Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-04-30 · Heft 34-35 (30.4.1902) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 34-35 (30.4.1902)
Date
1902-04-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449827--55816-2518523
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Aentrak-Hrgan für das orlhodoXe IudenLhmn. ■" •■/■ ■'-... ‘;■ Begründet von , : ' .. . ’ .: Dr. in Wtsinr ' '->.yv: :V.\: W-?: 43, Jahrgang für das orthodoXe IudentHmn Aentrak Mittwoch, den L«. April SSSS (1S»2), Ismilistkii such uni) jetzt. (Znm S4?Niffan.) Mainz. 30. April. In seinem unsterblichen Drama „Die Journaisten," dessen Figuren noch heute für alle, die ihren Veruf als Zeitungsschreiber ernst nehmen, als unerreichte Vorbilder gelten, hat Freitag auch einen Mann von der Presse geschaffen, der uns zeigt, wie ein Journalist.nicht sein soll. Leider bediente sich der Verfasser dazu der irdischen Maske- Md^^^SchMck„.„de^.kann^schreiken^ rechts und der kann schreiben links, der kann schreiben rach jeder Richtung," ist in den antisemitischen Blättern M bis zum Ueberdruß abgenutztes Schimpfwort für jüdische Redakteure und Verleger geworden, j Vielleicht hatte der Vorwurf damals für die jüdischen Journalisten eine gewisse, Berechtigung, es war kurz nach der Gleichstellung unserer Brüder mit den Bürgern anderen Glaubens und man war noch nicht dazu gelangt, sich ein selbstständiges politisches Ürtheil zu bilden. Die Presse, damals noch nicht, so übersetzt wie heute, bot selbst in ihren Reporterabtheilungen noch ein lohnendes Brod, und so mag mancher ehemalige Hausirer, der den Unterschied zwischen Feudal und Radikal nicht kannte, dort seine Unterkunft gefunden haben. Heute ist das anders geworden; die jüdischen Redakteure wissen ihr politisches. Bekenntnis; mit einem Mannesmuth zu verfechten, der an Intensität und Kraft kemem Vollblutarier nachsteht. Die ganz entgegengesetzte Entwickelung zeigt sich uns auf dem Gebiete des spezifisch jüdischen Zeitungswesens. Da gab es, während die Schmocks sich in den nichtjüdischen Blättern breit machten, Männer, die ihre Ueberzeugung mit der ganzen Kraft ihres Seins zu vertheidigen wußten. Wir sehen dabei von einer bestimmten Richtung ab, ein Lehmann in seinem „Israelit," ein Jakob Ettlinger in seinem „Zionswächter" kämpfte mit der gleichen Stärke der Gesinnung, wieeinPhilippson .in seiner „Judenzeitung", oder ein Nieser in seinem : „Juden."^; '. ' . . ‘' Hören wir dagegen auf das Rauschen des jüdischen Blätterwaldes von heute, was vernehmen wir da? Da wird „geschrieben nach rechts, da wird geschrieben nach links, da wird geschrieben nach jeder Richtung." . In rührender Einmüthigkeit finden wir da. Artikel von Reformrabbinern und Orthodoxen in ein und derselben Nummer: diese Woche wird Einer gefeiert, der fünfzig Jahre für Thauro und Jiroh wirkte, die nächste Woche Einer, dessen Streben sich sein Lebest lang nach der ent- -g^Zengesetzten Richtung bewegte^-. Auf'.der:sinen7.Aeite7 steht ein von Entrüstung strotzender' Aufsatz, der sich gegen einen Levita richtet, der seine Kinder der Taufe zuführen will, auf der nächsten Seite.wird das Leben eines Renegaten verherrlicht, der vielleicht ein tüchtiger Musiker geweseist aber sich schon vor zwanzig Jahren taufen ließ. Im Jnseratentheil werden gleichzeitig „streng rituelle" und religionsgesetzlich verbotene Gegenstände empfohlen. Wir könnten die Beispiele bis in's Unendliche vermehren, wollen aber den.Leser nicht ermüden. Wir glauben, zur Genüge gezeigt zu haben, in welcher Decodcnz sich die jüdische Journalistik befindet und wir haben das Thema deshalb heute aufgerollt, weil es beute zwölf -Jahre sind, daß der unvergeßliche Begründer dieser Zeitschrift von hinnen gegangen. An ihm wollen wir uns emporranken und ihm nachzueifern suchen, denn er war kein Zeitungsschreiber von der heutigen Sorte. Was er in seiner vor nunmehr Zweiundvierzig Jahren herausgegebenen Probenummer versprochen: Dem orthodoxen Juden die unjüdisch-jüdischen Blätter vollkommen entbehrlich zu machen, allen Regungen, die sich der schriftlichen und mündlichen Lehre des Judenthums zuwider irgendwie' und irgendwo bemerkbar machen, mit Ernst und Würde entgegenzutreten, alle Bestrebungen, die auf Kräftigung im treuen.Festhalten am jüdischen Religionsgefetze gerichtet sind, zu unterstützen, durch Lehre zur Erkennt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.