Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 56 (14.7.1902)
- Date
- 1902-07-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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48. Jahrgang. Jfä Atz. ff iffp X Ein . GenLrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. / Begründet von f ®f. fe^mann in ISteiuf. m*nta&, den 14. Juli 5062 (1902)« Schule und Haus. Pädagogisches von Rabb. Dr. Kohn—Jnowrazlaw. Zum ersten Vers der Offenbarung Gottes am Berge Sinai „Und der Ewige redete a l l e diese Worte und sprach: Ich bin der Ewige, dein Gott, der ich dich herausgeführt habe aus dem Lande Aegypten" n. s. w., bemerken unsere alten Weisen: Gott vermag die größten Gegensätze mit einander zu vereinigen und zu versöhnen. Er ist Krieger' und'Lehrer zugleich, er führt . Krieg mit Mizraim, läßt ste untergehen in den Tiefen des Meeres und unterrichtet und unterweist zugleich Israel, seine Wahrheit verkündend auf den Höhen des Sinai. (Schemoth Rabbah. P. 28.) Diese Worte enthalten solch' wichtige, namentlich für die religiöse Erziehung der Jugend überaus wichtige und beherzigenswerthe Lehren, daß wir denselben die größte Verbreitung durch die weitverbreiteten Blätter des ebenfalls einerseits muthig kämpfenden, andererseits unermüdlich belehrenden „Israelit" wünschen und verleihen möchten! ... - •-'■7 I. Die heilige Schrift (Nehemia 4. 17) erzählt: Als Esra und Nehemia unter Einwilligung und Zustimmung des Persischen Königs Cyrus die Gefangenen Babylons wieder nach der alten Heimath, nach Palästina führten, um den Tempel, den zerstörten, wieder aufzubaüen, da waren es die Samaritaner, die den Israeliten alle möglichen Hindernisse in den Weg legten und sie um jeden Preis am Wiederaufbau des Tempels stören und hindern wollten. Israel aber baute weiter fort u. z. mit der einen Hand ballten ste, richteten sie von Neuem das Heiligthum Gottes auf; mit der anderen Hand aber hielten sie die Waffe und kämpften gegen den Feind, so oft er ihnen entgegen trat. . So' hatten sie zwiefache Arbeit, zwiefache Pflichten, zil bauen und zugleich zu kämpfen, und ste lösten beide \ Aufgaben in rühmlicher Weise, das Heiligthum wurde aufgerichtet und die Samaritaner wurden völlig besiegt! Das Urbild dieser zwiefachen Aufgabe erblicken wir in der Offenbarung Gottes am Berge Sinai! Die Offenbarung steht in inniger- Beziehung mit dem Auszuge aus Egypten und da sehen wir Gott, den Allmächtigen, wie Er mit der einen Hand Pharao. Mizraim bekriegt, bekämpft, zerschmettert, zermalmt, und mit der anderen. Hand Israel - die Thora, däS^ Feuergesetz, die zwei steinernen Tafeln mit den Zehn Geboten übergibt. Und wie innig sind diese zwei Tätigkeiten mit einander verbunden, wie ist das Eine die Bedingung des Andern! Aegypten mußt« erst besiegt und vernichtet daliegen, bevor das Heiligthum des Einzigen Gottes errichtet werden, bevor sich Gott Israel am Sinai offenbaren konnte. Aegypten war das Land des Götzendienstes, des Materialismus, der- Selbstvergötterung, das Land der Unfreiheit, der Knechtschaft und Bedrückung! So lange dieses Land in Glanz und Macht prangte, blühte, so lange glaubten die Menschen an die Wahrheit'und Allmacht des Heidenthums, dieses - Heidenthums, das mit frecher Stirne und höhnend ausrief: „wer ist denn der Ewige, daß ich auf Seine Stimme höre!"; erst nachdem Aegypten gezüchtigt, gedemüthigt, ja völlig gebrochen und sich im Staube wälzend dalag und Gott bewiesen, daß Er mächtiger, als alle Götter Aegyptens, konnte Er alle diese Worte in die Welt binausrufen: „Ich bin der Ewige, dein Gott, der ich dich herausgeführt aus dem Lande Mizraim, ich habe Aegypten mitsammt seinem Heidenthum zerschmettert, ich bin der Allmächtige und Aegypten der OhnmLchtige!" So war Gott der Herr Krieger und Lehrer zu gleicher Zeit, mit der einen Hand zerschmetterte Er die Altäre der Lüge, mit der anderen Hand baute Er auf das Heiligthum der Wahrheit..