Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1902)
- Date
- 1902-07-10
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der fesselnde Einleitungsvortrag (in Nr. 26 der Israelitischen Wochenschrift wörtlich zum Ausdruck gebracht) stellte bald die. rechte Stimmung her. Die praktische Einübung geschah durch Vortrag der einzel- ° ncn Piexen in Gesang und auf dem Klavier durch den Uebungsleiter, durch Besprechung der musikalischen Eigenheit des Stückes und durch Nachsingen seitens der Korona zunächst im Chor, dann einzeln. Im Ganzen wurden 15 Pieceen nach Sulzer, Weintraub, Hecht, Birnbaum und Lewantowski eingeübt, die mit der vorangegangenen ersten Uebung alles umfassen, was gesanglich beim Aus- und Einheben zum Vortrag kommt. Die Uebungsblätter nebst der deutschen Sarka- oder Somisationstabelle sind für 50 Pfg..(zum Besten der ystpreußischen Pensionskasse) von dem Unterzeichneten zu beziehen. Die Uebungen hatten etwa IV. Stunde erfordert. Nach einer kurzen Frühstückspause sprach Rose n t h a l - Königsberg über das „Fürsorge - Erziehungsgesetz." Redner gab instruktive Anweisungen für die praktische Ausnützung dieses hervorragenden sozialen Hilfsgesetzes, forderte die jüdische Lehrerschaft Ostpreußens zur fördernden That dabei auf und gedachte am Ende auch der hochherzigen Schenkung des verstorbenen Herrn Rosenstiel-Berlin, der der deutschen Judcnschaft so schnell zu einer eigenen Anstalt zur Fürsorge bedürftiger Kinder verholfen hat. Der Vortrag fand reichen Beifall. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete der „Bericht über den Verbandstag in Hamburg," erstattet von Sturmann-Osterode und ergänzt, von Peritz-Königsberg. Referent präcisirte seine Stellung zu den einzelnen Verbandlungsgegenständen jener Versammlung und sprach seine Befriedigung aus, daß es bei dieser Gelegenheit auch gelungen, die langgeführten Bestrebungen des ostpreußischen Vereins für eine veränderte, der Gesammtheit der jüdischen Lehrerschaft im höheren Maße dienende Gestaltung der VerbandS- Penstonskasse zur maßgebenen Anerkennung zu bringen. An die Ausführungen des Referenten knüpfte sich eine ausgedehnte Debatte, die besonders die Haltung und Wirksamkeit des Verbandsorgans behandelte. Die Versammlung war einmüthig der Ansicht, daß die Verbandszeitung ihre Aufgabe nicht in rechter Weise erfülle und die Verhältnisse im Verbände nicht günstig beeinflusse. Ihre Wirksamkeit führe nicht zur Einigung, sondern zur Entfremdung der Kollegen und könne leicht die Existenz des ganzen Verbandes gefährden. Das bei dieser Gelegenheit zur Verlesung gekommene Schreiben des Herrn Direktor Dr. Adler wurde als Beweis aufgefaßt, wie erschüttert der Zusammenhang des Verbandes durch die Zeitungsthätigkeit sei, daß man solch' außerordentliche Einwirkung für nothwendig erachte. Im Anschluß daran nahm die Versammlung einstimmig folgende Resolution an: „Der Verein jüdischer' Religionslehrer Ostpreußens erklärt, fest und treu zum Verbände der jüdischen Lehrer-Vereine zu stehen, indem er nur in dem engen Zusammenschluß aller Glieder des jüdischen Lehrerstandes die Gewähr einer gedeihlichenEntwicke-, . lung desselben zu erblicken vermag. Der Verein erklärt ferner, daß die unter der Verantwortung des Verbands-Vorstandes stehende Verbands-Zeitung dieses Streben nicht immer, zu unter-, stützen bemüht ist, vielmehr durch eine unvorsichtige, parteiische und vielfach nicht sachliche Haltung, wie durch einen ungemessenen Ton die Gegensätze in der Lehrerschaft nur verschärft und die Einigkeit.unter den Kollegen direkt gestört hat. r Der Verein erachtet es im Interesse des Verbandes nach innen wie nach außen für unbedingt nothwendig, daß der Verbandsvorstand der Leitung des Verbandsorgans eine größere Aufmerksamkeit schenkt und Maßnahmen trifft, die die grundsätzliche Bestimmung des Blattes, als eines Organs der Einheit, des Friedens und der Gerechtigkeit mehr hervortrcten lassen." --- Nach Erledigung der vorgesehenen Tagesordnung beschloß die Versammlung noch, sich , dem Antrags des w e st p r e u ß i s chen-Ver,ei n s an den ,Der-: band der jüdischen Lehrervereine anzuschließen,, wonach dieser zur Verbesserung der Anstellungsverhältnisse der? jüdischen Cultusbeamten (Rabbiner,^ Lehrer und Kan-- koren) in Verbindung mit dem Rabbinerverband, ge-.. eignete Schritte bei der Regierung unternehmen soll. Die Begründung des Antrages in der Versammlung geschah durch den anwesenden Vertreter des .West-.- preußischen Vereinsvorstandes, Kollegen.^Äa.nn-' heim - Graudenz. -5■ -jv Damit waren die Verhandlungen — gegen?4.Ahr Nachmittags — erledigt. Herr Rabbiner Dr. B e e r »' mann-Insterburg dankte dem Vereinsvorstande für seine arbeitsreiche Thätigkeit im Interesse des Vereins und speziell dem Vorsitzenden für.seine geschickte Leitung der Versammlung. Darauf schloß der Vorsitzende die' 13. Versammlung jüd. Religionslehrer Ostpreußens. Um 5 Uhr vereinigten sich die Mitglieder .und Gäste zum. gemeinsamen Diner, wobei die durch den schönen Verlauf der Tagung geweckte Stimmung in fröhlichen Toasten und. Liedern durchschlug. Abends fanden sich die Theilnehmer mit ihren Familien in der Transvaal-Ausstellung und im Ausstellungstheater zusammen und vollendeten so in fröhlicher . Gemeinschaft die Stunden ihrer vorangegangenen ernsten Arbeit. Zum Schlüsse sei noch mit Dank vermerkt, daß die gesammte Aufnahme der Versammlung in Vespeisung und vergnüglicher Unterhaltung, während beider Verhandlungstage von dem Lokalverein jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Königsberg geboten wurde. Ad. Peritz, Vereins-Schriftführer. Königsberg.