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Der Israelit · 1902-04-30 · Heft 34-35 (30.4.1902) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 34-35 (30.4.1902)
Date
1902-04-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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„Du, Selma," begann sie eines Tages, als sie dieselbe wieder nach längerer Anwesenheit im Apparate, in den Hof. hinaustreten sah, „schickt sich das für ein so großes Mädchen, beständig bei dem Leopold zu sein?" „Warum denn nicht, was ist denn Uebles daran?" „Das verstehst Du nicht, liebes Kind! Du bist leider in dieser Einsamkeit ausgewachsen, fern von jedem paffenden Verkehr. Doch solltest Du bedenken, daß Du aus gutem Hause bist." „Er, der Leopold, ist auch aus gutem Hause," antwortete keck das junge Mädchen. „Ja, warum ist er denn ein Branntweinbrenner geworden?" „Ist es denn etwas Schlechtes, Mutter?" „Bewahre. Schlechtes nicht,, aber doch zeugt es von keiner feinen Herkunst. Indessen will ich mit Dir. Du unbedachtes Kind, nicht darüber streiten, sondern verbiete Dir ein für allemal diesen häufigen Verkehr mit dem Werkführer; denn, selbst wenn er Deinesgleichen wäre, müßte ich strenge darauf sehen, daß Du Deinen Ruf nicht in Gefahr bringst durch vertrauten Verkehr mit einem im Hause lebenden jungen Manne." Selma, ihre strenge Mutter mehr fürchtend als liebend, gehorchte zum Scheine. Im Geheimen suchte sie den ihr liebgewordenen Leopold auf, und die Macht der Gewohnheit fesselte die beiden jungen Leute so fest aneinander, daß sie, dem Zürnen der stolzen Mutter Trotz bietend, einen Liebesbund schlossen. Dabei sollte es aber nicht bleiben. Der ältere und gereifte, aus Polen stammende Leopold wußte das ihm blindlings vertrauende Mädchen dazu zu überreden, daß es in geheimer Ehe ganz die Seine wurde. Durch einen unvorhergesehenen Zufall erfuhr Frau Goldberg von dem Liebesverhältniß ihrer Tochter mit dem Brenner. Sie wüthete. Doch Selma hielt ihren Vorwürfen tapfer Stand» „Wie konntest Du, die Tochter eines so großen Lamden, eines Morenu, der jeden Tag hätte Kreisrabbiner werden können, Dich so weit vergessen, Dich mit einem Amhoorez (Unwissenden) abzugeben?" „Mutter," entgegnete ruhig, aber entschieden die Gescholtene, „der selige Vater konnte nur darum seinen Geist weiter ausbilden und sein Leben der Wissenschaft weihen, weil er an Dir, der tüchtigen, verständigen Frau, eine Leiterin seines Anwesens fand. Was sollte aber ein Gelehrter mit mir anfangen?- Müßten wir nicht gänzlich zu Grunde gehen, ja verhungern, da ich absolut einer Wirtschaft nicht vorstehen kann. Dem vorzubeugen muß ein tätiger, praktischer Mann an meiner Seite sein, wie es Leopold ist." - „Gut, Du sollst Recht Habens Kind; muß es aber darum ein Branntweinbrenner sein, ein Mann, aus dem niederen Volke stammend?" höhnteFhre Mutier?'Möfür habe ich mich denn mein Lebenlang abgeplagt, wenn nicht, um Dir eine ehrenvolle Zukunft zu sichern. i .Gott; - > wenn das Dein seliger Vater erlebt hätte, der waräerfi'/ vor Gram über Deine schlechte. Aufführung gestorben.. Er pflegte ja den talmudischen Ausspruch im Münde zu .. .' führen: „Wer seine Tochter einem Amhoorez zur Gattin-,. \y* gibt, handelt all ihr so, als wenn er.sie. den wilden - / Thieren zum Fräße vorwerfen würde." Und seineigen' Fleisch und Blut hat sich so verworfen: Der Zadik wird / / sich gewiß im Grabe umdrehen." - .V-S-i „Und weiter hast Du an dem Leopold niöhts auszüsetzen, als daß er kein Gelehrter ist?" " . .. / 7.’ r „Weiter nichts? Ist Dir das nicht genug?" '., polterte die Mutter. ' V ’ ' -. „Dies läßt sich doch ändern. Rabbi Akiba war bis s..:/, zu seinem 40. Jahre ein vollständiger Ignorant. Als' solcher verliebte er sich in die einzige Tochter seines Brodherrn und begann ein mehrjähriges Studium, welches ihn zu dem größten GesehesauAleger des Juben- ,? thums machte. Auch bei Leopold wäre es nicht zu später U-,:-« ■i zu lernen." . r• „Das ist Dein Unglück, daß Dir der Väter so viel? / Gelehrsamkeit in den Kopf setzte; Du kannst jäauch. um/ das Gleichniß zu vollenden, Deine schwarze Haarkrone opfern und daraus Ketten und Ringe flechten, wie die : Tochter Kalba Swuas, um wie diese, mit dem Erlöse davon Deinen Auserwählten lernen, zu lassen, denn daS ' sage ich Dir ein für allemal: eher lasse ich Pich graue . ... Zöpfe tragen, ehe ich in Deine Heirat mit dem frechen1 Amhoorez willige; denn daß er nicht das Zeug dazu hat, ' ein Akiba zu werden, das-gebe ich Dir schriftlich."// / / / / Die nächste Folge dieses erregten Gespräches Evas-',. mit ihrer Tochter war, daß Leopold' nicht erst feine////, Stellung gekündigt wurde, sondern daß er sofortmit// . / Schimpf, und Spott vom Haufe gejagt würde... '' ' Es gelang dem jungen Ehepaare/ / noch' chrre>leste//^' Unterredung zu haben, deren Resuljaf war,-,d«b - LeöM'/ pold sich unverzüglich nach Breslau begebeu.solle, wo-er/ / streiche Verwandte habe, bei denen er sich einquartirnr und// // fleißig lerne, um-sich die so notwendige aljgemxin^W-^W' düng, sowie etwas kaufmännisches Fachwissen änzu-, /. - : eignen. Er hatte im Laufe der Jahre, in Welchen er ' bei Frau Goldberg in Stellung war, einige hübsche Gr^///" sparnisse gemacht. Selma.drängte ihm auch die ihreii'/ / auf. die er sich anfangs sträubte, anzünehmen. Selbst» / / verständlich hätte diese es nicht.notwendig,'.' schwarze Krone ihres Haares zu opfern, üm ihreMMS/.^ erwählten die goldene Krone der Gelehrsamkeit zu? vei^//-in? . schaffen. Unter mehrmaligen Umärmüngeü. Und.heißeu.A •*$ Küssen und von dem Treueschwür^ denIsie^sich.^geHeüUE^ seitig leisteten, begleitet, schieden! die^W^sideü'M^?^. einander'7 - <’».;? i«)[ #. -1<•* -x«w{.; */• Ein iw einem benachbarten Mierhofe.M' MirM ' fchäfter bediensteter Freund Leäpöld'K/MüchteädewVtt^ ,<! mittler bei der (£Beiden ’^Tejlen auf's eifrigste geführt wurde./ .7 7./ ,

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