Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 28 (7.4.1902)
- Date
- 1902-04-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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48. Jahrgang. JU M 28 dßS MM liieLttilt Littmtm gmcht? . - u. Herr E. M. Lilien titulirt sich „Schöpfer der modernen jüdischen Kunst." Du brauchst dich ihm nur vorzustellen, und ehe er noch deinen Namen richtig vernommen hat, erfährst du die ganze Lebensgeschichte dieses jungen Mannes. Er zeigt sehr gerne seine „Werke". Er hat entschieden ein sehr hübsches, niedliches, kleines Talentchen. Bis zum Jahre 1901 zeichnete er verschiedenartige Püppchen, mehr oder minder unbekleidete Mädchenfiguren, hauptsächlich für Witzblätter oder als Plakate und Reklamen für Mundwasser, Fahrräder, Kämme, Zeitungen, Gummiwaaren, Photogravhcn etc., je nach Bedarf der Besteller. Auch in der Kleinkunst des. Er l.ibris, einem Sport, der in letzter Zeit von reichen Künstsnobbs getrieben wird und zur ernsten Kunst nur in einem ganz losen Verhältnisse steht, hat. er recht niedliche und putzige Sächelchen gemacht, auch hier die Nuditäten mit Vorliebe pflegend. In München hat er sich die dort heimische, von den Japanern stark beeinflusste sog. „secessionistische^ Manier der Schwarzwciss-Zeichcnkunst angeeignet, und es hierin zu einer sehr bedeutenden Fingerfertigkeit gebracht. Selber — wie gesagt —- verfügt er über ein sehr gefälliges^ niedliches, das Spielende und Leicht: vorziehende kleines Talentchen. Da. cs mir aber bei alledem , unerfindlichwar, in. welcher Beziehung diese „Kunst" formal und ^stofflich zum Judenthum steh:, und was. an ihr das spezifische Jüdische wäre, so wollte ich einstweilen ermitteln, in welcher Beziehung dieser Künstler selber seelisch zum Judenthum, zu dessen Gefühls-und Geistesleben stehe, was er von dessen Inhalt und Vergangenheit, wisse, u. s. w. Ich überzeugte mich nun, dass Herr E M. Lilien die Bibel nicht gelesen hat, nicht nur in der Ursprache nicht — er ist nämlich des Hebräischen gänzlich unkundig und kann nur mit Mühe buchstabiren — sondern auch in keiner anderen Sprache. Die ganze Sache ist ihm völlig fremd. Wie weit seine sonsti-. gen .Kenntnisse vom'Judenthum reichen, kann man sich leicht vorstellen.. Das.ist natürlich-viel weniger als' nichts. Doch, im Jahre 1900.lernte.er in der.Redaktion eines Berliner Witzblattes den, jungen Paron Börnes., von Münchhausen.kennen^ der eipe R,eihe biblischer .Ge-, dichte do^räthig hatte,,und ^ivje alle Mfängexr-, da--. ragf. brayich. G>it,Mu^r^ogen, her-lnsziiMn,' Ms -Krsien. ->JWHjfo i .nun, % .JllMxgtiMN; dichtzg.h:vj die "r W.uyjcr.de-n Titel- ^.Juhq" .herausgekompren-sind. Der-Protestant. Msinchhausen hatte -offenbar das alte Testament gründlich gelesen, sich mit ihm vertraut gemacht und es, wenigstens zmn Theil,- tief - empfunden und von ihm starke-Eindrücke; empfangen, die - nün in diesen Gedichten ausströmten, deren einige voN^ einem Hauch echter Poesie u. Kraft,durchweht-sind.-Der » Jude Lilien hatte-nie irgendwelchen Eindruck von der Bibel empfangen, er lebte sich ln sie nur durch das Medium dieser Gedichte hinein, die er auch nicht überall verstanden hat. Als ich Herrn Lilien über den Sinn des i mir unverständlichen Gedichtes „Enal vor Gomorroh"/ befragte, war ich erstaunt, wahrzunehmen,, daß Herrn Lilien keine Ahnung hatte, was Enal. was^Gomornhi heisst. Aber er hat gleichwohl den Ena!- vor Gömortohl gezeichnet, in Gestalt eines putzigen Ritters, -. der: auf; einem flitterbehangenen. Kamee! sitzt. Es 'ist klar, dah< Herr Lilien in gar keinem inneren Verhältnisse Zu. de»; von ihm. gezeichneten Gestalten und Sze n en.st eht; dass-.er? .sie gar nicht empfunden, gar nicht innerlich, erlebt--hat/, 'dass sie ihm in der Seele ganz fremd sind.:,. Dennöch! hatte Herr Martin Buber ein wenig übertrieben,-'alS.eri die Güte hatte, mich über seinen Freund E. M:- Lilien zu informiren und mir versicherte, dieser sei,als.'Kunst-., ler höchst unbedeutend. „Juda" sei als Jllustrationswerkj äusserst mittelmähig und werde binnen kurzem vergessen« werden. Das Buch hat in der That einige hübsche; Blätter;, das schönste unter allen aber, ist der-Rahmt», zu dem.einleitenden Gedicht „Euch"! Dieser Mahmen.^. besteht aus lauter Köpfen berühmter jüdischer Männer./. Der Einfall ist hübsch und .die Ausführung ^verdient -alles Lob. Die Köpfe, . -die -alle der bekanntem Tafeln tzrr-.v"' entnommen sind, wirken auf eine» altmo«: bischen Juden, wie ich, äusserst anziehend und anheim, melnd, alle sind ihm lieb und traut, alle erzählen ihm: merkwürdige, oft traurige Geschichtenaus. der.Ver-- gangenheit Israels. Und er lässt sich in diesem.' Genuss:: nicht stören, dadurch, dass Herr Lilien, der sie hier sr husch sauber nebeneinander gereiht hat, nicht einmal hih Namen dieser Köpfe zu nennen vermag und der: einen j; vom andern nur durch das Aussehen unterscheiden kann^, Für ihn sind es lediglich Puppen, die ihm nichts, sagend nichts erzählen, mit. seiner Geisteswelt in keiner.Verbind 'düng stehen: er bedient sich ihrer blos zu dekorativen- Zwecken. , Dagegen, ist die sitzende.Frauensigur. ...... Thorarolle aus-dem Arm,.zuch:Schluss; deH Buchtzs;- welche ..eine Art Apotheose des.-,Judxnth»ms^.dgxstMllsoll, nichts.'als'.eine.Nachahmung-«per..M^zMreichtzi^ :Madonnen> 'tM-H'ste-i'.in iDichenden' vosZefützrt iMdezi^ ,Hie Fjgu^zM ÄWphe- HÄ)# swMAesMRflieAltttkit,,ErxaW .ji» .erste»,Llij8§nM)Murch-rpsllo uny:HMes..;hat»)i^nrK-rsle Mm -allen anderen Arbeiten Liliens absticht,, die, alle.guflsi .Niedliche, Gefällige, und Weiche gehen.Aber, einer