Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 30 (14.4.1902)
- Date
- 1902-04-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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43# Jahrgang. * jtt js 30 des sraeM MM mkkilt Attklckr gmM) - Nach der Erfahrung, die ich also mit den drei neuen : Sternen am Himmel unserer modernen Wissenschaft . . . und Litteratur gemacht, wird es mir der Leser nachfühlen, daß ich leine große Lust verspürte, auch noch den . vierten, nämlich Herrn Dr. Alfred Noffig, kennen zu -' .lernen. Der Gründlichkeit halber that ich es doch. Und .ich erlebte eine angenehme Enttäuschung. Herr Dr. ... Alfred Noffig ist unter diesen der einzige wirkliche . .. Schriftsteller, der einzige, der etwas gelernt und geleistet . ..... hat, der einzige, den man ernst nehmen kann. Es ist mir: bis zur Stunde räthselhaft, wie dieser ernste und ..... tüchtige Mann in die Gesellschaft dieser unreifen, kaum . dem Knabenalter entwachsenen Jünglinge hineinge- .t: v: rothen konnte. Herr Dr. Noffig hat eine bewegte, litte- . . rarische Vergangenheit hinter sich. Doch wenn man be- . rechtigt ist, anzunehmen, daß einer, der die ganze bisherige jüdisch Litteratur als „sremddienerisch" schilt, selber das ganze Leben lang literarisch dem Judenthum gedient hat, so trifft das bei Herrn Noffig nicht zu. - - l Von Haus ist er eigentlich polnischer Dramatiker, Romanschriftsteller, Statistiker, Lyriker, Sozialpolitiker und Journalist. Jüngst hat er auf Deutsch eine Bro- -jschüre über die Weltpolitik, ein Libretto zu einer Oper aus dem Zigeunerleben und die ersten zwei Bande eines Werkes über den Sozialismus herausgegeben. Eine unheimliche Vielseitigkeit. Es sind jedenfalls nicht seine Vorzüge, die ihn mit seinen Genoffen vom „Jüdischen .. Verlag" verbinden. Mit diesen hat er nur die vollständige Unkenntniß des Hebräischen gemein, doch steht er als jüdischer Gelehrter himmelhoch über jenen. Hat ./;• er ja die Bibel, wenn auch nur in der Uebersetzung, ge- . lesen, und, soweit dies so möglich, .verstanden, auch ... - scheint er. gewisse Kapitel aus Graetz' „Geschichte der . Juden" gelesen.zu haben, wenigstens ist ihm die Bar .Kochba-Zeit einigermaßen vertraut. Aus dieser Zeit . hat er nämlich ein Drama geschrieben, das vor vielen .Jahren zweimal in Lemberg aufgeführt wurde. Das . .ist aber auch alles. Von irgend welcher mehr als oberzivi.. rffächlicher.^enntniß der jüdischen Lehre.und Geschichte .jgnn bei ihm nicht, die. Rede sein, alle Probleme der. ju- ^.chjschen -Wiffenschäst,. alle Dedürsnisse des jüdischen Le- 73 bM sind ihm. völlig, fremde fremd sogär die innere Einrichtung eines jüdischen Gotteshauses. . Gleichtyohl.hät. er einmal eine -große Abhandlung Über^ie Zukünft des'. Judenthums geschrieben. In der Zukunft des Juden-,. , *) In dem ersten Artikel in Nummer 27 sölletz' anstatt r>rw-, und anstatt D,-»>3D, qh’J2D heißen. thums ist er jedenfalls besser bewandert, als in dessen Vergangenheit und Gegenwart. Vor 16 Jahren , gab er ein Büchlein „Materialien zur Statistik des jüdischen Stammes" heraus. So weit es Zahlen enthält, der» altete Kompilation, wo er es aber unternimmt, das jüdische Leben selbstständig zu schildern, von auffälliger Unkenntniß. In seinem Buche „Einleitung in die Sozialhygiene" hat der Verfasser der. talnmdischen und rabbinischen Gesetzgebung einen umfangreichen Abschnitt gewidmet, der von Citaten aus Mischna, Gemara, Rambam, Schulchan Aruch nur so wimmelt. Doch wollen wir davon lieber Nicht reden Es ist klar, daß der Verfasser nie das Original auch nur einer einzigen der von ihm zitirten Stellen mit eigenen Augen gesehen hat.... Mqimonides' Halachawerk nennt er konsequent das ganze Büch hindurch mehr als hundertmal „Iad Hazakach"!.^/. Wir wollen lieber davon nicht reden.... Ich mußte an das talmudische Sprichwort denken: kani*' rs *wT m-no -pna m nbi nan n'2 xjpna' ,pno. Doch Herr Dr. Noffig ist auch als Bildhauer aufgetreten und hat einen ..Ewigen Juden," einen „König. Salomo," einen „Juda Makkabi" modellirt. Doch Herr E. M. Lilien, der mich über seinen Freund und Mitstreber, Herrn Dr. Noffig, ein wenig zu informiren die Güte hakte, belehrte mich, daß dieser kein Fünkchen von Talent zum Bildhauer besitze, daß seinen Werken jeder geringste Zug von Monumentalität fehle, daß sie eher stümperhasten Nippsachen gleichen, welche der Philister in seiner guten Stube aufstelle. Aber darüber mögen kompetentere als ich entscheiden. Durch Herrn Lilien erfuhr ich aber , von einem Plan, der für gewisse Strömungen und Geschmackrichtungen unserer Zeit so bezeichnend ist, daß ich ihn hier erwähnen muß. Herr Dr. Noffig verfolgte lange Zeit mit eiserner Energie den Plan, ein Komitee aus den hervorragendsten Juden zusammenzusetzen, welches unter den Glaubensgenossen aller Länder. Geld sammeln sollte, um dafür den „Ewigen Juden" in Erz gießen und ihn auf geweihtem Boden in Jerusalem aufstellen zu lassen! Um eine millionenreiche Dame in Berlin für diese Idee zu gewinnen, schrieb Herr Dr. Noffig über die schlechten Uebersetzungen, welche diese Dame von mittelmäßigen Büchern veranstaltet,' ellenlange lobhudelnde Artikel in einem großen Berliner Blatte, indem er ihren Salon, ihren Gatten und ihren Kunstsinn über alle Maßen pries.'Gleichwohl ist aus der Sache nichts geworden,''und- 'wie - sind ''vor der scurrilen Idee dieses - Monumentes ^berschottkgeblieben. .. So.sehen also/ getreu nach der Äatür gezeichnet, die. 'Mer/Bäbnhre^-uüZ-'Vie'ssch.KlWerWtMschiKn, eine;ritdk (SpD&jk Ln'KÄWeÄlwickelW^ÜllLk-ZSxaÄ^herauf- 'züfuhren. 'Mail konnte ja'die'ganze Sache! ais einen.