Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-04-03 · Heft 27 (3.4.1902) · page 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 27 (3.4.1902)
Date
1902-04-03
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449821--55678-2518361
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3. April 1902.] I u rs sine ßxsZZs MÄZ^s Msßöckiv stach, darüber geben die hinterlassenen interessanten Aufzeichnungen eines französischen Geistlichen Aufschluß, die in Einzelheiten bisher unbekannt, waren. Frankreichs große Tragödin, Fraulein Rachel, war erkrankt. Die Blätter widmeten diesem Ereigniß ganze Spalten. Viktor Sardou hatte sie bei einem Berwandten im Dorfe Cannet im Süden Frankreichs untergebracht. Dort erfreute sich die Künstlerin der aufmerksamsten Gastfreundschaft, nur war der Besitzer der Villa ein Sonderling, er hatte sein Heim mit den verschiedensten Denkmälern orientalischer Religionen ausgeschmückt. Jedes Hausgeräth war ein Symbol. Als die Künstlerin durch die Strapazen der Reise ermüdet ankam, es war Abend, sah sie sich kaum um, die Schmerzen peinigten sie und sie besaß kaum noch die Kraft, sich auf's Bett zu werfen. Während der Nacht erwachte sie und stieß einen Schrei des Entsetzens aus. Das Bett, in welchem sie lag, hatte die Form eines Sarges, und es war ihr, als ob die Gestalt einer Frau sich über sie beugte, um sie zu sich zu ziehen. ' „Der Tod," schrie die Künstlerin, „er kommt, mich zu holen." Man beruhigte die offenbar schwer Kranke und zeigte ihr, daß die vermeintliche Frau eine aus Holz geschnitzte Figur war, _ welche die Vorhänge zurückhielt.; Fräulein Rachel verbrachte ihre letzten Tage in wechselnden Phantasien und mit jenen düsteren Wnungen, die „bei allen organischen ^Krankheiten Vorkommen.^.;V;; ' Eines Morgens frug sie, ob eS in Cannet wohl ein israelitisches Bethaus gebe — sie wolle es besuchen. „Ich denke," sagte ihr Hauswirth, >Sie sind Christin geworden?" „Allerdings, aber meine Mutter sagte mir einst, die Taufe thut's nicht allein, im Herzen bleibt immer ein Rest jüdischen Blutes zurück, daS sich, wenn die Sonne zur Neige geht, rührt! Ich gedenke sehr oft dieser Worte!" „Ihre Sonne, liebe Rachel, geht nicht zur Neige, sie wird noch lange strahlen!" --f . . „Ja, ja," entgegnete die Künstlerin nachdenkend, „sechs Stunden des Tages hoffe ich und die übrige Zeit bin ich in Verzweiflung." . - - z- Fräulein Rachel war auch auf dem Krankenbett Künstlerin. Ihre schrecklichsten Schmerzen drückten sich zuweilen in edlen, abgerundeten Bewegungen plastisch : aus. Sie war sich dieser Bewegungen bewußt, denn selbst während der heftigsten Seelen- und Körperleiden pflegen große dramatische Künstlerinnen sich selbst zu sehen, sie geben sich selbst ein feierliches Schauspiel und so groß auch ihre Verzweiflung wÄr, sie beobachtete dieselbe und erschien sich wie eine. schone Statue des Schmerzes. Sie wollte den Schmerz, Wieste sagte, in der nächsten Rolle, die Ernest Legonve für sie schreiben soll, kopiren. ^Z;'Z;\\: ... ■ Wenige Stunden, vor dem Tode der Künstlern LÄ Fräulein Rachel um einen Priester,., mit .bär ^WedoK. dIlein sein wolle. ManÄeilte/M'deu.'Wünsch'^er^ Tragödin schnell zu .erfüllen. Da der Pfarrer 1x8 OrteS abwesend war, .ersuchte man einen zufällig . als Mast in Cannet anwesenden Geistlichen, diese christliche Liebe zu bethatigen. Als der Geistliche erschien, um d?r Kranken

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.