Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 32-33 (21.4.1902)
- Date
- 1902-04-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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genannten Herrn zeigt, da Herr Dr. Levy niemals von Mängeln der Konsistorialverfassung sprach, sondern lediglich die .in der Verfassung vorgesehene Oberbehörde der Konsistorien als eine absolute Nothwendigkeit begründete, schließt mit den Worten:. »Die Begründung, die Herr Dr. Levy für die Neuschaffung eines Ober-Konsistoriums uns gibt, ist ein kräftiges Mißtrauensvotum für die jetzigen Konsistorien."' . Ich weiß nicht, was Ihren Herrn Korrespondenten veranlaßt haben tonnte, sich zum Schutzherrn der jetzigen Konsistorien aufzuwerfen. Ihre Gewaltherrschaft würde auch ohne des Patronats des betreffenden Herrn weiter bestehen und ein Mißtrauensvotum würde diese kaum aüsmerzen, wenn nicht das Volk sich zu einer Aenderung der bestehenden Verhältnisse aufrafft. Die weiteren Ausführungen des betreffenden Herrn tragen, abgesehen von den inneren Widersprüchen, auch eine solche naive UnkenNtniß der administrativen Beschaffenheit und Amtswaltung der Konsistorien, daß man darüber lachen müßte, wenn die Verhältnisse nicht zu ernst und tiefeinschneidend in das religiöse Leben des Reichslandes wären.;. ~ Die Korrespondenz in Nr. 30 Ihres geschätzten Blattes hat eine vortreffliche Schilderung der religiösen Zerfahrenheit des Reichslandes, und mit der Angabe der Motive den Nagel auf den Kopf getroffen. Ja, nur die Konsistorien, sind für die irreligiösen Zustände des Landes verantwortlich zu machen; denn x-nay aa im xVx 22. Trotzdem die Verfassung bestimmt, daß die Konsistorien nur im Bannkreise der religiösen Normen ihre Maßnahmen zu treffen haben, hat sich schon seit undenkbaren Zeilen diese Kuliusbehörde um alles mögliche gekümmert, nur nicht um das religiöse Leben der Kultusgemeinden. Leider ist es ja richtig, daß auch die Wähler für solche Zustände verantwortlich zu machen sind, die ihre Rechte in solche Hände legen. Jndeß sind diese Vorgänge, wenn auch verwerflich/ doch begreiflich. Die Bezirkskonsistorien werden von den betreffenden Israeliten des Bezirks gewählt. Wochenja monatelang vor einer solchen stattfindenden Wähl werden die Wähler durch verschiedenartige Manöver bearbeitet, bis die Macht des Geldes den Sieg davon. trägt. Anders würde es sich sicherlich gestalten, wenn die in der Verfassung vorgesehene Oberkultusbehörde gewählt werden sollte. Da wird nicht mehr ein Bezirk, sondern das ganze Land wählen und der Spielraum für die Streber zu weit sein. Dazu ist in dem Entwürfe des Herrn Dr. Levy vorgesehen worden,-dass der Präsident nicht gewählt, sondern landesherrlich berufen werden soll.' Und dann sollen in dieser Behörde fünf Rabbiner ihren ständigen Sitz haben. Wenn dieser Entwurf sich seinem'ganzen Umfange nach reälisiren würdr,ist der Gewaltherrschaft der Bezirkskonsistorien ein Damm gesetzt Und wird dann die Zeit andere Gestaltung und andere Gestalten zeitigen. O'e st e tt t i ch. Soborte«, 15. April. (Tempeleinweihung.) Seit dem 50jährigen Herrscherjubiläum unseres erhabenen Kaisers sah die hiesige Kultusgemeinde kein solch solennes Fest, als die am 33. d. Mts.,hier stattgehabte Einweihung des neu renovirten prachtvollen Tempels. Schon zwei Stunden vor der festgesetzten Feier war die „Gasse" .von Ehrengästen überfüllt. Es erschienen: Der k. k. Bezirkshauptmann, die Kultusvorstände von Teplitz und Aussig, der Vorstand des Tevlitzer Tempelvereins und der B. Brüderschaft, Herr Dr. Baß, Rabbiner in Außig, die hiesige Gemeindevertretung, Honorationen und Korporationen. Präcise 4 Uhr Nachmittags begann die Feier: Herr Oberkantor Davidson mit dem gesammten Teplitzer Tempelchor, sangen in prächtiger, erhebender Weise das „Ma-Towu," worauf Se. Ehrw. Herr Rabbiner Heinrich Galandauer mit einer sehr feierlichen, trefflichen Ansprache das „Ner Tomid" anzündete. Es folgte das Mincha-Geöet und ein Festpfalm. Hierauf bestieg unter lautloser Stille Herr Rabbiner Galandauer die reichgeschmückie Kanzel und hielt die meisterhaft ausgeführte, geistvolle und formvollendete Weiherede, welche die Zuhörer zur Begeisterung hinriß und einen tiefen Eindruck machte. Diese Festprrdigt in Gegenwart der nichtjüdischen Festtheilnehmer war geradezu ein wahrer Kidusch-Häschem. Mit dem Gebet für Kaiser und Vaterland und der Absingung der Volkshymne schloß die herrliche Feier. Nach dem Gottesdienste umringten die anwesenden Honoratioren den gefeierten Redner und dankten und gratulirten ihm sichtlich gerührt für seine glänzende rhetorische Leistung. Um 7 Uhr Abends fand ein Festbankett im Gasthaus „Zur Sonne" mit nahezu 100 Gedecken statt, bei welchem viele schöne Tischreden gehalten wurden. Dieses in allen Theilen so gelungene Fest gereicht *der Soborter Kultusgemeinde zur besonderen Ehre und Befriedigung. * X. W e rr r r r e t O ft. Krzähtrrrrg von Nabette Fried, Uv«rg. . 3) ■■■. . - ' - •. ... , . •••';:•:/* : III. . . . , ' Die alte Frau, welche in dem großen, niederes, mit altmodischen Möbeln angefüllten Zimmer Siesta hielt, war von jener Sorte Frauen, wie sie heute immer seltener werden. Strenge gegen sich selber, sowie gegen andere, lebte sie nur ihrer Thätigkeit, indem sie ein Unternehmen leitete, zu dessen Instandhaltung es sonst i der festen Hand eines Mannes bedurft hatte. . Aber