Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1902)
- Date
- 1902-07-10
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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UM Die dem Verein überwiesene Exemplare des Flanter'schen »Israelitischen Jugendfreundes", sowie Schriften aus dem Verlag von Jacobsohn u. Comp, in Breslau werden mit entsprechender Empfehlung zur Vertheilung gebracht. Gegen 9 Ühr endigte die Abendsitzung, der sich noch ein gemüthliches Beisammensein anschloß. ' Die Verhandlungen wurden am Morgen des 20. Mai in öffentlicher Sitzung fortgesetzt. Der Vorsitzende begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste, speziell den anwesenden Vertreter des Verbandes der Synagogen-Gemeinden Ostpreußens, des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde Königsberg, des zu Gaste gekommenen Vorstandes des Vereins jüdischer Religionslehrer Westpreußens und im besonderen auch Herrn Professor Dr. Lassar-Cohn-Königsberg, der außer in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied der Königsberger Gemeinde, auch als Vertreter der Familie des verstorbenen Rabbiners Dr. Nürnberger, der um den Verein unvergeßliche Verdienste hat, der Versammlung beiwohnte. Der Vorsitzende schloß seine einleidenden Worte mit einem Hoch auf den Kaiser, in das die Versammlung begeistert einstimmte. - Es folgten darauf die Begrüßungsreden des Herrn Rechtsanwalt H o l z - Königsberg Mamens des Vorstandes der Königsberger-Synagogengemeinde und zugleich Namens des Ostpreußischen Synagogen-Verbandes; des Vorsitzenden des' Westpreußischen Bruderoereins, Herrn Kollegen G ei s e n.b e'r g - Mariönwerder und des Herrn Rabbiners Dr. V o g e l st e i n Königsberg, Namens der lokalen Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Königsberg. Der Vorsitzende verlas außerdem diverse Begrüßungsschreiben. Die Konferenzarbeiten begannen dann mit einem Vortrage des Herrn Rabbiners Dr. B'eermann- Jnsterburg über das Verbandsthema: »Die Psalmen im Religionsunterricht." Da der interessante und mit großem Beifall aufgenommene Vortrag inzwischen in Nr. 22 der »Jsr. Wochenschrift" zum Abdruck gekommen, erübrigt sich hier seine inhaltliche Skizzierung. Dem Vortrag folgte eine ausgedehnte Debatte, die die in dem gehörten Vortrage zum Ausdruck gebrachten Ansichten in allen wesentlichen Punkten anerkannte. Zum Schlüsse wurden folgende Leitsätze nach dem Vorschläge des Referenten angenommen: d 1. Dem Psalter ist wegen seines unübertrefflichen religions-ethischen Inhalts, wie wegen seiner hervorragenden homiletisr^n Bedeutung gleich dem Pentateuch und dem Siddur eine Zentralstellung im Religionsunterrichte einzuräumen. 2. Die Verwendung der Psalmen im Religionsunterrichte hat sowohl in besonderer, unterrichtlichn Behandlung (beim Unterricht im deutschen Bibellefen, wie beim Lesen des hebr. Urtextes), als auch gelegentlich (beim Unterricht in der bibl. Geschichte und in der Religionslehre) zu geschehen. . 3. Beim Unterricht in der biblischen Geschichte und im systematischen Religionsunterrichte sind Psalmverse und kurze Psalmen ausgiebig zu verwerthen und zur Einprägung zu bringen; letzteres bei Einzelversen immer, bei ganzen Psalmen, soweit angänglich, in hebräischer Sprache. 4. Die zusammenhängende (spezielle) Behandlung der Psalmen ist erst auf der Oberstufe vorzunehmen. 5. Die Auswahl der zu behandelnden Psalmen richtet sich nach dem Gange des übrigen Religionsunterrichtes. Inhaltlich verwandte Psalmen sind zusammen zu lesen. , 6. Bei der Lektüre ist nicht sowohl auf das verstandesmäßige Erfassen, als vielmehr auf die gemuthbildende Verwerthung des Inhalts der Nachdruck zu legen. Bei der Erklärung ist auch die apologetische Seite zu berücksichtigen.. . 7. Für die methodische Behandlung haben noch folgende besondere Grundsätze zu gelten: Bei der hebr. Lektüre zuerst die vollständige sprachliche Erfassung des hebr, Textes; dann die inhaltliche Erklärung nach einer guten, deutschen Uebersetzung; zuletzt die gedachtnißmäßige Einprägung je nach Lage der Verhältnisse, hebr< oder deutsch. Eine kurze Einleitung gebe stets die Situation, aus der das Psalmengedicht herausgewachsen ist. Keine gewaltsam^ Dispositionsübung, dagegen stets Züsammenfassen des Inhalts in eine charakteristische Ueberschrist. 8. Als besonders geeignet für die deutsche Behandlung sind die Nachdichtungen der Psalmen in Klausner's »Gedichte der Bibel" zu empfehlen. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildete eine praktische »Lehrprobe über das fünfte Gebot," gehalten von Sandler -Königsberg. Auch an diese, im ganzen gelungene Darbietung schloß sich eine ausgedehnte Debatte. Im Wesentlichen handelte es sich dabei um die erweiterte Auslegung, welche dem Gebote in der Schule zu geben ist, worüber die verschiedensten Ansichten zur Geltung kamen.. Der Referent selbst betonte in seinem Schlußworte, daß es bei der Darbietung einer. solchen Lektion nicht sowohl darauf ankommen könne, eine allseitig anerkannte und einzig gültige Auslegungsweise zu zeigen, als vielmehr e i n e der gültigen in methodisch geschickter Zubereitung. Insofern erkenne er auch andere Ansichten neben der seinigen an. Einen der Glanzpunkte der Versammlung bildeten . wieder die »Liturgischen Uebungen" (eine praktische Anweisung zur Fortbildung im liturgischen Gesang) von Birnbaum-Königsberg. Die Versammlungwurde plötzlich zu einer Gesangsvereinigung, bei der Jung und Alt die bekannten, gottesdienstlichen Weifen mit Ernst und Eifer in möglichster Schöne zum Bortrag zu bringen suchten, , -