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Der Israelit · 1902-04-30 · Heft 34-35 (30.4.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 34-35 (30.4.1902)
Date
1902-04-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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■ r-Tid»" 43* Jahrgang. t t hnMs m Bliütil. Von Rabb. Dr. M. L. Vamderger, Karlsruhe. Unsere herrliche Stadt hat sich in ein festliches Gewand gehüllt, um die Feier des Regierungsjubiläums des geliebten und verehrten Landesfürsten würdig zu begehen. Wahrhaft märchenhafter Zauber zeigt sich dem Beobachter auf .den Straßen und an den Häusern, überall Zeichen der Liebe und Treue, alles wetteifert, um das Herz des Landesoaters zu erfreuen. Nicht zuletzt sind die Israeliten der Hauptstadt, wie jene des ganzen badener Landes geschäftig, um dem Fürsten zu huldigen, der es sich zur Aufgabe gestellt, „ein freies Staatsleben im Innern, ruhend auf der sicheren Grundlage geistiger Bildung und sittlich religiösen Ernstes zu schaffen, der an sein Voll die Mahnung sichtete, „alle Trennungen zu vergessen, welche die jüngste Zeit (7860) hervorgerufen hat, damit unter den verschiedenen Konfessionen und ihren Angehörigen Eintracht und Duldung herrsche." Dem Fürsten, der ebenso wie fein unvergeßlicher Schwager, der höchstselige Kaiser Friedrich, -' es deutlich aussprach, was er-von der „Schmach des Jahrhunderts" denke und wie sehr er diese verurtheile. Badens Großherzog hat, seitdem er mit kräftiger Hand und mildem Sinn die Zügel der Regierung führt, alle seine Unterthanen zu glücklichen, zufriedenen Staatsbürgern zu machen sich bestrebt; für das Wohl wie für. das Weh aller seiner Landeskinder, ohne Unterschied' des Glaubens und des Standes hat er Interesse bekundet und bekunde! dies bis auf den heutigen Tag. Es ist deßhalb auch nicht zu verwundern, daß das ganze Badener Volk mit treuer Liebe zu seinem Fürsten siebt, daß alle Einwohner des Großherzogthums in diesen Tagen des Jubiläums aufrichtige Gebete zum himmlischen Allvater senden, daß Er ihren geliebten Landesvater noch viele Jahre in Gesundheit und Frische erhalten möge. Ueber die verschiedenen Festlichkeiten, welche in Karlsruhe veranstaltet wurden, brauche ich nicht weiter zu berichten, da Ihre verehrl. Leser dies bereits aus den Tageszeitungen erfahren. Nur über das, was von jüdischer Seite geschehen, sollen diese Zeilen Ihnen Einsicht geben. - ■ lim auch für späteste Zeiten eine Erinnerung an das fünfzigjährige Regierungsjubiläum Großherzog Friedrichs zu schaffen, ist von den badischen Israeliten eine Landesstiftung in's Dasein gerufen worden, welche' den Zweck haben wird, für jüdische Lehrlinge ein Heim 1 zu gründen, ein Heim, in welchem den Lehrlingen nicht'/ allein körperliche Verpflegung, sondern , auch sittlichamoralische Festigung und Stärkung. geboten lverden.^ soll, ein Heim, in welchem dieselben dls Ersatz sür in der Fremde ihnen fehlende religiöse -. 'Erziehung 5 ,?;• Elternhauses geeigneten Ersatz finden. Selbstredend haben unsere Glaubensgenossen auch ^) an der dem Großherzog zu überreichenden Jubiläums^,, spende mit reichen Beiträgen sich betheiligt.^. 4;; In sämmtlichen Synagogen des Landes würden ' am Sonntag, den 27. d. M. Festgottesdienste, abgehalten. Das Programm war vom Oberrath, der Js-' ■ raeliten sämmtlichen Gemeinden des Landes zugeschickt, jene Gemeinden, die keinen Rabbinatssitz bilden, erhiel-.:. ten von den betreffenden Vezirksrabbinern eine -Fest--; predigt, welche bei der Feier verlesen wurde. '. i.v? Hier in KarlsruA . fanden.in beiden Synagogen gleichfalls am Sonntag Vormittag Festgottesdienste statt, bei welchen sehr zahlreiche Andächtige und/Ver-,.-! < treter der Presse sich einfanden. In der Religionsgefell-/.. schaft sprach Herr Rabbiner Dr. Schisser über den - Text Micha 6. 8: „Er hat dir verkündet Mensch, was ' gut ist und was der Ewige von dir fordert, daß. du : Gerechtigkeit-übest, Milde liebest und demüthig wandelst . im! deinem Gotte." In glänzender Weise führteMedner^'' aus, daß es nicht die Aufgabe eines relig. Belehrung ge? O widmeten Vortrages sein könne, die Herrschertngenden des geliebten Fürsten zu schildern; seine sittliche Größe Und Charakterfestigkeit müsse vielmehr zur Nacheiferungvorgeführt werden, in ihm könne mau eine ideale Ge«/? statt erblicken, welche die Forderungen des Propheten ' Micha im Leben zu verwirklichen gestrebt. Ein ergreifendes Gebet schloß sich beim geöffneten 'Thora- - schreine der Predigt an. ■ In der Synagoge der anderen Gemeinde hat -—* wie wir hören — gleichfalls mit großer Wärme und Be^ geisterung Herr Rabbiner Dr. Appel über den Vers Psalm 21, 7, gesprochen, ausführend, daß die fegens- ' reiche Thätigkeit des Fürsten für des' GroßherzogthirmS - Wohlfahrt eine dauernde fei, daran die Bitte knüpfend, ' daß der Himmel auch fernerhin den Großherzog mit'' des Segens Fülle beglücken möge. Beide Synagogen sind innen und außen mit frischem Grün und duftenden Blumen, sowie-mit Fah<"'^ nen'in den' Landes- und Reichsfarben reich geschmückt/-^': Ebenso erstrahlten sie auch während der Rundfahrt des^- Fürsten durch die Stadt in. feenhaftem '/LichtschÄn^.^- - Am Montag empfing Se/Kgl.' Hö'hett'MWrdßs^.a Herzog'eine.Deputation bets'Israeliten' Bad^nS^ stehend - aüsden.' Herren ©eft. Meyer '' hier,' Rabbiner Dr. Steckelmücher-MännheM-^^ und Professor Dr. Rosin-Freiburg, welche eine Adresse -

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