Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1902)
- Date
- 1902-07-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449845--56269-2518323- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rheydt 1× ep/1045545
OCR text
43« Jahrgang. «Slum LttsMslW des dtiMkn NMttMbsiidks za srsiikflllt e. N. m 7.18. Mi Frankfurt a. M., 8 Juli. Der Rabbiner-Kongretz ist zu Ende und wir kommen auf seinen Anfang zurück, indem wir nun einen ausführlichen Bericht folgen lassen. Anwesend waren 70 bis 80 Vertreter; eine Reihe von Rabbinern, speziell die vom bayer. Rabbinerververband, waren in Folge der Schulprüfungen am Erscheinen verhindert und liegen diverse Entschuldigungsschreiben vor u. a. auffallender Weise von Gronem a n n-Hannover . dessen Erscheinen und Antrag schon lange von seinen Freunden verkündet wurde. Üngerleider - Berlin sandte ein Begriitzungsschreiben. 13 Mitglieder sind durch Tod abgegangen, und der Vorsitzende, Herr Dr. H o r o v i tz, erwähnte hierbei: „Mancher auunseren Reihen fehlt, vor Allem hier am. Vorstandstisch ist eine schier unausfüllbare Lücke: er fehlt uns hier und. überall, ein Mann, den Jeder von uns als den Besten anerkannte, Dr. Auerbach s. 21.; er war der frömmste deutsche Rabbiner und zugleich der duldsamste; ohne ihn wäre der Rabbinverband nicht zu Stande gekommen. (In Parenthese sei hier gleich bemerkt, wir können uns mit dem Superlativ von fromm nicht befreunden, da es für uns hierin keinen Suverlativ giebt. Dr. 2luerbach war der Besten Einer, „Er war ein frommer Rabbiner, Bekannt im deutschen Land, Nennt man die besten Namen, Wird auch der seine genannt", doch ist es gewiß nicht in seinem Sinne, wenn in dieser Weise der Rabbinerverband mit seinem Namen Propaganda macht, denn so — merkt man 'Absicht und wird verstimmt.) Rechtsanwalt Dr. P l o t k e hob in seiner Begrüßungsrede hervor, daß die Tagesordnung der Rabbinerversammlung dokumentire, daß dieselbe in erster Linie einberufen wurde, um dos Judenthum Zu fördern, hier berühren sich die Bestrebungen der Gemeinde mit denen des Rabbinerverbandes. Die Gemeinde und der Rabbinerverband seien wie Dornröschen zu neuem Leben erwacht und gemeinsam ist ihre Sorge aus die Hebung des Judenthums und seiner sozialen Aufgaben gerichtet. Die Gemeinde wünscht, daß die Verhandlungen zum Segen gereichen mögen. Dr. May bäum - Berlin erstattet den ° Geschäftsbericht und geht aus demselben hervor, daß der Vorstand eine reiche Thätigkeit entfaltete,., um die Bekämpfungen des rituellen Schlachtverfahrens abzuwehren. (Humorvoll sind die Berichte hierüber in den politischen Blättern, so schreibt die Sonnemann'sche „Kleine Presse": „In der Schächtfrage hat sich der Verband für das rituelle Schlachtverfahren ausgesprochen." Das. ist kurz und bündig). Insbesondere sei erwähnt, daß derselbe gegen eine Entscheidung des Oberverwaltungs-Gerichts, die aus 'Anlaß des Falles Rheydt ergangen ist, wonach den Kommunen das Recht zusteht, das Schächten in ihren Schlachthofordnungen zu untersagen, bei den Ministerien energisch protestirte, doch waren die bisherigen Schritte erfolglos. Dr. Maybaum schlägt vor, um den Kampf für das rituelle Schlachtperfahren energisch fortsetzen zu können, eine Denkschrift über das rituelle Schlachtverfahren herauszugeben und die Gutachtensammlungen fortzusetzen, i . Dem Bericht ist ferner zu entnehmen, daß auch der Konitzer Mord Gegenstand . der Berathung war. Der Centralausschuß sieht jedoch von einer Erklärung gegen die Blutlüge ab, in Erwägung, daß es entwürdigend sei, das Judenthum gegen die Anklage des Kannibalismus in Schutz zu nehmen; eine Erklärung .wird jedoch in Bereitschaft gehalten.' Dem Deutsch Israelit. Gemeindetag Hai der Vorstand eine Resolution eingereicht, dahin gehend, daß Kultuseinrichtungen oder Abänderungen nur mit Zustimmung des. Rabbiners vorgenommen werden,: ferner, daß der Rabbiner nach spätestens drei Jahren definitiv angestellt wird, unv bespricht Dr. Maybaum die Stellungnahme des deutsch-israelit. Gemeindebundes hierzu. Dr. Maybaum schließt seinen Bericht mH dem Hinweis, daß die Geschäftsberichte des Rabbinerverbandes zugleich die Akten der jüdischen Kulturgeschichte geben und der Verband sei unser Rüstzeug. — Auf 2lntrag des Vorsitzenden dankt die Versammlung, indem sie aus eine Diskussion verzichtet. Guitmann- Breslau spricht über „Die Be-. deutung des Judenthums in der Gegenwart." Das Judenthum dauert fort, so schloß der Redner unter stürmischem Beifall, weil fe§ seine Weltmission noch nicht beendet hat. 2lber es erhebt nicht den Anspruch, die alleinseligmachende Religion, zu sein; wir haben nur den Wunsch, daß man uns ruhig und ungestört des Weges ziehen lasse. Die Versammlung beschließt, den Vortrag sevarat drucken zu lassen. R o s e n a ck - Bremen referirt über „Die Bekämpfung des Mädchenhandels." Dieses tiefernste Kapitel darf nicht mit Stillschweigen übergangen werden. Vor zehn Jahren wurde im Reichstag zuerst da-.