Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 29 (10.4.1902)
- Date
- 1902-04-10
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Hamburg. Am 1. April feierte Herr M. Kissinger sein 25jähriges Jubiläum als Lehrer der Talmud-Thora schule hier. Die allgemeine freudige Theilnahme der hiesigen Gemeindemitglieder zeugte von der großen, weitgehenden- Beliebtheit des Herrn Kissinger in allen Kreisen. Seine pflichttreue, nie ermüdende Berufsfreudigkeit, seine persönliche Liebenswürdigkeit fanden einen beredten Ausdruck in den zahllosen Besuchen, Beglückwünschungen und kostbaren Geschenken, die ihm zu Theil wurden. Herr Kissinger ist in Rodelsee in Bayern geboren, absolvirte das Würzburger Lehrerseminar, kam 1876 an die jüdische Gemeindeschule in Altona, von da 1877 an die Talmud- Thora-Realschule in'Hamburg. Qbornik, 6. April. (Müssen jüdische Kinde ran jüdischen'Feiertagen die Schule besuch e n? Die Kinder des Kaufmanns Ludomer, welche die hiesige Simultanschule besuchten, waren während der jüdischen Feiertage dem Schulunterricht ferngeblieben. Ludomer wurde wegen der Schulvers'äumniß seiner Kinder in Strafe genommen. Er beantragte gerichtliche Entscheidung und wies darauf hin, daß seine Kinder früher stets ohne Weiteres während der jüdischen Feiertage die Schule nicht besucht' hätten. Die Strafkammer verurtheilte aber den Angeklagten zu einer Geldstrafe,, weil er ohne Genehmigung des Schulinspektors seine Kinder während der jüdischen Feiertage nicht vom Besuche der Volksschule fernhalten dürfe. Wenn der alte Schulinspektor es stillschweigend duldete, daß die Kinder während der jüdischen Feiertage ohne Weiteres der Schule fernblieben, so sei dies unerheblich; er hätte sich bei dem neuen Schulinspektor erkundigen müssen, ob .er auch fernerhin seine Kinder ohne weitere Genehmigung an den jüdischen- Feiertagen vom Schulbesuch fernhalten konnte.. Diese Entscheidung focht der Angeklagte-durch Revision beim Kammergericht an. Er betonte, er habe überhaupt nicht in Erfahrung gebracht, daß ein neuer Schulinspektor eingesetzt sei. Das Kammergericht hob auch die Vorentscheidung auf. und wies die Sache an das Landgericht zur anderweiten Entscheidung mit der Begründung zurück, an und für sich haben jüdische Kinder ohne Genehmigung der Schulbehörde auch an jüdischen Feiertagen den Schulunterricht zu besuchen und können davon nur auf Antrag entbunden werden. Es bleibe aber noch zu prüfen, ob sich der Angeklagte nicht in einem thatsächlichen Jrrthum befunden habe, welcher gemäß Paragraph 69 des Strafgesetzbuches eine Bestrafung ausschließe.; . Schrimm, 6. April. Am 3. Mai werden es 26 Jahre., daß Herr Kantor Werblowski sein Amt als Kantor und Schochet der hiesigen Gemeinde angetreten. Derselbe erfreut sich hier allgemeiner Beliebtheit, amtirte zur vollen Zufriedenheit der Gemeinde und seiner Vorgesetzten. Vier Jahre wirkte derselbe unter den Rabbi Meier Schreiber s. A. und Rabbi Matias Futter s. A., zehn Jahre zur Zeit des Herrn Rabbiners Dr. Jacobssohn, zwei Jahre, unter Leitung des Rabbinats-Assessor Pedazur Schreiber s. A., und neun Jahre schon unter Leitung unseres gegenwärtigen Herrn Rabbiner Dr. Vamberger. Die erwähnten fünf Herren wirkten stets in schönster Harmonie in Gemeinschaft mit dem Herrn Kantor Werblowski. Derselbe wurde während dieser Zeit von verschiedenen großen Gemeinden Deutschlands berufen und gewählt, doch lehnte er stets den ehrenden Ruf ab, weil er trotz des geringeren Einkommens voHog, in Schrimm, einer frommen Gemeinde, zu wirken. Die hiesige Gemeinde beabsichtigt, am 3. Mai das 25jährige Amtsjubiläum des Herrn Kantor Werblowski feierlich zu begehen. Es dürfte diese Nachricht für viele auswärtigen Gönner und . Freunde des Jubilars sicherlich von Interesse sein. Dem wackeren Kultusbeamten, der als ein Mann von biederem Charakter, als gewissenhaft und strengreligiös im Dienste, nicht blos in unserer Gemeinde, sondern auch in der ganzen Umgegend bekannt und beliebt ist, wünschen wir, daß er noch viele Jahrein voller Kraft und dauernder Gesundheit seines Amtes walte. WormS, 2. April. In bescheidener Stille begeht Herr Jakob Aron hier heute den Tag seiner 26jährigen Thätigkeit als Vorsitzender des hiesigen israel. Studien-Vereins. Alle, welche von dem Verein mit seinen edlen Bestrebungen in dieser Zeit Unterstützung bezogen und mit dem Vorsitzenden in Verkehr gestanden, erkennen seine Loyalität und großes Entaegenkommen gegen Arme an. Möge der Jubilar in gleicher. Eigenschaft zum Wöhle des Vereins und aller Unterstützungsbedürftigen noch weitere 26 Jahre thätig sein. Rumänien. Bukarest, 6. April. König Karo! empfing den Präsidenten und den Prediger der isr. Ehoraltempelgemeinde, um deren Berichte über die den israelitischen Handwerkern vom neuen Gewerbegesetze drohende schwere Schädigung entgegenzunehmen. .. Vermischtes. Drohobycz. (Eine 20 000 Kronen-Spende.) Vor Kurzem haben wir die irdische Hülle der hochcdlen FrauDtilka Gärtenberg zur Gruft begleitet, einer Frau, deren Hochherzigkeit weit und breit bekannt war, einer Frau, die in der von ihr im Jahre 1888 gestifteten Altcrsversorgungsanstalt persönlich die alten Männer und Weiber pflegte und über das von ihr gestiftete jüdische Spital die Aussicht leitete, einer Frau, die ohne Spur von Stolz, mit Jedermann freundlichen, wohlwollenden Verkehr pflegte. Mit ihr schienen alle Hoffnungen der Armen und Mitlridsbedürftigcn eingcsargt zu werden. Aber der Geist edler Wohltbärigkcrt ist nicht erloschen. Herr Felix Gartenberg und Frau Amalia Gartenberg haben aus Anlaß der goldenen Hochzeit des Erzherzogs Rainer 20 000 Kronen gespendetzum Zwecke einer Stiftung für Ausheirathung armer, verwaister Mädchen.