,, welches die stätdischen Behörden unserem Institute entgegenbringen, und wir sprechen denselben hier für die uns erwiesene Ehre unsern herzlichsten Dank aus. Auch den Damen, die in hingebender Weise sich der Mühe unterzogen, durch Sammlungen von Spenden für Geschenke an die Kinder uns die Abhaltung der Feste zu ermöglichen, wie allen denen, die uns durch Spenden für die Feste erfreuten, sei hiermit der wärmste Dank gesagt. Mit Genugthuung dürfen wir die Thatsache konstatiren, daß wir auch dieses Jahr viele Beweise freundlichen Entgegenkommens seitens unserer Glaubensgenossen in unserer Stadt zu verzeichnen haben. Wir sahen uns veranlaßt, einen vorläufigen Bericht an alle hier wohnenden Glaubensgenossen zu versenden, in dem wir in Anbetracht der großen aufzuwendenden Mittel um Zuwendung von Spenden ersuchten, und der Erfolg war ein schöner: ansehnliche Spenden und viele Anmeldungen zur Mitgliedschaft liefen ein. Was uns zur Entfaltung und zur Sicherung gefehlt, war ein eigenes Heim. Eine Musteranstalt, die allen Anforderungen an Räumlichkeit und hygienischen Einrichtungen Rechnung trägt, wollen wir aber hinstellen, irnd dies können wir nur, wenn. wir uns ein eigenes Heim erwerben. Dies zu thun, ist in einer der letzten Vorstandssitzungen beschlossen worden, und wenn der Bericht in die Hände unserer Mitglieder gelangt, ist der Beschluß durch den Ankauf eines Hauses mit Garten, das wir preiswürdig erlangen, und in dem wir einen allen Ansprüchen genügenden Neubau vornehmen können, vielleicht schon zur Thatsache geworden. Um aber das auszuführen und ein Denkmal edelsten Wohlthätigkeitssinnes unserer hiesigen Glaubensgenossen für die späteste Zukunft zu errichten, dazu bedarf es der. thätigen Mithilfe unserer Brüder, und wir sind sicher, daß wir fühlende Herzen und zur Mithilfe offene Hände finden werden, wenn wir mit diesen Worten an die milden Herzen unserer Glaubensgenossen in Frankfurt appelliren. Ein Aufruf zur Liebesthat in unserer gesegneten und segenverbreitenden Stadt hat noch immer Widerhall gefunden. Köln, 25. April. Das Fürsorgeerziehungsgesetz, am 1. April 1901 in Kraft getreten, hat am l. April d. I. seinen ersten Geburtstag gefeiert. Ein Rückblick auf dieses Jahr ist in mehrfacher Beziehung geeignet, über die voraussichtlichen Wirkungen des Gesetzes ein Urtheil zu gewinnen. In der Jahres-Versammlnng des den Landgerichtsbezirk. Düsseldorf umfassenden Katbolischen Gefängnißvereins hat Landesräth Schmid am 8. Avril über jene Frage einen höchst beachtenswerthen Vortrag gehalten. Hiernach sind bei den rheinischen Amtsgerichten in Fürsorgeerziehungssachen während des ersten Jahres 2150 Beschlüsse gefaßt wor? den. Daneben wurde natürlich in einer Reihe von Fällen die Fürsorgeerziehung angeregt, ohne daß es zu einem weiteren Verfahren gekommen wäre. . Die Fürsorgeerziehung wurde angeordnet in stark 1809. abgelehnt in 350 Fällen. Auf erhobene Beschwerde wurde die Anordnung in ungefähr 350 Fällen wieder aufgehoben. Rund 1600 Ueberweisungen zur Fürsorgeerziehung blieben bestehen. Am 1. April 1902 .waren 1199 Ueberweisungen rechtskräftig. Aus der früheren Zwangserziehung wurden am 1. April 1901 etwa 1200 Minderjährige in Fürsorgeerziehung übernommen. Rheinland zählt sonach gegenwärtig im Ganzen etwa 3000 Fürsorgezöglinge. Von den 1199 Zöglingen, welche seit 1. April 1901 der Fürsorgeerziehung unterstellt worden sind, gehören 823 dem katholischen, 372 dem protestantischen und 4 dem jüdischen Bekenntnisse an. Nach dem Bevölkerungsantheil der Juden hätten diese mit 17 Zöglingen betheiligt sein müssen, im Uebrigen entsprechen die Zahlen dem Bevölkerungsverhältnisse der Konfessionen. Oe st er re i ch.; Wien, 24. April Der Einlauf des Abgeordnetenhauses enthält eine „Ritualmord"-Jnterpellation des Alldeutschen Stein. Ein Dienstmädchen bei dem Südfruchthändler. Adler in Jägerndorß: soll, laut Konstatirung der Gerichtskommission an den .. Fußsohlen Schnittwunden aufweisen, was von der Bevölkerung als „rituelle Blutabzapfung" angesehen wird. —' En g i a n d. London, im April. (Russisch-Jüdisches.) Man berichtet der „Frankfurter Zeitung": . Dem „Jewish Chronicle" zufolge wird am 21. Mai in London ein jüdisches Theater eröffnet werden. Eine Gesellschaft hat das „Manor-Theatre" im Stadttheil Hacknet gepachtet, um darin Vorstellungen im russisch-jüdischen Jargon zu geben; sie läßt das Theater seinem neuen Zwecke entsprechend dekoriren und mit den PortraitZ jüdischer Musiker und Nationalhelden schmücken. Außer den im Jargon verfaßten Operetten von Goldfaden sollen auch Dramen aus der jüdischen Geschichte unk moderne große Opern im Jargon aufgeführt werden Die sonst in englischen Theatern üblichen Samstage Nachmittag-Vorstellungen werden im jüdischen Theater natürlich unterbleiben, und die Freitag-Abend-Vorstellungen sollen ohne Musik und unter Rauchverbot vor sich gehen. Sobald das Theater genügend viele Abonnenten hat, die seine Exstenz sichern, soll dasselbe aück Freitags Abends geschlossen bleiben» .. Vorstellungen im Jargon der russischen Zuder sind in London nichts Neues. London hat einen jüdi scheu Dramatiker Namens Rackow,. der ein Dreyfus Drama im Jargon verfaßt hat, das im „Standard