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Der Israelit · 1902-04-21 · Heft 32-33 (21.4.1902) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 32-33 (21.4.1902)
Date
1902-04-21
Page
– (sequence 30)
Language
German
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er eder in der rem de. von Vinjsmin 8egel. Die große Seitenstube in dem Häuschen der Mrs. Attkins war schon vollständig rein gemacht und die Frau - hantirte nur noch mit dem Scheuerlappen an der Außenseite der Thüre herum, als Mr. Davis, keuchend unter der Last seines schweren Kastens, der mit Riemen um seine Schultern geschnallt war, ankam. Er mußte zweimal sein Good day wiederholen, bis die etwas schwerhörige Dame seine Gegenwart merkte und sich umwandte. „Good day, Mr. Davis! Sind Sie schon .da?" donnerte sie freundlich. „Gehen Sie in die Kammer und legen Sie Ihren Kasten ab. Und wischen Sie sich die Stiefel recht sauber. Sehen Sie, wie fein es hier aussieht in der Stube. Kein Stäubchen dürfen Sie hineinbringen, Mr. Davis. Wenn's Feiertag ist, muß es Feiertag sein." , > Mr. Davis legte den Kasten ab, kam zurück und warf durch die geöffnete Thüre einen Blick in das Innere seiner Stube und konnte sich eines Freudenrufes nicht enthalten. Die kräftigen und rührigen Hände der Mrs. Attkins hatten den düsteren und unfreundlichen Räum in ein Festgemach verwandelt, die Scheiben waren sauber geputzt, der Fußboden gescheuert, der Staub entfernt. In der Mitte stand der Tisch mit einem blinkend weißen Tuch gedeckt und die etwas wackeligen Stühle standen, wohlgeordnet um den Tisch herum. Die niedrige, Pritsche, welche als Bettstelle diente, war mit einem verschlissenen, aber blitzsauberen Wandschirm verhüllt. Alles athmete eine gewisse anheimelnde Freundlichkeit, die Mr. Davis zur Rührung stimmte. Sogar die gähnende Oeffnung des Backofens, der auch als Kochherd diente, war mit einer Art Gardine von buntem Zeug überzogen. Alles schien das Fest zu erwarten. - „Das haben Sie aber schön gemacht, Mrs. Attkins, Sie sind eine brar»e Frau. Ich danke Ihnen sehr!" Die so Angeredete stemmte ihre Arme in die Hüften, musterte stolz ihr vollendetes Werk und dann kragte sie: „Wer werden heute Ihre Gäste sein,' Mr. Davis?" „Meine Gäste? Nun, wer sollen sie denn sein? Mr. Flock, der Schneider, wird kommen, dann der Geselle vom Goldschmidt.; „Der von Mr. Smith?" „Ja der, dann ein Landsmann von mir, ein ganz armer Mensch, der erst gestern hier angelangt ist, ich weiß nicht einmal recht, wie er heißt. Er hat die Nacht auf einer der benachbarten Farmen zugebracht und will nach den Feiertagen weiter nach dem Westen, nach San Francisco, ziehen ..." „Was hat denn der für einen dn8in688?" fragte Mrs. Attkins, ohne ihre Arbeit zu unterbrechen. „Ach ja, das ist es eben, er hat gar keinen. Er ist so ein Kinderlehrer, kann beim Gottesdienst schön Vorsingen und weiß in den heiligen Büchern Bescheid, ein sehr kluger Mann, wir gingen eine Strecke zusammen und haben viel miteinander gesprochen, — aber schrecklich arm ist er. Die zwei Feiertage wird er bei mir wohnen. Dann kommen noch die beiden Grubenarbeiter aus Struck Oil herüber.. ." „Aus Struck Oil? Du lieber Himmel, so weit? Können die denn nicht dort Feiertag machen? Na, Mr. Davis, wenn Sie saubere Stiefel haben, können Sie eintreten. Ich bin fertig." Mr. Davis erklärte seiner Wirthin, warum die beiden jüdischen Grubenarbeiter hierherkommen mußten. „Aber wissen Sie. Mrs. Attkins, wer sonst noch kommen wird? Mr. Henry Simpson." „Wer, sagen Sie?" ' Davis mußte den Namen wiederholen. „Mr. Simpson, der Doktor?" Die gute Frau klatschte vor Staunen in die Hände. „Der? Unmöglich! Ist der auch ein Jude? Das Hab' ich ja gar nicht gewußt." - _ - : „Ach nein, wo denken Sie hin. Ein Jude ist er nicht. Wir kennen ihn ja schon so langes Aber er will heute mein Gast sein, und da werde ich ihm doch nicht absägen." % In Mr. Davis' Brust regte sich Stolz darüber, daß ihn der angesehene Arzt, obgleich kein Glaubensgenosse. am Festabend besuchen wollte. „Da gehe ich nämlich gestern morgen, kaum daß es Tag geworden, mit dem Kasten nach der Farm des Mr. Thorston. Ick mußte am Hause des Dotors vorbei; dieser stand schon vor der Thüre und besserte in seinem Gärtchen aus. Ich grüße. „Good Morniug,“ sagt er, „sind Sie nicht in Cincinati, Mr. Davis?" „Warum soll ich denn in Cincinati sein?" sage ich. „Aber voriges' Jahr sind Sie doch hingefahren um diese Zeit und sind dort bei den Juden Lber Eure ganzen Feiertage geblieben." „Nein," sage ich, „diesmal bin ich leider verhindert; Sie kennen ja die Geschichte mit dem Prozeß, der erfordert hier meine Gegenwart, und darum mache ich bei mir zu

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