Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 32-33 (21.4.1902)
- Date
- 1902-04-21
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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hatte keine Zeit, denn er mußte verreisen. Nach acht Tagen kam er zurück, mit einem Karton voll Maz-oth. auch „pessachige" Fleischkonserven, Gänseschmalz, Mandeln, sogar eine Flasche Sliwowitz von der besten Sorte, mit einem mächtigen Siegel des frömmsten Rabbiners von Cincinnati darauf und eine Menge anderer Dinge brachte er mit. Fische, Eier und Kartoffeln sollte, wie immer, Mrs. Attkins liefern. Die gute Dame erbat sich sogar, ihr blitzendes Kochgeschirr dem Miether zur Verfügung zu stellen, und war fast beleidigt, als dieser trotzdem neue Pfannen, Töpfe und Schüsseln und sogar ein neues Waffergefäß anschaffte. Jetzt stand ste an der Thüre und sah zu, wie Mr. Davis selber den Küchenmeister machte. Obgleich sie dabei jenes spöttische Lächeln auf den Lippen hatte, welches Frauen zur Schau tragen, wenn ein Mann sich unterfängt, in das Gebiet der Kochkunst einzudringen, so verfehlte sie denn doch nicht, ihm in Betreff der auf dem Herde schmorenden Fische, der Eier und der Kartoffeln von Zeit zu Zeit einen guten Rath zu geben. Mit schwerem Herzen hatte Mr. Davis auf die traditionellen Knödel verzichtet, die ja unter diesen Umständen unerreichbar waren. (Schluß folgt.) Alle illufirirle Hsgaöen. (Zu unseren fünf Bildern.) In der gleichen Reinheit, Lauterkeit und Ursprünglichkeit, wie Israel seinen Glauben an den einig-einzigen Gott empfangen, in gleicher Weise hat dieses Volk es verstanden, ihn zu tragen durch die Jahrtausende hindurch. - Keine Folter, kein'Scheiterhaufe, ja nicht einmal das Jnaussichtstellen aller Güter dieser Erde haben es vermocht, daß der „ewige Jude" nur im ^Allergeringsten von seiner erhabenen Emunah abgewichen wäre. Anders verhält cs sich hingegen mit äußerlichen Dingen, die das Wesen unseres Glaubens nicht berühren. Hier hat Israel stets, wenn es etwas Schöne» außerhalb des Ghettos fand, es hineingeholt in die dunklen Gaffen und zur Verherrlichung seines Gottesdienstes nutzbar angewendet. Wir besitzen Synagogen in den Baustylen aller Zeiten und aller Völker, wir besitzen Lieder, von denen viele gewiß ursprünglich nicht Synagogenmelodien gewesen, und manches , heilige Synagcgengeräth verdankt seine Entstehung einem nichtjüdischen Meister, der es nach der eben herrschenden Kunstrichtung seines Volkes modelte und meiselte. So tritt auch in den heute unseren Lesern vorgeführten jüdischen Vilderhandschriften der Entwickelungsgang der mittelalterlichen Illustration klar zu Tage, von den hieratischen, architektonisch, gebundene«? Bildern des hohen Mittelalters durch die freiere, aber noch immer in mittelalterlicher Anschauung befangene Jllustrationstechnik des 14. und 15.' Jahrhunderls im Norden bis zu der realistischen Kunst der italienischen Frührenaissance. ‘ '7 '7 Zwei Haupttypen der illustrirten Hagadah möchten wir unterscheiden. Neben den spaniolischen Handschriften, die schon äußerlich gewissermaßen ein aristokratisches Gepräge tragen, durch Sorgfalt und Pracht der Ausstattung, tritt uns ein jüngerer, ooltsthümlicher Typus der illustrirten Hagadah entgegen, der, , wie es wenigstens scheint, dem nordländischen, speziell dem deutschen Judenthum angehort. Allerdings ist eS nur durch zwei Handschriften spaterer Zeit, deS 15. Jahr-: Hunderts, vertreten, nämlich durch die zweite Nürnberger Hagadah (siehe Jll. S. 741 und 744) und die verwandte Handschrift der Pariser National-Viblio-' thek, aber seine Spuren lassen sich bis in die ältesten . Drucke hinein verfolgen. Hier haben wir eine durchaus volksthümliche Jllustrationsweise vor uns, zu der die erläuternden, häufig in burlesken Ton verfallenden Knittelverse sehr ' Die alte, vornehme Form der spagnolischen Ha< gadah (S. Jll. erste S. der Bell. Beil.) ist aufgegeben., an Stelle der sorgsam ausgeführten Bilderfolgen und des künstlerischen Textschmuckes, treten flüchtig hingeworfene Randillustrationen. leicht farbig angetuschte Zeichnungen, statt der bedächtig ausgefiihrten Goü'ächebilder; . ' ''. ' ' r ■- Mit der Ausbreitung des Drucks fand eine' weitere Entwickelung der Illustrationen in den Hagaden nicht mehr statt. Beinahe zwei Jahrhunderte hindurch behalf man sich mit den bekannten Amsterdamer Nadirnngen, die ursprünglich vielleicht ganz hübsch gewesen sein mögen, die aber durch viele schlechte Nachbildungen Md durch die stereotype Art, die sie im Laufe der Mt angenommen, nichts weniger als einem modern gebildeten Geschmacke zuzusagen, im Stande sind. Vielleicht wird die gegenwärtige Zeit, die ja der Entwickelung der Kunst aus jüdischem Gebiete günstig ist, eine modern und kunstvoll illustrirte Hagadah nebst einer poetischen Bearbeitung entstehen sehen. . Erläuterung zu der Illustration aus der Hagadah des Earl of Crawsord S. 740: Auszug der Juden aus Egypten mH Sack und Pack, sie sind gerüstet und tragen die Backtröge. Die Egypter sehen aus ihren Häusern zu. (Exod. 12,34 u. 13, 8.) bivrvt* 'by v'pom : vvw bv onbceo itrrh r eeojn ■ 2) Pharao mit seinem reisigen Gefolge; alle in der' charakteristischen Bewaffnung des ausgehenden 13., Jahrhunderts, den Juden nachziehend rw oyi ra tbki io* npVm , ■ Illustration S. 744: Der Hausherr durchsucht mit einer Kerze und einer Schale in den Händen (im