Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 28 (7.4.1902)
- Date
- 1902-04-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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i'il F i--: bW:' r Ich habe Sie bereits voll Sehnsucht erwartet, denn ich möchte doch baldmöglichst meinen Haushalt entsprechend umgestalten, dazu aber benöthige ich vor allem eine fromme, jüdische Haushälterin. Können Sie mir vielleicht eine empfehln?- „Ich habe bereits darüber nachgedacht und glaube. Ihnen in wenigen Tagen eine zuverlässige, in jeder Beziehung geeignete Person verschaffen zu können. Bis dahin lassen Sie alles beim alten, nur machen Sie uns das Vergnügen, die Hauptmahlzeiten bei uns einzunehmen.- j : ‘ : ' „Ich danke Ihnen, von ganzem Herzen danke ich Ihnen. Aber es liegt mir gar nichts daran, mich einige Tage der Fleischspeisen zu enthalten.- „Das ist unnöthig, liebes Fräuleian. Sie wissen doch, daß Sie uns in Wirklichkeit ein Vergnügen machen würden." „Sie sind sehr, sehr gütig, aber ich bitte sehr, dringen Sie nicht in mich.- „Wenn Sie durchaus nicht wollen — so will ich sehen, daß die Betreffende, die ich im Sinn habe. bal-. digst bei Ihnen eintreten kann, ich werde sofort selbst zu ihr gehen." Mehrere Tage waren verstrichen; Isabella war auch bereits der Form nach zu der Religion ihrer frühesten Ahnen ubergetretcn. Sie hatte inzwischen — aber nur, wenn sie den Doktor außer dem Hause wußte — dessen Mutter fast täglich besucht und fast ebenso oft waren die zwei Kinder bei ihr gewesen. Ihn selbst hatte sie nicht wiedergesehen seit jenem Schreclenstage, an dem er,sie zu seiner Mutter hinaufgeführt hatte. Es war am Abend. Fräulein von Rauhenstein saß am Flügel, aber sie hatte keine Noten vor sich, wie traumverloren saß sie zurückgelehnt, während ihre schlanken Finger über die Elfenbeintasten glitten. Ohne daß sie es auch nur ahnte, spielte sie eine jener wunderbar schönen, altjüdischen Melodien, die so oft an Freitag Abenden, wenn sie ihr Fenster öffnet< aus der oberen Etage zu ihr herniederdrangen, als der alte Pedro den Besuch des Herrn Doktor Müller meldete. „Führen Sie den Herrn Doktor in den Salon." befahl sie, indem sie sich erhob. . Der Bediente hatte erwartet, daß sie den Arzt,, wie schon öfter, im Wohnzimmer empfangen werde, aber das schien ihr heute unmöglich. . Die Befangenheit, die sie anfangs so oft befallen hatte, wenn .sie auch nur seinen Namen -nennen hörte, hatte sie wiederum nahezu überwältigt.- Mehrere Minuten mußten. verstreichen, be^g^sie.eHWkL',M^Kwimrrn" körW!er/M'Hhu«..W anstoßenden^ Salons zu öffnen.- Endlich ermannte sie sich.'"' Mit höchgerÄheten Wangen: und?.gusge.strerkte.r Hand trat sie ihm entgegen, ohne jedoch'im Stände zit sein, dem auf sie gerichteten Blicke zu begegnen. ... „Ich mutz sehr um Entschuldigung/bitten,' Herd Doktor, daß ich Sie habe warten lassen.-. /V/ , „Aber ich bitte" sehr. Wenn ich jedoch' stören sollte —-'; „Nein, nein. Sie stören keineswegs. Bitte, setzen Sie sich. Und nun muß ich vor allem nochmals um- Entschuldigung bitten, daß ich so lange gezogert^abe'/ Ihnen meinen Dank auszusprechen.-^ „Dank?" wiederholte er verwundert,/ ^sch wüßte nicht, wofür Fräulein von Nauhenstein mir. zu/danken: Das kommt davon, weil Sie tagtäglichso'viele Menschen sich verpflichten, da haben Sie's vergessen,- cntgegnete sie mit einem Versuch, zu scherzen; ' •//;. Er erwiederte nichts. In schweigender Bewundei rung hing sein Blick an dem berückend schönen Mädchen.-- Es war seltsam; der sonst so redegewandte Mann/and'. . heute keine Worte, und er hatte doch übetleKn/konsten^/- was er hatte sagen wollen, er war ja nicht gerufen / worden, freiwillig war er gekommen, und nun saß er ' stumm, verlegen ihr gegenüber, wie ein schüchterner j Schulknabe. Die Befangenheit des jungen Mädchens! ' steigerte sich dadurch bis zur Unerträglichkeit, mit Ge- Walt suchte sie dieselbe abzuschütteln.' ' '7 ..!,T „Haben Sie wirklich schon vergessen, Herr Doktor/ wie sehr Sie midi verpflichtet haben, als ich neulich durch einen Brief meines unglücklichen Vetters der Verzweiflung nahe war." ///;/.;„//• „Aber ich bitte sehr ' •;//\; ..Und für die Uebersehung schulde ich Ihnen auch / so vielen Dank — den wollen Sie auch zurüclweisen?"/ „Nein," versetzte er mit seltsamer Betonung/.,den will ich keineswegs zurückweisen — im Gegentheil—". „Im Gegentheil? das'heißt?/ -..Das cheißt, daß ich Fräulein von Nauhenstein^ bitten, wollte mir als Lohn für meine Uebersetz'ung eine — eine Gnade zu wahren," fügte er mit nervösem ' Lächeln hinzu. . Sie zog die glatte Stirn in Faltem „Eine Gnadesollte ich Ihnen gewähren? Herr Döktor/Sie spottetk-- meiner-r~u■. ■ ../ y C „Um's Himmelwillen, Fräulein, nur das/mütheN: Sie mir nicht zu! Mit heiligem Eide könnte ich es. be-. - schwören, daß i-ch es in Wirklichkeit-als/Gnad'e beträch^ ten. würde, wenn Sie.—^.aber ich f c ein * /K ü 51» f : war nicht am Platze —5 „Freilich nicht," stimmte sie' bei'. Durch seine sich-./ steigernde Unsicherheit fand sie' jh'tt'SMrrchkU^wkeE^'' „Und nun. bitte, Herr Doktor; sagenSie mjr öhsitMi-^ . tere Umschweife/ »womit, -ich daßs.Gie,EA.Ml,„WWvj« . Dank -berpflichten/tvenn- Sie es-Mr-'rrmog;Heip,^^M«ss ^eine/G-fässigkeilzu^erweiseN. - Also/ Her'r'Nöktor- „Sie haben recht," sagte er,, sich stramm aufrichtend, „die Umschweife führen zu nichts. Also ohne wei-