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Der Israelit · 1902-04-17 · Heft 31 (17.4.1902) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 31 (17.4.1902)
Date
1902-04-17
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Rumänien. Bukarest, 10. April. (Wüste Agitation.) Dieser Tage fand hier eine Versammlung der vom ältkonservativen Vorstadtdemagogen und Advokaten Jancu Bratescu geführten. nationalistischen Arbeiterpartei statt, in welcher der genannte Parteiagitator gegen die Regierung den Vorwurf erhob,, daß sie das neue Gewerbegesetz durch das von ihren Vertrauensmännern ohne Zuziehung von Vertretern des Handwerkerstandes auszuarbeitende Vollzugsreglement seines wesentlichsten Inhalts berauben lassen wolle. Sie that dies aus Furchtvor dem Auslande. Doch sei diese Furcht überflüssig, da die nationalen Handwerker gegen die Aufnahme von Fremden in d'ie neu zu gründenden Gewerbegenossenschaften keinen prinzipiellen Widerspruch erheben, und daß vielmehr der eine solche Ausschließung bezweckende Artikel des Gewerbegesehes erst durch den gouvernementalen Abgeordneten Porembaru in das Gesetz hineingebracht worden sei. Was die israelitischen Handwerker Rumäniens anbelangt, so verlangte Redner, daß sie sich den Bestimmungen der Gewerbegesetze fügen. Sei das aber nicht der Fall, so möge die „Alliance isr." wissen/ daß man vor ihr trotz ihrer Millionen ganz und gar keine Furcht habe. Die Presse aber möge den Israeliten klar machen, daß für den Fall, als sie noch weitere Versammlungen in den Synagogen abzühalten sich unterstehen, die Handwerker dann selbst den Polizeidienst vor den Synagogen übernehmen werden, und dann möge man nur versuchen, noch weitere Versammlungen dieser Art einzuberufen. Die Handwerker wüßten, was sie zu thun hätten und man möge nur nicht glauben, daß auch sie sich vor dem Auslände fürchten. Obgleich Bratescu kein Ansehen besitzt, hat seine Rede doch mit Rücksicht darauf, daß er bisher als der offizielle Kandidat der altkonservativen Partei für die Deputiertenersatzwahl gegolten hat, Aufsehen erregt, und es wird daher eine gegen die maßlosen Auslassungen Bratescus gerichtete Erklärung des Exekutivkomitees der altkonservativen Partei erwartet. Wie der „Adeverul" meldet, hat der Minister des Innern den Behörden in der Provinz die vertrauliche Weisung zugehen lassen, der aus Anlaß der Veröffentlichung des Gewerbegesetzes neuerlich in Fluß gekommenen israelitischen Auswanderungsbewegung so viel als möglich entgegenzuwirken und die Auswanderungslustigen davon zu überzeugen, daß die Regierung nach genauem Studium aller die israelitischen Handwerker bedrückenden Sorgen denselben vollste Genugthuung zu leisten bemüht sein werde. Da bis zu dem Inkrafttreten des neuen Gewerbegesetzes noch volle sechs Monate vergehen werden, in der Zwischenzeit aber an den derzeit bestehenden gewerblichen Verhältnissen gar nichts geändert werden soll, so gibt man sich in Regierungskreisen der Hoffnung hin, daß hierdurch und durch die vom Domänenminister bezüglich des AusführungSreglements zum Gewerbegesetze abgegebenen beschwichtigenden Erklärungen die Auswanderungsbewegung im Sande verlaufen werde.;s'?-;' — Die „Agence Roumaine" meldet: „Die von geringem Wohlwollen eingegebene, auf Entstellung des Sinnes des neuen rumänischen Gewerbegesetzes zurückzuführende Meldung einiger ausländischer Blätter, von einer unter den rumänischen Juden bestehenden Maffenauswanderungs-Bewegung entbehrt jeder thatsächlichen Grundlage. Solche Artikel sind um so bedauerlicher, als, wie es vor einigen Jahren der Fall war, eine ungesunde Erregung der Gemüther die Bewegung, die sie als vorhanden bezeichnen, wirklich Hervorrufen konnte. Eine derartige Bewegung besteht in gegenwärtigem Augenblicke nicht und es liegt für das Vorhandensein einer solchen kein Grund vor." Tnese offiziöse Auslassung ist eine dreiste Entstellung der Thatsachen, denn nur die Bestimmungen des neuen Gewerbegesetzes haben eine leicht erklärliche Aufregung unter den rumänischen Juden hervorgerufen — Beweis dafür die zahllosen Versammlungen derselben und der Empfang von Deputationen seitens des Handelsministers und des Königs. Einzig und allein von der rumänischen Regierung wird es abhängen, ob die Durchführung des Gesetzes eine Massenauswanderung jüdischer Handwerker aus Rumänien verursacht. Im klebrigen erkennt man aus der offiziösen Notiz, wie unangenehm es der rumänischen Regierung ist, daß auf die Zweideutigkeiten des neuen Gesetzes auch in der ausländischen Presse hingewiesen worden ist, und wie gefährlich für Rumänien eine Massenauswanderung der jüdischen Handwerker, der tüchtigsten im Lande, sein würde. v * S p r e ch f a a l. Coblenz, 13. April. Ein rührendes Beispiel unerschütterlicher Frömmigkeit liefert eine Wittwe H., die in der Heilanstalt in Andernach untergebracht ist. Die.Aermste, in der weitaus größten Zeit völlig normal, entbehrte : in dem Glauben, es sei bereits Peßach, zwei Tage lang jeglicher Nahrung, und nur dem Zureden einiger Coblenzer Damen, die sie von ihrem Jrrthum überzeugten, gelang es, sie vor dem Hungertode zu bewahren. Freitags Abends . entzündet die Unglückliche in Ermangelung von Lichtern an — den Sternen und die Wärter versichern, jedes Mal bei diesem Anblick zu Thänen gerührt zu sein. Ließe sich mit Inanspruchnahme edler Wohlthäter die Unterbringung der Aermsten in eine jüdisch- Anstalt nicht ermöglichen?

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